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Ausblick
SMI: Warum Anleger auf das erste Halbjahr setzen sollten

Schweizer Börse: Bis zur Jahresmitte dürfte sich der SMI gut entwickeln.  Keystone

Der Schweizer Börse traut Vermögensverwalter Jacques Stauffer eine gute erste Jahreshälfte zu. Dann allerdings dürfte der Wind drehen: Was den SMI belastet und warum das Ende von TPP positiv ist.

Von Julia Fritsche
am 27.01.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Jacques E. Stauffer*: Die an den Finanzmärkten beobachteten Rotationen signalisieren eine Neupositionierung der Investoren. Überteuerte Aktien mit einer historisch tiefen Volatilität sind deutlich zurückgestutzt worden. Performancemässig zurückgebliebene Aktien mit einer erhöhten Schwankungsbreite der Kurse haben hingegen eine überdurchschnittlich hohe Wertentwicklung gezeigt. Diese Rotation haben wir im Juni 2016 wie folgt beschrieben: «Wir sehen Chancen bei den Verlierern des vergangenen Jahres. Der Fokus sollte in Zukunft auf gebeutelte Branchen gerichtet werden. Finanzdienstleister, Rohstoffunternehmen sowie Technologie- und Versorgungsgesellschaften könnten sich erfreulich entwickeln.» Das ist eingetroffen, und wir erwarten eine Fortsetzung dieses konjunkturell getriebenen Trends.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Schweizer Börse hat ihr letztes Hoch im August 2015 erreicht, dank den grosskapitalisierten defensiven Nestlé und Pharmatiteln. Wegen der Rotation in zyklischere Werte stellt sich die Frage, ob die zurückgebliebenen Banken, Versicherungen und Luxusgüterproduzenten ihre jüngst gute Entwicklung fortsetzen und sie die markttreibenden Titel ablösen können. Wir schätzen die Chance, dass sich die beobachtete Rotation in akzentuierter Weise fortsetzt, als realistisch ein. Somit sollte sich die Schweizer Börse bis zur Jahresmitte gut entwickeln.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Auf eine Sicht von zwölf Monaten fällt unsere Einschätzung verhaltener aus. In der zweiten Jahreshälfte dürfte die Schweizer Börse stärker von der Entwicklung der weltweiten Aktienbörsen abhängen. Eine protektionistischere Haltung der USA, tendenziell höhere Kapitalkosten, politische Unwägbarkeiten wie der Brexit oder eine erneut aufschwellende Schuldenkrise werden die fragile konjunkturelle Erholung hemmen. Die überhöhte Leitbörse USA dürfte es in den kommenden Monaten schwer haben, ihre Höchststände zu halten. Die erwartete Korrektur wird die internationalen Aktienbörsen belasten. Das gilt auch für den SMI.

Die Bilanzsaison ist in vollem Gange. Welches Schweizer Unternehmen könnte für eine positive Überraschung sorgen?
Luxusgüterunternehmen könnten für positive Überraschungen sorgen, da das Geschäft in Asien entgegen der allgemeinen Meinung nicht vollständig eingebrochen ist. Die Börsenkurse nehmen zurzeit einen dramatischen Rückgang vorweg, was uns übertrieben scheint. Es ist auch denkbar, dass Unternehmen mit qualitativ hochwertigen Schweizer Produkten mit guten Ergebnissen überraschen. Wie bereits Logitech vor einigen Tagen, könnten Swatch, Richemont, Sika, ABB, Lonza, Clariant, Strauman und Sonova deshalb im Fokus stehen.

Von welchen Investments raten Sie Privatanlegern momentan ab?
Anleihen gelten normalerweise als risikoarme Anlageklasse. In gewissen Phasen bergen sie jedoch gerade für sehr konservative Anleger ungeahnte Risiken. Zurzeit befinden wir uns in einer historisch einmaligen Blase, und die Preise von Anleihen sind exorbitant hoch. Deshalb raten wir Privatinvestoren Anleihen mit mittleren und langen Laufzeiten zu meiden.

Ist das Aus für TPP eine gute oder eine schlechte Nachricht für Anleger in der Schweiz?
Die Auswirkungen der Transpazifischen Partnerschaft TPP auf die Schweizer Wirtschaft sind sehr schwer abschätzbar. Das Aus dürfte jedoch keinen Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung der Schweiz haben. Für Anleger bedeutet diese Nachricht, dass der Status Quo erhalten bleibt, was tendenziell weniger Unsicherheit bedeutet. 

Machen Sie sich Sorgen über einen drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China?
Die Weltwirtschaft befindet sich in einem Prozess der Neuordnung. Sowohl die USA als auch China versuchen, ihre Nachfrage mit der eigenen wirtschaftlichen Leistung abzudecken. Dieser Übergang zu einer binnenwirtschaftlich orientierten Konjunktur ist grundsätzlich zu begrüssen. Aufgrund der Dimensionen der Volkswirtschaften bergen diese Veränderungen allerdings für beide Staaten hohe Risiken. Ein Handelskrieg würde diese Risiken exponentiell erhöhen. Wir rechnen mit regelmässigen Drohgebärden von Seiten der USA, ein eigentlicher Handelskrieg dürfte jedoch von beiden Parteien tunlichst vermieden werden.

* Jacques E. Stauffer ist Gründungspartner und CEO beim Vermögensverwalter Parsumo Capital AG. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung und in der Beratung institutioneller und privater Anleger, unter anderem bei der Credit Suisse.

Das Börsenausblick-Interview «Trumps Gezwitscher bietet mutigen Investoren Chancen» mit Valiant-CIO Renato Flückiger aus der vergangenen Woche lesen Sie hier.

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