Der Oktober hatte es in sich. Zumindest an der Börse. Zunächst schien er einmal mehr seinem Ruf als «Crash-Monat» gerecht zu werden. Beispielsweise brach der SMI in den ersten drei Handelswochen um knapp 11 Prozent ein. Mittlerweile hat der heimische Leitindex die Verluste jedoch fast schon wieder komplett aufgeholt. Während der anfängliche Ausverkauf insbesondere auf eingetrübte Konjunkturaussichten zurückzuführen war, brachten die Unternehmen das Vertrauen an die Märkte zurück. Viele Konzerne präsentierten in der laufenden Berichtssaison bisher überzeugende Zahlen.

Das gilt auch für die Schweiz. Neun der 20 SMI-Mitglieder gewährten bereits Einblick in den Geschäftsverlauf der vergangenen drei Monate. Dabei sorgte einzig Nestlé für eine echte Enttäuschung. Im dritten Quartal blieb das organische Umsatzwachstum des Lebensmittelkonzerns hinter den Analystenprognosen zurück.

Favoriten für Anleger: Actelion und Straumann erhöhen die Prognose

Während mit ABB und Givaudan zwei heimische Grosskonzerne im Rahmen der Expertenschätzungen landeten, übertrafen sechs weitere Unternehmen aus dem SMI den Konsens. Für ein absolutes Highlight sorgte einmal mehr Actelion. Nicht nur, dass die Biotechgesellschaft von Juli bis September mehr verdiente als erwartet. Darüber hinaus erhöhte das Management dank florierender Geschäfte mit dem neuen Lungenpräparat Opsumit bereits zum dritten Mal die Prognose für 2014. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Actelion-Aktie seit der Zahlenvorlage um 10 Prozent steigen konnte. Auf dem Weg zum im Juli markierten Allzeithoch bei rund 115 Franken steht der Titel nun jedoch vor einem markanten Widerstand im Bereich von 113 Franken.

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Derweil ist Straumann der technische Ausbruch bereits gelungen. Der Mid Cap kletterte erstmals seit Juni 2011 über die Marke von 230 Franken. Für Rückenwind sorgten auch hier die Quartalszahlen. Von Juli bis September verbuchte der Implantatespezialist in lokalen Währungen mit einem Umsatzplus von 7,3 Prozent die höchste Wachstumsrate seit 15 Quartalen. Gleichzeitig schraubte das Management die Zielsetzung nach oben. Straumann möchte die Erlöse 2014 im mittleren einstelligen Prozentbereich voranbringen. Bisher hatten die Basler eine Steigerung im unteren einstelligen Bereich erwartet. Hinzu kommt eine ambitionierte Vorgabe für die Profitabilität: Die operative Marge soll bei über 20 Prozent liegen. 2013 waren es noch 17 Prozent.

Berichtssaison im S&P 500 – 75 Prozent der Unternehmen über den Erwartungen

Straumann verdankt den positiven Geschäftsverlauf nicht zuletzt einer starken Entwicklung am US-Markt. Die gute Verfassung der weltweit grössten Volkswirtschaft kommt auch in der laufenden «Earnings Season» an der Wall Street zum Ausdruck. Offenbar kommen die US-Konzerne relativ gut mit der Dollar-Aufwertung sowie mit dem schwachen Konjunkturumfeld in Europa zurecht. Laut einer Auswertung von Factset haben drei von vier Mitgliedern des S&P 500, deren Ergebnisse bereits vorliegen, mehr verdient als erwartet. Für das dritte Quartal errechnet der Datendienstleister für den US-Leitindex ein Gewinnplus von 5,6 Prozent. Per Ende September fiel die von Analysten im Schnitt erwartete Steigerungsrate noch um einen Prozentpunkt tiefer aus.

