Ein kurzer Wischer über das Smartphone reicht, um daheim die Jalousien herunterzulassen. Gleichzeitig veranlasst diese Aktion den Kühlschrank dazu, die Temperatur zu senken, um die darin gelagerten Getränke optimal zu kühlen. Zu guter Letzt öffnet sich die Türe der Waschmaschine, damit die Kleidung sofort nach dem Nach-Hause-Kommen gereinigt werden kann.

Dieses, zugegeben recht willkürliche Beispiel, zeigt die vielfältigen Möglichkeiten der Smart-Home-Technologie auf. Während das vernetzte Zuhause für die einen der pure Horror ist, bedeutet es für die anderen einen enormen Gewinn an Lebensqualität.

Smart Home – enormes Wachstumspotenzial …

Fest steht, dass dieser Begriff immer mehr Unternehmen auf den Plan ruft. Beispielsweise gründete ABB Ende März zusammen mit dem deutschen Hausgerätehersteller Bosch und dem US-Netzwerkspezialisten Cisco ein Joint Venture. Das Trio möchte eine offene Softwareplattform entwickeln. Sie soll helfen, einen einheitlichen Standard für die Heimautomation zu etablieren. Mit diesem Plan drängt das Gemeinschaftsunternehmen in einen echten Wachstumsmarkt. BI Intelligence geht davon aus, dass die Umsätze mit Smart-Home-Geräten und -Systemen 2014 weltweit mehr als 61 Milliarden US-Dollar erreicht haben. Bis 2019 sollen es 490 Milliarden Dollar sein. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Steigerungsrate von mehr als 50 Prozent.

Als Wachstumstreiber haben die Marktforscher Lösungen ausgemacht, die von ihren Anwendern selbst relativ einfach installiert werden können. Dazu zählen beispielsweise interaktive Thermostate und Rauchmelder. Insofern entfällt auf die Segmente Energie und Sicherheit auch der grösste Teil der prognostizierten Umsätze. Als einen entscheidenden Faktor für die Verbreitung von Smart Home nennt BI Intelligence die Verfügbarkeit schneller Internetanschlüsse. «Wir schätzen, dass 2019 weltweit rund 1,2 Milliarden Haushalte über eine Wi-Fi-Verbindung verfügen werden», schreiben die Analysten in einer Studie. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag die globale Zahl der Breitbandanschlüsse erst bei rund der Hälfte.

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… und ein Basket mit Logitech

Angesichts der skizzierten Perspektiven konnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis dieser Trend an der Börse zum Thema werden würde. Im Markt für strukturierte Produkte prescht BNP Paribas vor. «Mit dem Tracker-Zertifikat auf den Solactive Home Automation Index bekommen Anleger Zugang zu den wichtigsten Unternehmen in dieser Branche», sagt Florian Stasch, Derivateexperte der französischen Emittentin. In der zugrunde liegenden Benchmark befinden sich internationale Gesellschaften, die einen signifikanten Geschäftsanteil in dem aufstrebenden Technologiesegment generieren. Dabei kommen nur Aktien in Frage, die bestimmte Grössen- und Liquiditätsvoraussetzungen erfüllen – beispielsweise muss der Börsenwert mindestens bei einer Viertelmilliarde US-Dollar liegen.

26 gleich gewichtete Unternehmen haben es in die Startaufstellung des Index geschafft. Aus geografischer Sicht geben dabei die USA mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent den Ton an. Dazu zählt Apple. Der Technologieriese versucht mit der Plattform HomeKit diesen Markt zu erschliessen. Diese bietet die Möglichkeit, über iPhone oder iPad beispielsweise das Licht ab- oder die Heizung anzudrehen. Mit Cree ist ein Partner der Kalifornier ebenfalls im Index zu finden. Zum Spektrum des Nasdaq-Unternehmens zählen energieeffiziente LED-Beleuchtungssysteme. Während ABB keine Berücksichtigung fand, hält Logitech die Schweizer Fahne in der Benchmark hoch. Aus dem Sortiment des Computerzubehörherstellers stammt unter anderem die Fernbedienung Harmony, mit der sich die unterschiedlichsten Geräte steuern lassen.

Handelsstart in einer Woche

BNP Paribas legt das neue Derivat in Franken (ISIN CH0283746334), Euro (ISIN CH0283746342) und US-Dollar (ISIN CH0283746359) auf. «Die Tracker-Zertifikate bilden die Performance des zugrunde liegenden Index abzüglich Gebühren eins zu eins ab», erklärt Florian Stasch. Der laufende Kostensatz beträgt 1,0 Prozent p.a. Eine Quanto-Funktion ist nicht in der Struktur enthalten. Das heisst, bei den Franken- und Euro-Varianten können Schwankungen zwischen der Produktvaluta und der Indexwährung US-Dollar den Wert des Produkts positiv oder negativ beeinflussen.

Am 31. Juli startet der Handel an der SIX. Anleger, die zugreifen, holen sich eine ordentlich gestrickte Benchmark zu einem spannenden Investmentthema ins Portfolio. Sie sollten jedoch beachten, dass der Verlauf der berücksichtigten Unternehmen von vielen Einflussfaktoren abhängt. Vor allem bei den grossen Konzernen wie Apple dürfte Smart Home bis auf weiteres eher eine untergeordnete Rolle spielen.

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Internet der Dinge als der übergeordnete Trend

Im Grunde genommen ist Smart Home eine Untergruppe des Internet der Dinge. So können sich Anleger mit entsprechenden Trackern das Thema ins Depot holen. Anbieten würden sich beispielsweise die Index-Papiere von Leonteq (ISIN CH0234032040) und UBS (ISIN CH0237450769) auf einen Internet-der-Dinge-Basket. In diesem befindet sich beispielsweise auch Google. Der Internetriese ist dafür bekannt, dass er rasch neue Geschäftsfelder erschliesst. So sorgte Google bereits mit Robotern und selbstfahrenden Autos für Schlagzeilen.

Aber auch im Smart-Home-Bereich ist der US-Konzern aktiv. Vor rund eineinhalb Jahren hat Google das auf Smart-Home-Geräte spezialisierte US-Unternehmen Nest Labs für 3,2 Milliarden US-Dollar übernommen. Damals hatte Nest mit einem Thermostat und einem Rauch-Melder zwei Produkte auf dem Markt. Mitte Juni kam nun frisch mit einer Überwachungskamera das dritte Gadget hinzu. Auf weitere Entwicklungen darf man gespannt sein.

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