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Aufwärtstrend
SMIM: Mid Caps im Höhenflug, GAM und Aryzta locken

Wie Aryzta und GAM mit Potenzial zu erhobener erhabener Grösse. Keystone

Während der SMI seit Langem nicht vom Fleck kommt, schreiben Anleger mit Mid Caps hohen Gewinn. Zwei Titel bieten jetzt besonders starke Kursphantasie.

Von Georg Pröbstl
am 15.09.2016

An der Börse ist doch kein Geld mehr zu verdienen! So denken viele heimische Anleger. Denn beim Blick auf den schweizerischen Leitindex SMI könnte man tatsächlich zu diesem Schluss kommen. Auf Sicht von zwölf Monaten bringen die Blue Chips im Index ein Minus von mehr als 5 Prozent, in den letzten zwei Jahren hat es sogar Verluste von 10 Prozent gegeben, und auch im Zeitraum von drei Jahren seit September 2013 ist der SMI nur auf der Stelle getreten. In diesem Nullsummen-Umfeld hat es zwischenzeitlich zwar immer wieder Erholungsphasen gegeben,  aber auch ganz schnelle und heftige Kurskorrekturen, teilweise um 10 Prozent und mehr.

Bevor Anleger jetzt aber das Handtuch schmeissen und Aktien den Rücken kehren, sollten sie sich unbedingt einmal Titel aus der zweiten Reihe ansehen. Denn jenseits der grossen Indexgiganten im SMI konnten Börsianer in den letzten Jahren gute Gewinne machen. Während die Standardwerte im SMI seit Jahren per Saldo nur auf der Stelle treten, ist der SMIM, in dem die 30 grössten Firmen jenseits des SMI enthalten sind, seit fünf Jahren in einem steilen Aufwärtstrend und markierte erst vor vier Wochen ein neues Allzeithoch.

SMIM – die Top-Performer im Index haben sich vervielfacht

In den letzten zwölf Monaten haben die mittelgrossen Nebenwerte im Index ein Plus von 10 Prozent gebracht, die Performance über zwei Jahre liegt bei 20 Prozent. Und seit dem Start im November 2004 hat sich der SMIM schon fast verdreifacht.

Mit Kursgewinnen von jeweils ziemlich exakt 55 Prozent waren dabei in den letzten zwölf Monaten Temenos, Logitech und Sika die drei Top-Performer im Index. Und auf Sicht von fünf Jahren konnten sich mit Sika, EMS, Partners Group, Lonza, Temenos und AMS gleich fünf der 30 Indexmitglieder im Kurs verdreifachen oder sogar vervierfachen. 

Natürlich ist es nicht sicher, ob die genannten Überflieger in den nächsten Monaten und Quartalen noch immer die absoluten Top-Performer sein werden. Es gibt aber einige Titel, die kursmässig zurückgeblieben sind und bei denen es sein könnte, dass jetzt eine Aufholjagd bevorsteht. Aber dazu später.

Mid Caps – starke Nischenplayer mit Vorteilen und Nachteilen

Nebst den starken Kursgewinnen zeigen Mid Caps eine weitere Auffälligkeit: In Krisenzeiten mit heftigen Kurskorrekturen an den Börsen zeigen die mittelgrossen Unternehmen teilweise deutlich stärkere Verluste als die Blue Chips im SMI. So rutschte der SMIM beispielsweise nach dem Brexit-Votum um rund 10 Prozent nach unten, der SMI verlor hingegen nur etwa 5 Prozent. Und die Korrektur im Herbst 2014 brachte den Mid Caps einen Verlust fast von 10 Prozent und damit annähernd doppelt so viel wie Blue Chips.

Die Titel aus der zweiten Reihe sind damit oft riskanter als Blue Chips. Der Grund: Die Mid Caps sind häufig Nischenplayer, die in ihrem Spezialgebiet nicht selten zu den Weltmarktführern zählen. Das heisst aber auch: Die Zahl der Kunden und Produkte ist oft vergleichsweise gering, die Abhängigkeit von einzelnen Bereichen entsprechend gross. Während Blue Chips in der Regel sehr breit aufgestellt sind und Rückgänge in einer Sparte durch Zuwächse in einem anderen Bereich abfedern oder kompensieren können, zieht es Mid Caps in konjunkturellen Krisenzeiten oft ganz tief nach unten.

