Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Die Parlamentswahl in den Niederlanden ist gelaufen, Ministerpräsident Mark Rutte hat seinen rechtsextremen Herausforderer Geert Wilders klar geschlagen. Nun stehen im April und Mai die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an.

Mitte März fand das erste grosse TV-Duell der Kandidaten statt. Die rechtsextreme und europakritische Marine Le Pen hat nach wie vor gute Chancen auf einen Wahlsieg: Zwar liegt der linksliberale Emmanuel Macron, Frankreichs ehemaliger Wirtschaftsminister, nach der Blitzumfrage des Senders BFMTV mit 29 Prozent auf Platz eins des Beliebtheitsrankings. Doch Le Pen ist dicht dran, rangiert derzeit nach dem zweitplatzierten Jean-Luc Mélenchon auf Platz drei.

Ein Sieg mit Konsequenzen

Le Pen hat erst Mitte März wieder bekräftigt, dass sie als französische Präsidentin den Ausstieg ihres Landes aus der Europäischen Union (EU) anstreben will. Ein Sieg Le Pens hätte auch aus diesem Grund gravierende Konsequenzen für Europa – und würde Turbulenzen an den Aktienmärkten nach sich ziehen, fürchten Marktbeobachter.

Viele Fondsgesellschaften lassen sich bislang indes nicht schrecken. «Die Fortsetzung des Status quo in den Niederlanden könnte den europäischen Populisten den Wind aus den Segeln nehmen», sagt Ken Orchard von der Fondsgesellschaft T. Rowe Price. Auch Schweizer Fondsgesellschaften sind mit Blick auf Frankreich weiterhin guter Dinge. Die Anlagestrategen sind überzeugt: Fundamentaldaten werden auch in Zukunft eine grössere Wirkung haben als politische Ereignisse.

Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich
Bei der aktuellen Stimmung nach dem Duell der Präsidentschaftskandidaten stehen die Chancen für Marine Le Pen schlecht. Die Mehrheit der Franzosen will den Euro behalten, zudem fordern sie eine andere Wirtschaftspolitik, um die Konjunkturlage zu verbessern. Daher ist zu erwarten, dass Emmanuel Macron die Wahlen gewinnt. Die Finanzmärkte haben allerdings die Risiken der Wahl aber ohnehin bereits eingepreist. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass französische Aktien einen dauerhaften Schub erhalten. Kurzfristig könnte es grosse Veränderungen geben, die sich dann aber auf lange Sicht relativieren. Insgesamt dürften die Börsen in Frankreich sich langfristig an den gesamteuropäischen Aktienmarktentwicklungen orientieren.

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Um als Anleger die Risiken an den Märkten zu relativieren, gibt es eine gute Alternative zu Aktienengagements: Wandelanleihen. Diese orientieren sich an steigenden Aktienkursen und bieten zugleich einen guten Schutz gegen fallende Kurse. Diese Schutzfunktion der Wandelanleihen ist angesichts der Gesamtsituation in Europa ein wichtiges Kaufargument.

Pierre Bose, Leiter Anlagestrategie Europa bei Credit Suisse
Wir bewerten französische Aktien neutral. Im vergangenen Jahr entwickelten sie sich stark, was ihre Attraktivität zu Beginn des Jahres 2017 reduzierte. Insbesondere europäische Aktien dürften im Falle eines Wahlsiegs von Le Pen aufgrund von Bedenken über die nachhaltige Kontinuität der EU abwerten. Umgekehrt würden französische Aktien von den Wahlen profitieren, wenn diese pro Europa ausgingen - sprich, wenn der Favorit Macron als Gewinner aus der Wahl hervor geht. Die Märkte würden in diesem Fall positiv darauf reagieren, dass die EU auf dem richtigen Weg bleibt. Das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne würden weiter vorangetrieben

Stefan Zoffoli, Chefstratege von Swisscanto Invest
Viele Wähler vertreten eine zunehmend kritische Haltung gegenüber etablierten Parteien. Dies nutzen Kandidaten wie Geert Wilders, Marine Le Pen und Co., um mit einfachen Rezepten Stimmen zu gewinnen. Doch ihre Pläne sind in der Realität kaum umsetzbar. Aus diesem Grund bleiben wir in französischen Aktien übergewichtet. Fundamentale Entwicklungen wie der globale Aufschwung, steigende Unternehmensgewinne und eine moderate Inflation beeinflussen die Kurse stärker als die Politik. Insgesamt stehen die Chancen gut, dass der europäische Markt dieses Jahr besser abschneidet als der relativ teure US-Markt – inklusive französischer Valoren.

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