Auf der Suche nach Anlageideen greifen Anleger gerne auf die Hilfe von Analysten zurück. Vor allem zum Jahreswechsel setzen die Marktteilnehmer auf den Blick in die Zukunft. Die Researchhäuser geben jeweils in den letzten Wochen des Jahres ihre Prognosen für SMI & Co. ab. Wer nicht in den Gesamtmarkt investieren möchte, muss meist tiefer in die Analyse einsteigen, um die Gewinnchancen von Einzelwerten zu entdecken und um Risiken erkennen zu können.

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Besonders beliebt ist der Blick auf die Konsensschätzungen der Analysten. Zweifelsohne kann es sein, dass sich die Analystenbeurteilungen als Fehlurteile erweisen werden. Aufgrund von externen Einflussfaktoren können sich die Kurse natürlich auch in eine andere als in die erwartete Richtung bewegen. Doch die Bewertung der Fachleute verschafft einen schnellen Überblick über die Favoriten der Börsianer.

Noten für Aktien – Roche belegt den Spitzenplatz im SMI, …

Die Nachrichtenagentur Thomson Reuters verwendet unter Einbezug der Konsensschätzungen der Analysten eine Art Notensystem. Bis zu einem Wert von 1,5 lautet das Votum «Kaufen», bis zu 2,5 «Outperform». Alles darüber hinaus läuft allenfalls noch auf ein «Halten»-Urteil hinaus und reicht bis zur Verkaufsempfehlung. Ab einer Bewertungskennziffer von über 3,5 lautet die durchschnittliche Meinung «Underperform».

Die Genussscheine von Roche (ISIN CH0012032048) befinden sich im SMI derzeit auf dem Spitzenplatz mit einer Note von 1,96. Dies bedeutet, dass die Mehrheit der Analysten dem Titel derzeit Outperformance-Potenzial zugesteht, dass also angenommen wird, dass sich die Aktie besser als der Gesamtmarkt entwickeln wird. In der Vergangenheit ist dies dem Konzern aus Basel gut geglückt. Während sich Roche in den vergangenen zwei Jahren um 42 Prozent verteuerte, legte der SMI nur um 28 Prozent zu.

… liegt nach der jüngsten Abstufung aber nur noch knapp vor Actelion, …

Die Aufwärtsbewegung ist eng an den operativen Wachstumskurs geknüpft. Zwischen 2011 und 2013 legte der Profit um 19 Prozent zu, die Betriebsgewinnmarge verbesserte sich von 35,6 auf 38,3 Prozent. Auch 2014 stehen die Zeichen auf Wachstum: Konstante Wechselkurse unterstellt, wuchs der Kerngewinn je Anteilsschein bis zum Halbjahr um 7 Prozent. Unter Berücksichtigung negativer Wechselkurseffekte ergibt sich aber nur eine Stagnation. Zuletzt verschlechterte sich die Bewertung von Roche etwas. Innerhalb der vergangenen zwei Monate ging die Durchschnittsnote von 1,79 auf 1,96 zurück. Schuld daran, könnten zwei missglückte Arzneimittelstudien sein. Roche musste bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Brustkrebs und gegen Alzheimer Rückschläge hinnehmen.

Mit positiven Testergebnissen machte hingegen Actelion (ISIN CH0010532478) zuletzt von sich reden. Der Konzern stellte im Dezember einen Zulassungsantrag bei der europäischen Behörde EMA für Selexipag zur Behandlung von Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie, kurz PAH. Im Analystenranking steht der Titel im SMI mit einer Bewertung von 2,0 nur noch knapp hinter Roche auf Platz zwei. Diese ist seit November stabil geblieben.

… und auch Holcim ist beliebt bei Analysten

Mit einer Note von 2,04 ist auch Holcim (ISIN CH0012214059) auf Rang drei bestens positioniert. Dem Zementriesen, der 2014 eine Ehe mit Lafarge eingegangen ist, wird viel zugetraut. Beispielsweise hat die US-Bank J.P. Morgan ihre Einstufung für Holcim nach Genehmigung der Fusion mit Lafarge auf Overweight belassen. Analystin Elodie Rall begründet dies damit, dass die Zustimmung der EU-Kommission zur geplanten Transaktion ermutigend sei und einen Meilenstein im Fusionsprozess markiere. Nach Ansicht von Rall ist im aktuellen Aktienkurs erst die Hälfte der erzielbaren Synergien eingepreist.

ABB rutscht ab, Geberit und Transocean bekommen ebenfalls schlechte Noten

Während Roche, Actelion und Holcim aktuell die Top drei der Analysten darstellen, sind ABB (ISIN CH0012221716), Geberit (ISIN CH0030170408) und Transocean (ISIN CH0048265513) die Flops. Mit einer Note von 3,33 kommt Schlusslicht Transocean noch gerade auf ein Halten-Urteil. Die negative Sicht der Analysten für den Ölplattformbetreiber spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Knapp zwei Drittel seiner Marktkapitalisierung büsste der Titel 2014 ein. Transocean leidet weltweit unter einem Überangebot an Bohr-Plattformen und durch die dadurch fallenden Mieten. Die nahezu drei Milliarden Dollar an Abschreibungen verschreckten Anleger nach dem dritten Quartal zusätzlich.

Analystenkonsens – die Noten einiger SMI-Mitglieder

Top ...

Roche: 1,96 (1,79 vor zwei Monaten)

Actelion: 2,0 (2,0)

Holcim: 2,04 (2,07)

Richemont: 2,33 (2,26)

Swatch: 2,34 (2,34)

... und Flop

Credit Suisse: 2,77 (2,83)

SGS: 2,77 (2,62)

ABB: 2,85 (2,57)

Geberit: 3,07 (3,0)

Transocean: 3,33 (3,33)