Autos sind gefragt, Autos boomen. Die Perspektiven der Branche hellen sich mächtig auf. Nach jahrelanger Schrumpfung in Europa rechnen Experten für den Kontinent in diesem Jahr mit deutlichen Zuwächsen. Die Ratingagentur Euler-Hermes etwa erwartet einen Anstieg der Autoverkäufe um 3 Prozent. Immerhin gab es in Europa bereits in den ersten drei Monaten ein Plus bei Neuzulassungen von 8,1 Prozent.

China, als Nummer eins der Autobranche, soll in diesem Jahr sogar um 11 Prozent wachsen. Bei einer PKW-Dichte von 47 Fahrzeugen je 1000 Einwohner hat das Land allerdings beispielsweise gegenüber den USA noch ein enormes Nachholpotenzial. In den Staaten – bis vor zwei Jahren waren die USA der grösste Automarkt der Welt – kommen auf 1000 Einwohner 748 Fahrzeuge.

Kann SFS zur zweiten Autoneum mit hohem Kursplus werden?

Aber nicht nur Autos, auch Autoaktien boomen. Der Kurs von Autoneum, einem Zulieferer des Sektors, zählt mit einem Kursplus von 175 Prozent zu den Top-Performern der letzten zwölf Monate im SPI. Nur Finanzdienstleister Leonteq schaffte mit 200 Prozent mehr Gewinn.

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Angesichts des guten Branchenumfelds und der hohen Kursgewinne bei Autotiteln wie Autoneum fragen sich Anleger: Könnte SFS zur zweiten Autoneum werden?

SFS-IPO – Kursgewinne gleich vom Start weg

Denn am Mittwoch fand der IPO des Metallverarbeiters und Zulieferers der Autoindustrie statt – und der war nicht schlecht. Die Emission war mehrfach überzeichnet und brachte dem Konzern aus Heerbrugg bei einem Ausgabepreis von 64 Franken gleich am ersten Handelstag ein Kursplus von 4,7 Prozent. Zwischenzeitlich war die Notierung sogar um bis zu 6,0 Prozent gestiegen.

Damit schaffte das neue SPI-Mitglied anders als Autoneum vor drei Jahren gleich vom Start weg ein gutes Börsendebüt. Der Kurs von Autoneum war nämlich nach der Emission 2011 monatelang nur gefallen. Allein bis zum Ausbruch der Euro-Schuldenkrise tauchte die Notierung um 15 Prozent nach unten weg.

Autoneum glänzt mit zweistelligen Zuwachsraten ...

Jetzt profitiert Autoneum zunehmend von der starken Nachfrage nach Premiumfahrzeugen. So steigerte beispielsweise VW die Zahl der Neuzulassungen in China, dem grössten Automarkt der Welt vor den USA, im März um 16 Prozent. Audi schaffte ein Plus von 32 Prozent, BMW von 41 Prozent.

Da die Autoneum-Produkte zur Wärme- und Lärmdämmung vor allem in hochpreisigeren PKWs verwendet werden, ist der starke Lauf der Aktie und die Stärke im operativen Geschäft damit gut erklärt. In den letzten vier Jahren steigerte Autoneum nämlich seinen Umsatz im jährlichen Durchschnitt von 10,3 Prozent und legte beim Gewinn sogar noch deutlich schneller zu.

... SFS fährt mit langsamerem Tempo

Kann das SFS auch? Seit 2009 steigerte der Zulieferer von Branchen wie Auto, Elektro, Bau, Medizin und Luftfahrt seinen Umsatz im Durchschnitt pro Jahr um 4,4 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken im 2013. Der Gewinn verdoppelte sich dabei auf 86,5 Millionen Franken. Immerhin: Anders als Autoneum, die 2009 und 2010 noch hohe Verluste schrieb, blieb SFS auch in der Rezession weit in den schwarzen Zahlen.

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Denn anders als Autoneum ist SFS breit aufgestellt. Zwar bedient der Konzern mit seinem grössten Geschäftsbereich, den Engineered Components und beispielsweise Lösungen für Airbags und Bremssysteme, für Innenraum und Karosserie und für Motor und Sensorik auch die Autoindustrie, bietet hier aber auch Produkte für Smartphones und Tablets sowie für die Luftfahrt und für die Medizin. Rund 50 Prozent der Erlöse erzielt SFS Group im Engineered-Bereich. 25 Prozent entfallen auf Bau und Handwerk, weitere 25 Prozent auf Logistikdienstleistungen für die Baubranche.

Investitionen in neue Standorte und Kapazitäten

2013 schaffte der Konzern aus dem Kanton St. Gallen zwar ein Umsatzwachstum von 11,5 Prozent – doch das war vor allem dem Zukauf von Unisteel Technology geschuldet. Rein organisch lag das Plus nur bei 1,1 Prozent. Autoneum hingegen steigerte ihre Erlöse im vergangenen Jahr rein organisch um 9,9 Prozent.

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Unter dem Strich bleibt damit festzustellen: SFS (ISIN: CH0239229302) bietet wegen der breiteren Geschäftsbasis geringere Risiken und ein stabileres Geschäft, aber auch weniger Chancen als Autoneum. Zumindest investiert das Unternehmen derzeit in ein neues Werk in China mit geplantem Start in diesem Jahr und in die Verdopplung der Produktionsflächen im Werk in Median in den USA. Für moderates Wachstum scheint SFS mit einem KGV um 20 dennoch nicht ganz günstig zu sein. Die grossen Kurssprünge wie bei Autoneum sind – trotz des guten Börsenstarts am Mittwoch – weniger wahrscheinlich.