Sind Schweizer Aktien schon zu teuer? Das fragen sich viele Anleger beim Blick auf den Kursverlauf des SMI. Immerhin kletterte der Schweizer Leitindex in den letzten beiden Jahren um 32,7 Prozent.

Zwei Dinge können als Orientierung dienen. Das erste ist die Bewertung. Der Konsens der von Bloomberg befragten Analysten rechnet mit einem Rückgang des KGV im SMI von 18,5 auf 16,0 in diesem Jahr. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 21,4. Das zweite ist die operative Entwicklung der Unternehmen.

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Fast nur Gewinner

Im vergangenen Jahr verbuchten mit Adecco und Holcim nur zwei der 20 SMI-Mitglieder einen Umsatzrückgang. Die Swisscom schaffte mit einem Plus von 0,4 Prozent nur ein leichtes Wachstum. Der Telekommarkt ist gesättigt, da ist Wachstum schwer möglich. Die anderen 17 SMI-Mitglieder konnten jedoch Umsatz und Ertrag zum Teil kräftig steigern. Luxusgüterkonzern Richemont war mit einem Umsatzplus von 14,5 Prozent ganz weit vorn, nur noch übertroffen von Swiss Re mit einem Ertragsplus von 14,7 Prozent. Julius Bär konnte sogar um 26,3 Prozent wachsen. Und es gab ein starkes Mittelfeld: Sechs Firmen aus dem SMI schafften im vergangenen Jahr bei den Erlösen Zuwächse von 4 bis 10 Prozent.

Ganz ähnlich wie beim Umsatz war das Bild bei der Gewinnentwicklung. 15 der 20 Indexmitglieder konnten das Ergebnis im 2013 steigern, fünf verbuchten einen Rückgang. Bei der Dividende als das Mass der Zuversicht hielten drei Firmen die Ausschüttung konstant, ein Unternehmen – Credit Suisse – zahlt weniger. Bei 16 Titeln aber bekommen Anleger für 2013 mehr als im Jahr zuvor.

Der Ausblick – gute Perspektiven

Und der Ausblick 2014? 18 der 20 SMI-Titel zeigen sich zuversichtlich – ganz besonders, was die mittel- bis langfristigen Perspektiven betrifft. Lediglich die Swisscom kommt kaum voran, Transocean will zwar zulegen, kämpft jedoch mit Unsicherheiten. Bei der grossen Mehrzahl der Unternehmen dürfte der Gewinn im 2014 auf jeden Fall weiter steigen. Credit Suisse und Swatch berichten schon jetzt über einen guten Jahresstart.

Können in der bevorstehenden Berichtssaison auch die anderen SMI-Mitglieder bei Vorlage der Quartalszahlen im April und Mai ähnlich positiv berichten, könnte der Index möglicherweise endlich seinen Widerstand um 8500 Punkte knacken.

SMI – Berichtssaison 2013 und Ausblick 2014

ABB, Maschinenbau

Rekordumsatz: +6,4 Prozent auf 41,8 Milliarden Dollar, Gewinn: +2,5 Prozent auf 1,21 Dollar je Aktie, die Dividende steigt von 0.68 auf 0.70 Franken.

Ausblick: Für die nahe Zukunft besteht ein vorsichtiger Optimismus, mittel- bis langfristig gibt es sehr gute Wachstumsaussichten: Wachsender Bedarf an Stromübertragung und -verteilung sowie eine zunehmende Nachfrage nach Automationslösungen.

Die Aktie notiert an der Unterstützung um 22 Franken. Da besteht die Chance auf einen Abpraller nach oben mit rund 10 Prozent Potenzial.

Actelion, Pharma

Umsatz: +3,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Franken, Gewinn: +52,5 Prozent auf 3.92 Franken je Aktie, die Dividende steigt von 1.0 auf 1.20 Franken.

Hat verschiedene Produkte in der Pipeline. Mitte 2014 werden Studienergebnisse erwartet, ein Medikament ist in Phase III weit fortgeschritten, ab 2016 sind daraus Erträge zu erwarten. Der Gewinn soll in diesem und im nächsten Jahr mit einstelligen Raten zulegen.

Adecco, Personaldienstleistung

Umsatz: -5,0 Prozent auf 19,5 Milliarden Franken, Gewinn: +54,0 Prozent auf 3.08 Franken je Aktie, die Dividende steigt von 1.80 auf 2.0 Franken.

Die Adecco sieht exzellente Aussichten wegen steigendem Bedarf an Mitarbeitern weltweit in den Unternehmen und wegen des erwarteten beschleunigten globalen Wachstums. Bis 2015 soll die Gewinnspanne vor Zinsen und Steuern von 4,0 auf 5,5 Prozent steigen.

Der einzige SMI-Titel mit einem abweichenden Geschäftsjahresergebnis.

