Die Zahlen stimmen nachdenklich: Rund 10 Prozent der Schweizer Bürger – knapp eine Million Menschen – sind schwerhörig. In Deutschland leidet jeder Dritte im Alter über 50 Jahren unter Hörverlust. Schwerhörigkeit zählt im Nachbarland seit Jahren zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Eine Studie in Dänemark ermittelte bei einer Zahl von einer Million Dänen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren einen Produktionsverlust für die Wirtschaft in der Höhe von 360 Millionen Euro im Jahr.

Der hohe Anteil der Schwerhörigen hat einen einfachen Grund: Die Menschen werden immer älter. Durch die steigende Lebenserwartung wächst die Zahl der Menschen mit Hörproblemen. «Der Trend zu einer älter werdenden Gesellschaft ist global und in den nächsten Jahren unumkehrbar. Bis 2050 wird der Anteil der über 65-Jährigen in Europa mehr als 29 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen», sagt Vafa Ahmadi, Aktienexperte bei CPR Asset Management. 2012 lag der Anteil erst bei 17,8 Prozent, 1990 sogar nur bei 13,7 Prozent.

Gewaltiges Kundenpotenzial: 700 Millionen Menschen sind hörgeschädigt

Weltweit sieht es ähnlich aus. Nach Angaben des Verbands der Hörgerätelieferanten der Schweiz, HSM, sind heute 10 Prozent der Weltbevölkerung betroffen. Das sind 700 Millionen Menschen.

Das ist gut für die Anbieter von Hörgeräten. Denn mit dem demografischen Wandel steigt die Zahl der potenziellen Kunden. Da stecken sogar deutlich überproportionale Wachstumschancen drin. Denn trotz des weitverbreiteten Handicaps tragen vergleichsweise wenig Betroffene ein Hörgerät. Die Akzeptanz ist oft gering. So haben in der Schweiz Schätzungen zufolge 85 Prozent der Hörgeschädigten keine Hörhilfe. In Deutschland benutzen von geschätzt 15 Millionen Schwerhörigen nur 2,5 Millionen Menschen ein Hörgerät. Auch bei den Nachbarn liegt die Quote der Nichtnutzer bei etwa 85 Prozent. Immerhin kommt Bewegung in den Markt. In Deutschland liessen sich 2013 doppelt so viele Menschen ein Hörgerät verordnen wie noch zur Jahrtausendwende.  

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Sonova wächst schneller als die Branche

Eine Entwicklung, die vor allem den führenden Branchenvertretern wie der Sonova Holding AG (ISIN: CH0012549785) hilft. Der Marktführer hat wie in dieser Woche gemeldet im Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende März) ein Umsatzplus von 8,7 Prozent auf rekordhohe 1,9 Milliarden Franken verbucht. Der Reingewinn klettert gleichzeitig um fast 13 Prozent auf 347,4 Millionen Franken. Vorstandschef Lukas Braunschweiler gibt sich auch sonst zuversichtlich. Das auf jährlich 2 bis 4 Prozent geschätzte globale Wachstum im Hörgerätemarkt will er übertreffen. Die hauseigene Umsatzannahme taxiert er im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich. Für frische Impulse könnte ausserdem die Einführung iPhone-fähiger Hörgeräte sorgen, die von immer mehr Produzenten angeboten werden.

Nach Ansicht von UBS-Analyst  Ian Douglas-Pennant könnte das Schweizer Unternehmen zudem auch davon profitieren, dass grössere Einzelhandelsketten wie Costco oder Boots das Geschäft mit Hörgeräten ausbauen wollen. Sonova ist darauf schon vorbereitet und hat mit beiden Gesellschaften Verträge.

Sonova und GN Store: Die Bewertung ist nicht ganz günstig

Das gilt auch für die dänische GN Store Nord (ISIN: DK0010272632), deren Aktien von der UBS wie auch von Sonova als Kauf eingestuft werden. Der Vorstand des Unternehmens, das neben Hörgeräten auch Kopfhörer produziert, berichtet zudem von einem regen Interesse an den neuen Hörgeräten für das iPhone.

Einen Wermutstropfen hat die Wachstumsstory der Hörgeräte-Spezialisten. Die Aktien sind häufig schon vergleichsweise hoch bewertet. So beträgt das geschätzte KGV für 2014 bei GN Store Nord fast 25 und bei Sonova gut 22.

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William Demant: Aktie in der Seitwärtsrange

Allerdings sind die beiden Titel schon seit längerem im Aufwärtstrend. Die Aktie von GN Store Nord hat sich in den letzten fünf Jahren verzehnfacht und notiert auf dem höchsten Stand seit 2001. Und Sonova notiert knapp unter dem Widerstand beim Allzeithoch aus dem Jahr 2010.

Beide Titel laufen somit besser als die ebenfalls dänische William Demant Holding (ISIN: DK0010268440). Der Aktienkurs von Demant hat sich zwar seit 2009 verdreifacht, der Titel läuft aber schon seit rund zwei Jahren in einer vergleichsweise engen Handelsspanne nur noch seitwärts. Immerhin ist dieser Wert mit 19er-KGV etwas niedriger bewertet als jener der Konkurrenten.