Die Einführung von börsengehandelten Indexfonds vor rund 40 Jahren hat die Anlegerschaft in zwei Welten getrennt. Auf der einen Seite stehen die treuen Anhänger der aktiven Strategie, auf der anderen eine wachsende Zahl von passiven Fans. Allein in Europa hat sich das Volumen in Exchange Traded Funds innerhalb der vergangenen fünf Jahre auf rund 290 Milliarden Euro annähernd verdreifacht.

Obwohl ETF weiterhin ein Erfolgslabel ist, versucht die Branche verstärkt den Spagat hin zum aktiven Ansatz auszuführen. Unter dem Etikett «Smart Beta» sind Anleger nicht mehr eins zu eins an einen Index gebunden, sondern können den Basiswert sogar outperformen. In den Smart-Beta-Produkten werden die in einem Index enthaltenen Aktien anders gewichtet. Dies kann zum Beispiel auf der Basis der Dividende oder vom Umsatz geschehen. Und das kommt am Markt gut an. «Sowohl die Nachfrage als auch das Angebot von Smart Beta scheinen sich deutlich zu erhöhen», sagt Vermögensverwalter Daniel Pytlik von Julius Bär.

Smart Beta – Outperformance gegenüber der Benchmark

Den Beweis dafür, liefert die SIX. Als «Innovation im Rahmen des regulierten börslichen Handels» kündigte der Börsenbetreiber am 31. März die Kotierung von aktiv gemanagten ETFs an. Als erster Anbieter brachte Swiss & Global Asset Management elf dieser «auffrisierten» ETFs an die SIX. Die angebotenen Produkte basieren auf den Anlageregionen Schwellenländer, Asien, Welt und Europa. Das Kalkül für diese Produkte ist klar definiert: Die jeweilige Benchmark übertreffen und eine Überschussrendite erzielen.

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Das Geheimnis des Erfolgs von ETFs lag bisher in der einfachen, konservativen und vergleichsweise günstigen Anlageform. Diese Attribute sind mit dem Einzug der Smart-Beta-ETFs nun Geschichte. Auch wenn die Emittenten natürlich nicht gerne darüber reden, im Vergleich zum traditionellen ETF fallen die Gebühren deutlich höher aus. Auch ist das Verkaufsargument, nie schlechter als der Markt zu sein, passé. «Garantiert werden kann nur, dass die Gebühren wesentlich höher sind und dass höhere Risiken eingegangen werden. Und dass sich die Anlage über längere Perioden hinweg unterdurchschnittlich entwickeln kann», fasst Forbes-Kolumnist Rick Ferri die seiner Ansicht nach «dunkle Seite» von Smart Beta zusammen.

Aktive Verwaltung bringt höhere Gebühren

Für die an der SIX neu kotierten aktiven ETFs müssen sich Anleger auf eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,45 Prozent einstellen. Diese liegt damit zum Teil nahezu doppelt so hoch wie bei vergleichbaren klassischen Indexfonds. Und ob sich der von der SIX propagierte Werbeslogan für die Anlageklasse «Aktiv, flexibel, leistungsfähig» auch tatsächlich bewahrheitet und somit die erhöhte Kostenstruktur rechtfertigt, wird sich vor allem dann zeigen, wenn die Märkte in einen Korrektur-Modus schalten.