2012/13 bis März 2013: Umsatz +14,5 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro, Gewinn je Aktie +30,4 Prozent auf 3,60 Euro, Dividende von 0.55 auf 1.0 Franken verdoppelt.

Das erste Halbjahr bis September 2013: Umsatz +4,3 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro, Gewinn je Aktie +9,3 Prozent auf 2,12 Euro.

Profitiert von steigenden Einkommen in Schwellenländern.

Erträge: +8,7 Prozent auf 25,3 Milliarden Franken, Gewinn: +91,5 Prozent auf 1.57 Franken je Aktie. Die Dividende fiel von 0.75 auf 0.70 Franken. Aber steuerfrei.

Ausblick: 2014 läuft erfreulich an, die Kosten werden gesenkt, die Eigenkapitalrendite soll mittelfristig von 13 auf 15 Prozent steigen.

Seit Juli 2013 ist die Aktie in einer Seitwärtsrange zwischen 26 und 30 Franken.

Geberit, Sanitärtechnik

Umsatz: +4,7 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken. Gewinn: +14,0 Prozent auf 11.58 Franken je Aktie. Die Dividende steigt von 6.60 auf 7.50 Franken.

2014 will Geberit erneut Marktanteile gewinnen, die in den letzten Jahren neu eingeführten Produkte verstärkt vermarkten und das Dusche-WC-Geschäft ausbauen. Die mittelfristige Wachstumserwartung beim Umsatz liegt bei 4 bis 6 Prozent.

Die Aktie ist im steilen Aufwärtstrend und hat vor wenigen Tagen ein neues Allzeithoch markiert.

Givaudan, Geschmacks- und Duftstoffe

Umsatz: +2,6 Prozent auf 4,7 Milliarden Franken, Gewinn: +18,1 Prozent auf 52.83 Franken. Dividende steigt von 36.00 auf 47.00 Franken.

Die Nachfrage nach abgepackten Nahrungsmitteln und Getränken sowie nach Haushalts- und Körperpflegeprodukten wächst in den Schwellenländern beständig. Givaudan will den Umsatz bis 2015 jährlich um 4,5 bis 5,5 Prozent ausbauen.

Holcim, Bauzulieferer

Umsatz: +6,8 Prozent auf 19,7 Milliarden Franken. Gewinn: +106,9 Prozent auf 3.91 Franken je Aktie. Die Dividende klettert von 1.15 auf 1.30 Franken.

Der Zementabsatz soll 2014 in allen Konzernregionen steigen, bei den Zuschlagstoffen soll er konstant bleiben. Transportbeton soll mit Ausnahme von Europa und Lateinamerika in den meisten Regionen zulegen. Die Marge soll steigen.

Die Aktie kämpft mit der Marke von 70 Franken. Anleger setzen auf einen Sprung über die Hürde und schnelle Kursgewinne um rund 10 Prozent.

Ertrag: +26,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken. Gewinn: -34,8 Prozent auf 0.86 Franken je Aktie, Dividende bleibt konstant bei 0.60 Franken.

Will mit Vermögensverwaltung für Privatpersonen wachsen und setzt auf Globalisierung.

Nestlé, Nahrung, Gesundheit

Umsatz: +2,7 Prozent auf 92,2 Milliarden Franken. Gewinn: -2,2 Prozent auf 3.13 Franken je Aktie. Dividende steigt von 2.05 auf 2.15 Franken.

Erweitert ihr Produktportfolio wie beispielsweise im Februar mit der angekündigten Übernahme von 50 Prozent an Galderma und mit dem Einstieg in das Geschäft mit spezialisierten medizinischen Hautpflegeprodukten. Der Umsatz soll langfristig um 5 bis 6 Prozent im Jahr wachsen, die Marge soll weiter steigen.

Novartis, Pharma, Chemie

Umsatz: +2,2 Prozent auf 57,9 Milliarden Dollar, Gewinn: -1,8 Prozent auf 3,76 Dollar je Aktie, die Dividende steigt von 2.30 auf 2.45 Franken.

Die Novartis wächst in Schwellenländern und mit neuen Medikamenten, leidet jedoch unter der Konkurrenz von billigen Nachahmermedikamenten, den Generika. Der Umsatz ohne Berücksichtigung von Währungseffekten soll in diesem Jahr im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen, das operative Ergebnis vor Sonderposten überproportional zulegen.

Die Aktie notiert an der unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends und kann von dort möglicherweise wie schon mehrmals im 2013 nach oben abprallen.

Roche, Gesundheit

Umsatz +2,8 Prozent, Gewinn: +17,2 Prozent von 11.03 auf 12.93 Franken je Aktie. Dividende steigt von 7.35 auf 7.80 Franken.

