Endlich hat der SMI seinen zähen Widerstand bei 8500 Punkten geknackt und notiert nun auf dem höchsten Niveau seit Dezember 2007. Auf Sicht von fünf Jahren liegen alle SMI-Titel mit Ausnahme von Credit Suisse teilweise dreistellig im Plus. Und der SPI hat sogar seine Rekorde aus 2007 schon vor Monaten ganz klar hinter sich gelassen. Drei Viertel der Indexmitglieder verbuchten in den letzten zwölf Monaten Kursgewinne.

Diese Entwicklung ist zwar einerseits positiv, andererseits aber auch nervend. Das Dilemma: Nach den teilweise hohen Kursgewinnen haben viele Einzelwerte nicht selten ihre Kursziele erreicht und sind teilweise mit hohen zweistelligen KGVs nicht mehr günstig. Der Ausstieg ist ratsam oder schon vollzogen worden. Wohin aber mit dem nun freien Verkaufserlös?

Die Rezession ist vorbei – Turnaroundkandidaten werden rar

Anleger suchen deshalb verzweifelt Nachzügler, an denen der breite Börsenaufschwung bisher mehr oder weniger vorbeigegangen ist. Auch Turnaroundkandidaten mit hohem Kurspotenzial sind gefragt, aber nicht mehr so leicht zu finden. Denn nachdem die Konjunktur die Rezession nun klar hinter sich gelassen hat, sollte es nicht mehr allzu viele Firmen mit ganz grossen Problemen geben.

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Dennoch können sowohl Nachzügler – die im Vergleich zum jeweiligen Sektor günstig bewertet sind – und Turnaround-Titel, die hohe Kursverluste aufweisen und operative Probleme haben, aber auf dem Weg der Besserung sind, auf dem Kurszettel gefunden werden. 

Finger weg von Pennystocks und winzigen Micro Caps

Bei den Turnaround-Wetten ist aber besondere Vorsicht angesagt. Wenig geeignet sind Firmen mit hochspekulativem Geschäftsmodell. Die von der Kursentwicklung her betrachtet schlechtesten Titel im SPI auf Jahressicht – Cytos und Addex – scheiden als riskante kleine Biotech- und Pharmaunternehmen von vornherein aus.

Auch Pennystocks oder Titel mit geringer Börsenkapitalisierung wie Alpha Pet, Edisun Power, Swissmetal, Zwahlen oder Perrot Duval zählen zwar mit Kursverlusten von über 20 Prozent in den letzten zwölf Monaten zu den miesesten Performern im SPI, sind aber wegen ihres geringen Börsengewichts nur etwas für hartgesottene und risikofreudige Zocker. 

Nachzügler und Turnaroundkandidaten mit Phantasie und Potenzial

Der Spezialist für Dienstleistungen und Software – unter anderem für die Mobilfunkindustrie – hat im vergangenen Jahr umstrukturiert und dabei nicht nur die Unternehmensstruktur gestrafft, sondern auch die Produktpalette überarbeitet. Dadurch kam es aber nicht nur zu einem Abbau der Belegschaft von etwa 500 auf rund 320 Mitarbeiter, sondern auch zu einem Umsatzrückgang von 56,3 auf 43,2 Millionen Dollar. Die eingeleiteten jährlichen Kosteneinsparungen von 20,5 Millionen Dollar brachten im vergangenen Jahr aber immerhin schon einen Rückgang beim Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 6,1 auf 2,9 Millionen Dollar.

Wegen Abschreibungen, Wertberichtigungen und Einmaleffekten infolge der Restrukturierung gab es unter dem Strich jedoch noch einen Verlust von 42,9 Millionen Dollar. Vielversprechend sind aber neue Dienste für Social-Media-Anwendungen und für deren Einführung in Afrika und Lateinamerika in diesem Jahr, sowie der starke Ausbau von Diensten für Mobilfunkanbieter in Lateinamerika im vergangenen Jahr. Die Zahl der angemeldeten Nutzer stieg schon im vergangenen Jahr von knapp 1,0 auf 38 Millionen, und es gab bei diesem Mitteilungsdienst im ersten Quartal 2014 einen weiteren Sprung auf 50 Millionen Nutzer.

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Bei Myriad besteht nicht nur hier die Chance auf einen operativen Turnaround, sondern auch technische Spannung. So konnte die Aktie bereits im August 2013 bei knapp 1.30 Franken nach oben abprallen und von dort einen fulminanten Rebound mit Kursgewinnen von fast 40 Prozent in wenigen Monaten hinlegen. Nachdem die Aktie jetzt wieder im Bereich dieses Allzeittiefs notiert, setzen Turnaround-Spekulanten auf einen erneuten Kurssprung.

Ein klarer Nachzügler. Der Dienstleister für die Öl- und Gasindustrie verbuchte aber im ersten Quartal eine Steigerung von 3,9 Prozent zu einem Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar und einen Rückgang der operativen Kosten um 13,1 Prozent. Dennoch dümpelte die Aktie in den letzten zwei Jahren per Saldo auf der Stelle. Andere Titel der Branche wie Halliburton und Schoeller Bleckmann verbuchen hingegen Kursgewinne von jeweils rund 50 Prozent, C.A.T. Oil bringt es sogar auf ein Plus von 200 Prozent.

