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Börsengang
Snapchat prescht mit Fragezeichen aufs Parkett

Snapchat erfreut sich besonders im Heimatmarkt stark wachsender Beliebtheit. keystone

Der Kurznachrichtendienst Snapchat strebt an die Börse. Seit seiner Gründung im Jahr 2012 ist das Unternehmen kräftig gewachsen. Ob es an der Börse ähnlich erfolgreich ist, wird sich zeigen.

Von Annika Janssen
am 24.11.2016

Es wird mal wieder bunt an der Börse. Im Frühjahr 2017 will Snap, das Unternehmen hinter der Erfolgs-App Snapchat, aufs Parkett der New Yorker Börse. Mit Snapchat können Nutzer Kurznachrichten, Videos und sogar Geld verschicken – und vor allem Fotos, versehen mit bunten Filtern und Stickern, und für die Empfänger meist nur wenige Sekunden sichtbar. Die App gibt es seit dem Jahr 2012, sie ist vor allem bei Jugendlichen beliebt.

Nun will Snap frisches Kapital einsammeln, um das Konzept des modernen Kurznachrichtendienstes weiterzuentwickeln. Die nötigen Unterlagen hat das Unternehmen bereits bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht.

Die Konkurrenz schläft nicht

Snap peilt eine Initialbewertung von 20 bis 25 Milliarden US-Dollar an. Damit wäre das Initial Public Offering (IPO) das grösste eines IT-Unternehmens seit dem Börsenstart des chinesischen Online-Händlers Alibaba. Indes blicken manche Marktbeobachter skeptisch auf das Tempo, das die von Evan Spiegel gegründete Firma vorlegt: Erste Berichte über das IPO-Vorhabens des Unternehmens gab es Anfang Oktober – weniger als ein halbes Jahr später will Snap nun voraussichtlich an der Börse starten.

Vieles spricht für ein erfolgreiches IPO und eine langfristig gute Entwicklung der Aktie. Allerdings nur dann, wenn für Snapchat alles gut geht: Denn die Konkurrenz schläft nicht und der Firma könnten auf Dauer die Nutzer verlorengehen.

Grösser als Twitter, bekannter als Linkedin

Wer sich Statistiken zu Snapchat anschaut, ist beeindruckt: So ist die App bekannter als das Karriereportal Linkedin, hat mehr User als Twitter und ist im vergangenen Jahr so viel gewachsen wie der US-Kurznachrichtendienst in vier Jahren, hat das Analysehaus Edison Research herausgefunden. Zudem ist Snapchat bei US-amerikanischen Teenagern die zweitbeliebteste Social-Media-Plattform, gleich hinter dem Platzhirsch Facebook. In Europa dürfte es ähnlich aussehen. Im wichtigen Heimatmarkt USA wächst das Unternehmen allerdings besonders schnell, im laufenden Jahr stieg die Zahl der Nutzer laut der Marktforscher von eMarketer um 27 Prozent.

Nur: Voraussichtlich wird das nicht so bleiben. Schon im Jahr 2017 wird das Nutzerwachstum der eMarketer-Analyse zufolge auf 13,6 Prozent absacken und in den Folgejahren weiter abnehmen – bis auf 7,3 Prozent im Jahr 2020. Vor allem ältere Nutzer können dem Snapchat-Konzept bisher wenig abgewinnen. Bunte Foto-Filter und sich selbst löschende Kurznachrichten sind bei ihnen wenig gefragt.

Und die Konkurrenz schläft nicht: So bietet Facebook mit seinem Messenger eine seriöse Alternative zu Snapchat an, und auch mit der Foto-App Instagram können Nutzer inzwischen selbstlöschende Bildnachrichten verschicken. Whatsapp bietet seit dem jüngsten Update ebenfalls Snapchat-ähnliche Funktionen an. Der harte Wettbewerb könnte aufs Geschäft der Snapchat-Mutter Snap drücken.

Langfristiger Erfolg bleibt ungewiss

Snapchat generiert seine Einnahmen hauptsächlich aus Werbung auf der App, wird im laufenden Jahr voraussichtlich 350 Millionen US-Dollar umsetzen. Im kommenden Jahr soll es eine Milliarde sein. Ob das Unternehmen dabei einen Gewinn erzielen kann, und in welcher Höhe, weiss niemand. Zudem muss auch das Nutzerinteresse langfristig hoch bleiben – sonst laufen über kurz oder lang die Werbekunden weg. Erste Analysten zweifeln deshalb am langfristigen Erfolg des Kurznachrichtendienstes.

Investoren dürfen das IPO im kommenden März aber mit Spannung erwarten. Ob Snapchat eine langfristige Erfolgsgeschichte birgt, ist – wie bei so vielen jungen Internet-Unternehmen – fraglich.

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Sehen Sie hier die Geschichte von Snapchat in 60 Sekunden:

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