Aryzta – diese Aktie hat ein hohes Nachholpotenzial

Das erklärt die stärkeren Kursausschläge in Phasen der Unsicherheit und auch die überproportional starken Gewinne der letzten Jahre im SMIM. Denn schon bei stabiler Konjunktur bringt die starke Fokussierung auf kleinere Nischen oft enorme operative Zuwächse. So konnte der SMIM-Fünfjahres-Top-Performer AMS seinen Umsatz seit 2011 mehr als verdoppeln und den Gewinn je Aktie vervierfachen. Solche Sprünge sind natürlich bei einer vergleichsweise geringen Ausgangsbasis beim Umsatz von wenigen hundert Millionen Franken leichter zu schaffen als bei Indexgiganten wie Nestlé mit Erlösen im Bereich von 100 Milliarden Franken jährlich. Zu überdurchschnittlich guten geschäftlichen Erfolgen im Aufschwung kommt bei Mid Caps ein weiterer Kurstreiber: Wenn die Konjunktur längere Zeit stabil läuft, sind Anleger in der Regel eher bereit, grössere Risiken einzugehen, und dann kaufen sie eben verstärkt Aktien aus der zweiten Reihe. Das schiebt die Kurse zusätzlich an.

So viel zu den Hintergründen der starken Kursgewinne im SMIM. Nun zu zwei Favoriten, deren Aktien im Moment mehr oder weniger weit zurückhängen, die dadurch teilweise aber ein hohes Nachholpotenzial besitzen könnten. Aryzta ist einer davon. Beim Anbieter von Backwaren und Fertigprodukten ist es vor einem Jahr infolge Gewinnwarnung zu einem massiven Kursverfall gekommen, und deswegen belegt die Aktie mit einem Kursminus von knapp 25 Prozent den drittletzten Performance-Rang im SMIM auf Sicht von zwölf Monaten. Allerdings wächst der Lebensmittelkonzern aus Zürich. In den ersten neun Monaten hat es ein Umsatzplus von 2,8 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro gegeben, und die Gewinnprognose von 355,5 Euro-Cent – entsprechend rund 3.90 Franken je Aktie – ist alles andere als schlecht. Mit einem knappen 10er-KGV ist dieser Titel nur moderat bewertet. Das eröffnet schöne Kurs-Chancen.

GAM – Anleger spekulieren auf einen starken Turnaround

Horrormässig sieht der Kursverlauf von GAM aus. Mit einem Kursminus von fast 50 Prozent war die Aktie des Vermögensverwalters aus Zürich in den letzten zwölf Monaten der mit Abstand schlechteste Titel im SMIM. Der Grund für den steilen Abwärtstrend sind die stark gesunkenen performanceabhängigen Erträge des Finanzdienstleisters und die gekappten Prognosen. Zwar hielt sich das verwaltete Vermögen bei einem Rückgang um 5 Prozent auf 113,5 Milliarden Franken im ersten Halbjahr fast noch stabil, doch die Erträge fielen um 22,1 Prozent auf 232,8 Millionen Franken, und der Gewinn im Sechsmonatszeitraum rutschte von 0.50 auf 0.34 Franken je Aktie.

Immerhin: GAM restrukturiert und senkt die Verwaltungskosten. Ab 2017 sollen die Kosten durch Umbauten in Bereichen wie Back und Middle Office im Vergleich zu 2014 um 20 Millionen Franken jährlich tiefer liegen. Zudem setzt Firmenchef Alexander Friedmann auf Diversifikation und auf neue Finanzprodukte. Angesichts der grundsoliden Bilanz des Unternehmens mit einer Eigenkapitalquote von rund 85 Prozent, einem Buchwert von etwa 11.05 Franken je Aktie und der hohen Cashposition von rund 3.0 Franken je Anteil scheint es erneut gut möglich zu sein, dass eine Dividende von 0.65 Franken auch für 2016 aus Kapitalreserven gezahlt werden wird. Eine steuerfreie Rendite von 7,0 Prozent und die Chance auf einen starken Turnaround sind ganz klare Kaufargumente für die Aktie. GAM notiert an der oberen Begrenzungslinie des Abwärtstrends. Möglicherweise wird da schon zeitnah der Ausbruch nach oben klappen.

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