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Gastkolumne
SNB und Mindestkurs – der Paradigmenwechsel läuft

Steen Jakobsen: Chefvolkswirt bei Saxo Bank

Die ökonomischen «Experimente» der letzten acht Jahre waren ungewöhnlich. Historisch gesehen hat es die grössten Interventionen durch die Zentralbanken gegeben. Jetzt ist ihnen die Zeit davongelaufen.

Von Steen Jakobsen
am 29.01.2015

Das Eingreifen der Zentralbanken hat den normalen Konjunkturzyklus ausser Kraft gesetzt – einen Zyklus, bei dem schlecht geführte Unternehmen normalerweise aussortiert werden und stärkere, gut geführte Unternehmen in einem konstanten Zyklus von Abschwung- und Aufschwungsphasen überleben. Meiner Meinung nach gibt es seit dem Tiefstand des S&P-500-Index von 666 Zählern im März 2009 ein «künstliches Gleichgewicht» – die Zentralbanken wollten in guter, wenn auch fehlgeleiteter Absicht Zeit gewinnen und sehen, ob sich die Wirtschaft erholen würde.

Eine Variante ihrer Initiativen waren künstlich niedrig gehaltene Zinsen, die zu einem falschen Geldwert geführt haben, und die künstlich niedrig gehaltene Volatilität, durch die nahezu alles einen falschen Wert hat. Das Eingreifen in den Konjunkturzyklus ist mit hohen Kosten verbunden.

Rubel- und Kronen-Absturz – erste Vorwarnung

Gute Absichten reichen häufig nicht aus. Seit Mitte 2014 sind die Energiepreise um 50 Prozent gefallen. Öl gehört noch zu den wenigen «frei» gehandelten Werten. Durch den Einbruch der Energiepreise hatte uns «Mr. Market» eine Warnung zukommen lassen: Der Rubel ist abgestürzt, und selbst eine ansonsten sichere Währung wie die norwegische Krone hat innerhalb von nur wenigen Wochen 15 Prozent an Wert verloren. Sind dies die ersten Vorwarnungen dafür gewesen, dass die SNB den EUR/CHF-Mindestkurs aufgeben musste? Rückblickend betrachtet vermute ich, dass es so gewesen ist.  

Unter dem Strich bedeutet das, dass die SNB keine Zeit mehr hatte, dass der EZB in der letzten Woche die Zeit ausgegangen war und dass der US-Notenbank (Fed), der Bank of Japan und der Bank of England 2014 die Zeit ausgegangen ist. Jetzt wird eine neue Realität folgen. Der Schritt der SNB war ein echter Paradigmenwechsel. Jetzt können wir nicht mehr auf die Zentralbanken und Märkte blicken und weiter nach dem Motto «Extend and Pretend» leben wie bis Mitte Januar, bis die SNB ihre Entscheidung bekannt gegeben hat.

Höhere Volatilität und schwache Liquidität

Der Marktpreis für dieses neue Paradigma werden eine höhere Volatilität, eine geringere Hebelwirkung und das Risiko von Preisschwankungen und schwacher Liquidität sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich die Zentralbanken vom künstlichen Gleichgewicht verabschieden, für das sie in den Jahren seit der Finanzkrise gesorgt haben.

Steen Jakobsen ist Chefvolkswirt bei Saxo Bank

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