Factset zählt unter anderem den Zwischenbericht von Microsoft zu den positiven Überraschungen. In der Tat fuhr der Softwarekonzern in seinem ersten Geschäftsquartal einen Gewinn je Aktie von 0,54 Dollar ein. Analysten hatten mit fünf US-Cent weniger gerechnet. Während der Profit von Sonderbelastungen durch einen Stellenabbau gekennzeichnet war, setzte Microsoft bei den Umsätzen eine Duftmarke. Die starke Nachfrage nach Smartphones, Tablets und Cloud-Dienstleistungen sorgte für ein Wachstum von 25 Prozent.

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Caterpillar – Gewinnsprung im dritten Quartal

Caterpillar kann diesbezüglich bei weitem nicht Schritt halten. Dem weltweit grössten Baumaschinenhersteller gelang dennoch ein Paukenschlag: Im dritten Quartal verdiente der Konzern 1,63 Dollar je Aktie und damit knapp einen Fünftel mehr als erwartet. Neben der boomenden Förderung von Öl und Gas aus dichtem Schiefergestein, Stichwort «Fracking», spielte dem Konzern die robuste Konjunktur auf dem Heimatmarkt in die Hände. Vor diesem Hintergrund erhöhte Caterpillar die Prognose für das Gesamtjahr. Angeschoben vom positiven Zahlenmix schaffte das Dow-Jones-Mitglied die Rückkehr in den dreistelligen Kursbereich. Nun hat die CAT-Aktie bereits die 55-Tage-Linie in Sichtweite. Ein Sprung über den gleitenden Durchschnitt würde helfen, auch bei diesem Blue Chip den Schwächeanfall der vergangenen Woche vergessen zu machen.

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Unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen traut sich der Biotechkonzern für 2014 mittlerweile ein Gewinnplus von mehr als einem Fünftel zu. Ursprünglich hatte das Management eine stabile Entwicklung in Aussicht gestellt. Insofern überrascht es nicht, dass Actelion für die mit den Quartalszahlen vorgelegte dritte Prognoseerhöhung viel Applaus erhielt. Beispielsweise bestätigte das Researchhaus Kepler Cheuvreux seine Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel auf 140 Franken.

Zugegeben: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von mehr als 20, selbst für die im 2016 erwarteten Gewinne, ist die Straumann-Aktie nicht günstig. Allerdings spricht das starke Momentum für den Dentalspezialisten. Charttechnisch hat der Mid Cap gerade einen zentralen Widerstand aus dem Weg geräumt. Fundamental profitiert Straumann von der Einführung neuer Produkte und Hochleistungsmaterialien sowie von einer überarbeiteten Preisstruktur. Diesbezüglich zeigt die erhöhte Prognose, dass die starke Entwicklung im dritten Quartal keine Eintagsfliege war.

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Nach der Jahrtausendwende kannte die Microsoft-Aktie praktisch nur eine Richtung: Seitwärts. Doch in den vergangenen Monaten ist dem Softwaretitel der Ausbruch nach oben gelungen. Selbst das Erreichen der Spitzenwerte der späten 1990er-Jahre scheint nun nicht mehr utopisch zu sein. Schliesslich hat das Unternehmen operativ einen guten Lauf. Das Umsatzwachstum von 25 Prozent im abgelaufenen Quartal zeigt, dass sich die Fokussierung auf Smartphones, Tablets und Cloud-Dienstleistungen bezahlt macht. Angesichts eines 2016er-KGVs von 13,4 ist die Aktie nicht zu teuer.

Nach Ansicht von Oskar Schenker, Aktienanalyst bei J. Safra Sarasin, musste Caterpillar in den letzten zwei Monaten überproportionale Kursverluste einstecken. Daher rechnet er jetzt mit einer schnellen Erholung. «Die deutlich bessere operative Performance wird zu steigenden Gewinnschätzungen führen», kommentiert der Experte die Quartalszahlen. Die Folge wäre eine Reduzierung der Bewertungsrelationen. «Die langfristigen Aussichten sind intakt», meint Schenker, der Caterpillar mit «Kaufen» einstuft.

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