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Small Caps – Nebenwerte erhöhen das Tempo

Faurecia: Der Autozulieferer konnte seinen Gewinn kräftig steigern. Keystone

Vor dem Hintergrund einer breiten Wirtschaftserholung in Europa präsentieren sich Small Caps stark. Warum Anleger jetzt einsteigen. Die Favoriten.

Von Christian Ingerl
am 03.09.2015

Einer extrem scharfen Korrektur sahen sich die europäischen Aktienmärkte im August ausgesetzt. Der STOXX Europe 600 tauchte um 8,5 Prozent ab, das war der grösste Verlustmonat seit vier Jahren. Damals gab der Index mehr als einen Zehntel ab. Der jüngste Rücksetzer auf dem alten Kontinent ist aber nicht hausgemacht, sondern vielmehr eine Folge des Crashs in China. Denn die europäischen Unternehmen kämpfen sich gerade zurück auf die Wachstumsspur.

Mit Erfolg, wie die jüngste Berichtssaison zum zweiten Quartal zeigt. «Über die Hälfte der Unternehmen haben sowohl ihre Gewinn- als auch Umsatzerwartungen übertroffen», sagt Philip John, Fondsmanager bei Meriten Investment Management, und fügt hinzu: «Erstmals seit langem liegt das Gewinnwachstum in Europa höher als in den USA.»

Small Caps – klare Outperformance

Grund genug, bei der Kursentwicklung der europäischen Aktien genauer hinzusehen. Eine Analyse zeigt, dass sich seit dem Jahresbeginn eine starke Outperformance von Small Caps gegenüber Large Caps feststellen lässt. Der EURO STOXX 50 drehte seit dem Jahresbeginn unter dem Strich bis dato eine Nullrunde, und für den EURO-STOXX-Small-Index steht ein Plus von 9 Prozent zu Buche.

«Ein Grund für die signifikante Outperformance ist das verbesserte makroökonomische Umfeld, da Small Caps sensibler auf den Konjunkturzyklus reagieren», meint Experte John. Ein weiterer Trend, welcher für eine anhaltend höhere Beschleunigung bei den Nebenwerten spricht, ist der laufende Übernahme-Boom. «Die hohen M&A-Aktivitäten des ersten Halbjahres setzen sich auch im zweiten Halbjahr fort», weiss der Fondsmanager.

Gute Geschäfte und Übernahmen in der Pharmabranche

Eine Übernahmewelle rollt beispielsweise gerade über die Pharmabranche. Doch nicht nur mögliche Deals machen das Segment interessant, die Nachfrage nach Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen nimmt weltweit zu und beschert den Branchenvertretern florierende Geschäfte. Ein gutes Beispiel ist die Aktie von Orion (ISIN FI0009014377), die im laufenden Jahr bereits um einen Drittel gestiegen ist und damit zu den Top-Performern des EURO-STOXX-Small-Index zählt. «Der finnische Pharmahersteller gewann aufgrund starker Quartalszahlen, eines nach oben revidierten Ausblicks und der damit verbundenen höheren Gewinnerwartungen», erklärt LBBW-Fondsmanager Markus Zeiss. Er stockte die Position der Aktie im abgelaufenen Quartal infolgedessen auf.

Die Aktie der französischen Eurofins Scientific (ISIN FR0000038259) zeigt ebenfalls eine klare Outperformance in diesem Jahr. Nicht ohne Grund: Der Weltmarktführer in chemischer und biologischer Laboranalytik schraubte nach einer starken ersten Jahreshälfte seine Prognosen spürbar nach oben. Die Umsatz- und Ergebnisziele für 2015 wurden um rund einen Zehntel angehoben. Zudem geht der Gesundheitsdienstleister davon aus, dass er das Erlösziel von zwei Milliarden Euro bereits im kommenden Jahr und nicht erst 2017 erreichen wird. Damit würde Eurofins ihre Unternehmensgrösse innerhalb von nur vier Jahren verdoppeln.

Technologietitel – fast geschenkt

Aber auch in der Chipindustrie ist Bewegung, denn die zunehmende Vernetzung lässt den Bedarf an immer intelligenteren und leistungsfähigeren Halbleitern steigen. Gut im Geschäft ist Dialog Semiconductor (ISIN GB0059822006), die sich vor allem auf den mobilen Bereich spezialisiert hat und den Kult-Konzern Apple zu ihren Kunden zählen darf. Zuletzt kam es bei der Aktie des Chipherstellers zu einem starken Rücksetzer, nachdem Dialog Semiconductor für das dritte Quartal «nur» ein Umsatzziel von 325 bis 355 Millionen Dollar in Aussicht gestellt hatte. Der Konsens der Analysten lag bei 356 Millionen Dollar. Die Reaktion der Börse – die Aktie verlor nach der Präsentation der Zahlen innert weniger Tage 10 Prozent an Wert – dürfte aber übertrieben gewesen sein. Zum einen schlug das deutsch-britische Unternehmen mit den Zahlen zum zweiten Quartal die Erwartungen deutlich, zum anderen werden im Herbst von Apple neue Produkte erwartet, die Dialog Semiconductor wieder in den Fokus der Anleger zurückbringen dürfte.

Der konjunkturelle Aufschwung in Europa sowie der Auto-Boom in Übersee, der US-Automarkt steht vor dem bestem Jahr seit 2001, beflügelte in diesem Jahr auch den Autozulieferer Faurecia (ISIN FR0000121147). Im ersten Semester verdoppelte sich das Nettoergebnis auf 157 Millionen Euro. Aufgrund des guten Abschneidens haben die Franzosen ihr Margenziel auf 4,5 bis 5,0 Prozent erhöht. Im ersten Halbjahr lag die Marge der PSA-Tochter bei 4 Prozent. Der Umsatz kam zwischen Januar und Juni um 12,6 Prozent voran. Die Aktie ist angesichts der starken Wachstumszahlen mit einem 2016er-KGV im einstelligen Bereich derzeit mehr als moderat bewertet. Der Analystenkonsens geht von einer Gewinnsteigerung um 24 Prozent im kommenden Jahr aus.

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