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Nach dem rasanten Lauf der Konkurrenz ist Transocean mit einem schlappen 9er-KGV im Branchenvergleich sehr niedrig bewertet. So kommt Halliburton auf ein 16er-KGV, C.A.T. Oil ist Anlegern trotz des Fokus des Unternehmens auf Russland und auf Kasachstan und trotz der aktuellen Unsicherheiten noch immer ein 14er-Gewinnmultiple wert, Schoeller Bleckmann kommt sogar auf ein 20er-KGV. Das SMI-Mitglied aus Zug hat damit ein ganz klares Nachholpotenzial.

Ein spannender Titel für den kleinen Turnaround ist Vetropack. Der Spezialist für Glasverpackungen steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr zwar um 2,7 Prozent auf 621,0 Millionen Franken, musste gleichzeitig aber einen Anstieg der Abschreibungen um 12,5 Prozent hinnehmen und berichtet auch über Preisdruck in der Branche wegen der schwachen Konjunktur in Europa. Die operative Marge fiel deswegen von 10,2 auf 9,7 Prozent.

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Nun arbeitet Vetropack aber an neuen Technologien zur Einsparung von Energie bei der Produktion und senkt weitere Kostenblöcke. Fallen nun zusätzlich die im 2013 erhöhten Abschreibungen wieder auf das 2012er-Niveau und kommt es zur erwarteten Konjunkturerholung in Europa, dürfte das dem Verpackungskonzern in diesem und im nächsten Jahr deutlich steigende Gewinne und ein einstelliges KGV bringen.

Nach unten scheint die Aktie ziemlich gut abgesichert zu sein, notiert Vetropack derzeit doch 10 Prozent unter dem Buchwert. Entsprechend bietet sich hier im Moment ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis mit Kurspotenzial auf Sicht von etwa zwölf Monaten von rund 15 bis 20 Prozent.

Der Anbieter von Logistikdienstleistungen und -systemen, beispielsweise für das Gesundheitswesen oder für Verteilzentren, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 3,0 Prozent auf 632,6 Millionen Franken. Grund dafür waren Verzögerungen im Auftragseingang im zweiten Halbjahr. Wegen des Wegfalls von Restrukturierungsaufwendungen kletterte der Gewinn dennoch von 7,1 auf 11,9 Millionen Franken oder von 0.03 auf 0.05 Franken je Aktie.

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Der Titel bietet aus zwei Gründen Phantasie. Erster Grund: Das operative Geschäft, denn der Auftragsbestand lag Ende 2013 mit 542,2 Millionen Franken um 11,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Steigende Umsätze und ein höherer Gewinn scheinen damit in diesem Jahr sehr wahrscheinlich zu sein. Derzeit spiegelt sich das jedoch noch nicht im Kurs wider. Zweiter Grund: Die Aktie ist seit Dezember im Rückwärtsgang und notiert im Bereich der starken Unterstützung bei 1.0 Franken. Von dort konnte der Titel in den letzten 18 Monaten bereits zweimal innert weniger Monate jeweils um rund 25 Prozent zulegen. Anleger setzen darauf, dass der Investorentag am 21. Mai einen neuen Schub auslöst.

Der Betreiber von Mühlen leidet zwar beispielsweise unter Einkaufstourismus oder steigendem Import von Fertigprodukten. Doch durch Zukäufe wie zuletzt per 1. September 2013 von Grands Moulins de Cossonay Sàrl, à Penthalaz, kurz GMC, konnte die Mühle ihren Marktanteil in der Schweiz auf inzwischen rund 30 Prozent ausbauen. In den nächsten Jahren werden aus dem neuen Zukauf Synergien erschlossen. Zusätzlich werden Kosten gesenkt und Schulden abgebaut.

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Nachdem Groupe Minoteries den Umsatz im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf 138,7 Millionen Franken steigern und den Nettogewinn mit 5,1 Millionen Franken oder 15.41 Franken je Aktie auf dem 2012er-Niveau halten konnte, ist in den nächsten Jahren wieder mit Zuwächsen zu rechnen. Möglicherweise ist schon in diesem oder im nächsten Jahr wieder das 2011-Niveau um 8 Millionen Franken oder um rund 20 Franken je Aktie drin.

Auf jeden Fall bekommen Anleger hier nachhaltig 5.0 Franken Dividende – Rendite: 5,1 Prozent. Obendrein notiert der Titel mit einem KBV von 1,2 kaum über Eigenkapital und vor allem: Bei den Immobilien in der Bilanz ist von hohen stillen Reserven auszugehen. So wurde zwar die obengenannte GMC im vergangenen Jahr konsolidiert, doch bei den in der Bilanz ausgewiesenen Grundstücken und Gebäuden hat sich der Wert nicht geändert. Hier sind wie schon im Vorjahr 7,3 Millionen Franken angesetzt. Das Grundstück von GMC in Cossonay, Penthalaz, am Stadtrand von Lausanne, am Genfersee, mit einer Grösse von 45'000 Quadratmetern, taucht da ebenso wenig auf wie die Getreidesilos der neuen Tochter mit einer Kapazität von 35'000 Tonnen.

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