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Ausblick
«SMI-Konzerne überzeugten bis auf wenige Ausnahmen»

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Zürcher Paradeplatz: «Bei den Bankentiteln überzeugte die UBS.»  Keystone

Die Berichtssaison läuft auf Hochtouren. Bär-Experte Rüttimann erklärt, welche Firmen er positiv bewertet und wer die Märkte nur bedingt überzeugte. Auch zum Frankenkurs bezieht er Stellung.

Von Julia Fritsche
28.07.2017, Aktualisiert am 29.07.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte? 
Heinz Rüttimann: Die Anleger beschäftigt insbesondere die angelaufene Gewinnberichtssaison, die Zinsentwicklung in den USA, die Richtung des US Dollars und das Niveau der Aktienmärkte. Die Gewinnberichtssaison ist soweit gut gestartet und der nächste Zinsschritt in den USA wird erst im Dezember erwartet. Quer in der Gegend steht der schwächelnde US Dollar, wenn man die Zinsdifferenz zu anderen entwickelten Märkten bedenkt.    

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln? 
Seit Jahresbeginn hat der SMI andere europäische Börsen überflügelt und mit knapp 13 Prozent sogar leicht stärker zugelegt als der S&P 500. Seit Mitte Mai konsolidiert der Index und wir erwarten, dass die Seitwärtsbewegung über die nächsten Wochen anhalten wird. Grund dafür ist die Zins- und Währungsentwicklung. Gegenüber dem Dollar hat der Schweizer Franken seit Jahresanfang um 6.5 Prozent auf- und gegenüber dem Euro um 4.5 Prozent abgewertet. Es zeigt sich derzeit ein uneinheitliches Bild.    

Wo steht der SMI in 12 Monaten? 
Der SMI steht derzeit bei 9000 Punkten und unser 12-Monats Preisziel liegt bei 9200 Punkten. Das Kursziel basiert auf den erwarteten Gewinnen und einem geschätzten fairen Bewertungsniveau von 18x. 

Bei welchem Schweizer Nebenwert lohnt sich momentan ein Kauf? 
Auch bei den Schweizer Nebenwerten ist die Gewinnberichtsaison in vollem Gang und die Resultate waren bisher mehrheitlich erfreulich. Ein Kauf lohnt sich derzeit bei Titeln wie Dufry, dem weltweit grössten Reiseeinzelhändler, Clariant, wegen dem Zusammenschluss mit Huntsman, und Lindt & Sprüngli, die weiterhin vom Premium-Schokoladensegment profitieren. Wer bei Nebenwerten Dividendenpapiere sucht, der setzt am besten auf Firmen mit einer überragenden Bilanz wie Helvetia.    

Wie schätzen Sie die bisherigen Bilanz-Resultate der SMI-Konzerne ein? 
Sie überzeugten bis auf ein wenige Ausnahmen. Das Schwergewicht Nestlé überzeugte vor allem beim Gewinn aber weniger bei der Margenentwicklung. Mit dem Hedge Fonds Manager Daniel Loeb im Nacken, darf man auf mögliche Veränderungen gespannt sein. Gute Zahlen präsentierten zudem die zwei Pharma-Schwergewichte Novartis und Roche sowie die Zykliker LafargeHolcim und Sika.  Bei den Bankentiteln überzeugte die UBS, während Vontobel und CS nicht im gleichen Umfang vom positiven Marktumfeld profitieren konnten.    

Die deutsche Autoindustrie ist erneut in den Strudel eines Skandals geraten – sollen Anleger jetzt Autotitel kaufen oder verkaufen? 
Im vorliegenden Fall muss davon ausgegangen werden, dass letztlich Strafen wegen Wettbewerbsverstössen ausgesprochen werden. Entscheidend wird sein, ob eine betrügerische Absprache nachgewiesen werden kann und wer zuerst eine Selbstanzeige bei den Kartellbehörden eingereicht hat. Gemäss Kartellrecht hat der erste Hinweisgeber gute Chancen, straffrei zu bleiben. Die maximale Höchststrafe bei Kartellverstössen beläuft sich auf 10 Prozent des Jahresumsatzes der betroffenen Firmen. Eine solche Maximalstrafe wäre für die deutschen Hersteller verkraftbar. Es drängt sich deshalb weder ein Kauf noch ein Verkauf auf.    

Der Franken hat sich zuletzt abgeschwächt, was erwarten Sie in den kommenden Monaten von der Schweizer Währung? 
Die konjunkturelle Dynamik in der Eurozone ist derzeit erfreulich positiv und sogar besser als in den USA. Solange die Wirtschaftsindikatoren für die Eurozone positiv sind, kann auch der Euro gegenüber dem Franken weiterhin stark bleiben. Vor dem Hintergrund der im Frühling 2018 anstehenden italienischen Wahlen könnte der Schweizer Franken gegen Ende des Jahres wieder an Stärke gewinnen. Die damit aufkommende erhöhte Unsicherheit könnte die Renditeunterschiede von Anleihen innerhalb der Eurozone wieder ansteigen lassen. Ein Kurs von Euro/Franken bei 1.08 wäre dabei wohl realistisch.

*Heinz Rüttimann arbeitet im Strategy Research der Bank Julius Bär in Zürich.

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