Am 6. März 2009 erreichte der S&P 500 auf der Höhe der Immobilien- und Bankenkrise mit 666.79 Zählern den Tiefpunkt. Damals büsste der Index innerhalb von nur eineinhalb Jahren 910 Punkte ein – ein Wertverlust von 58 Prozent.

Am 1. März 2017, also knapp acht Jahre später, markierte der Index den Rekordwert von 2400.98 Punkten – ein satter Zuwachs um 260 Prozent. Wie nachhaltig ist diese Bewertung?

Die Fed als treibende Kraft

Hinter dieser fulminanten Bewegung steckte bekanntlich die Fed, welche zunächst die Zinsen von 5.25 Prozent auf 0 Prozent senkte und in der Folge, durch Anleihekäufe im Wert von unglaublichen 4000 Milliarden US Dollar, den Markt mit Geld flutete. Dies führte dazu, dass die Renditen am Anleihenmarkt stark fielen und Anleger auf der Suche nach höheren Erträgen wiederum in den Aktienmarkt investierten.

Das billige Geld steigerte zusätzlich dazu den privaten Konsum und die Investitionsbereitschaft US-amerikanischer Unternehmen, was zu einer verbesserten Wirtschaftslage und steigenden Unternehmensgewinnen führte. Einziger Wermutstropfen – der Index stieg noch stärker. Mit einem derzeitigen KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 22 handelt der S&P sowohl deutlich über seinem 10-jährigen Durchschnittswert von 16 als auch über seinem 20-jährigen Durchschnittswert von 19 welcher die Bewertungen aus der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwerte beinhaltet. 

Trump verleiht dem Markt Flügel

Selbst das Auslaufen des Programms zur quantitativen Lockerung, die China-Krise und der Brexit konnten den Markt nur kurz irritieren. Den Turbo zündete der Markt jedoch nach der Wahl Donald Trumps. Obwohl vor der Wahl dieses Szenario aufgrund der Unberechenbarkeit Trumps mit fallenden Kursen quittiert wurde, besannen sich die Marktakteure nach seiner Wahl auf die angekündigten Konjunkturmassnahmen.

Allen voran die Steuersenkungen, die De-Regulierung der Finanzbranche und das massive Investitionsprogramm hat den Märkten den notwendigen Auftrieb gegeben. Während der S&P 500 um 15 Prozent zulegte konnte der Russell 2000 sogar 22 Prozent zulegen. Hier liegt die Hoffnung auf einer De-Globalisierung der Wirtschaft und einer Rückbesinnung auf amerikanische Produkte, was insbesondere den kleineren amerikanischen Unternehmen helfen dürfte.

Erste Zweifel an Trump

Nun scheinen jedoch die ersten Zweifel darüber aufzukommen ob Donald Trump seinen Versprechen auch Taten folgen lassen kann. Während er bereits zum zweiten Mal mit einem Dekret über ein Einreiseverbot von Muslimen aus zunächst sieben und dann sechs Ländern scheiterte, steht nun auch noch ein weiteres zentrales Wahlversprechen auf der Kippe – die Rückabwicklung des als Obamacare bekannten Gesetzes zur Regelung der Krankenversicherungen in den USA.

Trump, der diese Reform wiederholt als katastrophal bezeichnete, strebt nun an, diese durch ein eigenes Krankversicherungsmodell zu ersetzen. Mit einer republikanischen Mehrheit von 20 Stimmen im Repräsentantenhaus eigentlich nur eine Formalie für den Präsidenten - doch es scheint Abweichler in der eigenen Partei zu geben. 

Der Markt reagiert nervös

Sollte auch dieses Vorhaben scheitern, dürfte der Markt äusserst nervös reagieren, denn somit würde sich die Steuerreform noch weiter verzögern und Zweifel aufkommen, ob diese überhaupt umgesetzt wird. Zusätzlich dazu würde es für Trump einen enormen politischen Schaden bedeuten, wenn diesmal nicht Richter, sondern seine eigene Partei sein Vorhaben stoppt - seine weitere Präsidentschaft wäre schwer belastet.

Einen ersten Vorgeschmack darauf, wie nervös der Markt ist, haben wir am 21. März erlebt, als der S&P 500 um mehr als 1.5 Prozent fiel – der erste Tagesverlust grösser als 1 Prozent seit Oktober 2016, also vor der US-Wahl. Wir müssen mit Spannung abwarten, wie lange der Markt den Versprechen Trumps noch glaubt.

*Christos Maloussis ist Market Analyst bei der IG Bank 

 

 

 

 

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