Wächst in Schwellenländern und mit Krebsmedikamenten. Wegen Patentablauf wird das Wachstum in diesem Jahr zurückgehen. Der Umsatz soll dennoch zu konstanten Wechselkursen im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich zulegen. Der Gewinn je Aktie ohne Sonderposten wie Restrukturierungen oder Abschreibungen soll überproportional zulegen.

SGS, Prüfungen, Zertifizierungen

Umsatz: +4,7 Prozent von 5,6 auf 5,8 Milliarden Franken. Gewinn: +9,5 Prozent auf 77.84 Franken je Aktie. Die Dividende steigt von 58 auf 65 Franken.

Setzt auf weltweites Wachstum, insbesondere in den Schwellenländern, und baut ihre internationale Präsenz durch Zukäufe aus.

Swatch, Uhren, Schmuck

Umsatz: +8,3 Prozent von 8,1 auf 8,8 Milliarden Franken, Gewinn: +19,8 Prozent auf 35.38 Franken je Aktie, die Dividende steigt von 6.75 auf 7.50 Franken.

Baut ihr Vertriebs- und Filialnetz weiter aus. Vielversprechender Start 2014 in allen Segmenten.

Swisscom, Telekom

Umsatz: +0,4 Prozent auf 11,4 Milliarden Franken, Gewinn: -6,8 Prozent auf 32.53 Franken je Aktie. Die Dividende ist konstant bei 22 Franken.

Der Umsatz soll 2014 auf 11,5 Milliarden Franken steigen, der Gewinn dürfte in etwa stagnieren. Die Dividende für 2014 soll erneut bei 22 Franken liegen.

Die Aktie ist im steilen Aufwärtstrend und notiert auf einem Allzeithoch.

Swiss Re, Rückversicherung

Ertrag: +14,7 Prozent auf 28,3 Milliarden Dollar, Gewinn: +6,3 Prozent auf 11,04 Dollar je Aktie. Die Dividende, inklusive Sonderausschüttung, steigt von 7.50 auf 8.0 Franken.

Expandiert in wachstumsstarken Märkten und im Bereich Gesundheitsvorsorge. Während weltweit im Rückversicherungsgeschäft bei Nichtlebenversicherungen Zuwächse erwartet werden, soll das Rückversicherungsgeschäft bei Lebensversicherungen in den Industriestaaten in den nächsten Jahren stagnieren, in den Schwellenländern jedoch mit Raten von 6 bis 7 Prozent wachsen. 

Syngenta, Pflanzenschutz, Saatgut

Umsatz: +3,4 Prozent auf 14,7 Milliarden Dollar, Gewinn: -11,3 Prozent auf 17,78 Dollar je Aktie, die Dividende steigt von 8 auf 9.50 Franken.

Die Farmer setzen auf höhere Erträge aus ihren Anbauflächen, in China steht die Modernisierung der Landwirtschaft weit oben auf der Liste der Regierung. Die Produkte von Syngenta dürften gefragt bleiben.

Transocean, Bohrspezialist

Umsatz: +3,1 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar, Gewinn: +70,5 Prozent auf 3,87 Dollar je Aktie. Aufnahme der Dividendenzahlung. 3,0 Dollar je Aktie soll es in mehreren Tranchen im Laufe des Jahres 2014 geben.

Wegen neuer Fördergeräte soll der Umsatz in diesem Jahr zulegen, die Kosten sollen zurückgehen. Könnte vom globalen Konjunkturaufschwung und von einer höheren Nachfrage nach Öl und damit nach ihren Services profitieren.

UBS, Bank

Erträge: +9,1 Prozent auf 27,7 Milliarden Franken. Aus einem Verlust von 0.66 Franken je Aktie im 2012 wurde durch den Entfall von Abschreibungen auf Firmenwerte und durch umgesetzte Kostensenkungen ein Gewinn von 0.83 Franken je Aktie. Die Dividende steigt von 0.15 auf 0.25 Franken.

Die UBS will Synergien in den einzelnen Geschäftsbereichen stärker nutzen und die Kosten weiter senken. Die Eigenkapitalrendite soll sich bis 2015 auf mehr als 15 Prozent verdoppeln.

Die Aktie notiert nah an der starken Widerstandszone um 19 Franken.

Erträge: +2,3 Prozent auf 36,4 Milliarden Dollar. Gewinn: +2,1 Prozent auf 25.23 Franken je Aktie. Die Dividende bleibt konstant bei 17 Franken.

Die Zurich profitiert von Megatrends wie Globalisierung, Verstädterung, Klimawandel und von wachsendem Konsum, achtet auf das Kostenmanagement und optimiert ihr Portfolio.

Die Aktie notiert im Bereich des Fünfjahreshochs und starken Widerstands um 275 Franken.