Zwar markierte der SMI vor zwei Wochen ein neues Jahreshoch und konnte mit 9471 Punkten das Allzeithoch aus dem Jahr 2007 von 9531 Punkten so gut wie erreichen, doch Skeptiker betrachten einige Rahmendaten der Schweizer Börse zumindest etwas kritisch. Die Analysten von Ned Davis Research zählen dazu.

Zur Verdeutlichung der Probleme greift das unabhängige US-Research-Institut auf ein Zitat des früheren kanadischen Premierministers Pierre Trudeau zurück. Dieser beschrieb seine Gefühle dem grossen Nachbarn USA gegenüber im März 1969 wie folgt: «Neben dir zu leben, ist, wie neben einem Elefanten zu schlafen. Unabhängig davon, wie freundlich und ausgeglichen das Tier ist, man ist doch von jedem Zucken und Grunzen betroffen.»

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Euro-Nichtmitgliedsländer stecken in der Zwickmühle

Für die beiden Ned-Davis-Research-Strategen Vincent Deluard und Tim Hayes beschreiben diese Worte sehr gut das Verhältnis und das Dilemma zwischen Euro-Nichtmitgliedsländern wie Schweiz, Schweden oder Grossbritannien und dem Koloss der Euro-Zone, denn die vergleichsweise kleinen Notenbanken dieser Staaten stecken in der Klemme, weil sie praktisch dazu gezwungen sind, beim grossen und expansiven geldpolitischen Experiment der Europäischen Zentralbank mitzumachen.

Ansonsten würden ihre Währungen vermutlich noch stärker steigen. Trotzdem hat diese Vorgehensweise bisher nicht den gewünschten Effekt gebracht. So hat der Franken gegenüber dem Euro zuletzt langsam aber stetig wieder aufgewertet, und er scheint sich wieder der Parität zu nähern. Unter solchen Aufwertungen leiden die Exporteure jeweils mehr oder weniger stark.

Stimmung bei Schweizer KMU schlecht

Dazu passt eine Meldung der Konferenz kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren. Danach eröffneten im Vorjahr so wenige ausländische Unternehmen Niederlassungen in der Schweiz wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Zahl der ausländischen Firmen, die eine Niederlassung in der Schweiz gründeten, fiel demnach um 8 Prozent auf 274. Die neuen Unternehmen schufen 780 Stellen. Das sind 21 Prozent weniger als 2013.

Hinzu kommt: Gemäss dem KMU-Exportindikator ist die Exportstimmung bei den kleinen und mittleren Unternehmen der Schweiz so schlecht wie noch nie seit der Lancierung der Umfrage im Jahr 2010.

Gefahr für die Margen

Nach Einschätzung von Ned Davis Research sind aber Anzeichen für eine konjunkturelle Schwäche für die Nicht-Euro-Börsen eine Gefahr und zwar auch deshalb, weil sie weltweit zu den am höchsten bewerteten Aktienmärkten zählen. So seien beispielsweise Schweizer Aktien gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis derzeit teurer als beim Hochpunkt der Internetblase. Ned Davis Research beziffert den Bewertungsaufschlag bei dieser Kennziffer gegenüber den ebenfalls bereits als teuer bezeichneten US-Aktien auf 18 Prozent und verglichen mit den Aktien der Eurozone sogar auf 172 Prozent.

Nachdenklich stimmen die Strategen Deluard und Hayes auch die rekordhohen Gewinnmargen. So seien die Gewinnspannen bei den Unternehmen in Schweden und in der Schweiz im Durchschnitt höher als in den USA, obwohl die Margen in den Staaten durch niedrige Zinsen, Abschreibungen und steuerliche Einflussfaktoren in die Höhe getrieben worden sind. In der Eurozone hingegen würden die Gewinnspannen von einer tiefen Ausgangsbasis erst jetzt langsam anfangen zu steigen.

Die Experten erwarten deshalb eine Annäherung der unterschiedlichen Margen in Europa. Der schwache Euro dürfte dabei die Nachfrage nach Gütern aus der Schweiz sowie aus Grossbritannien und aus Schweden unterminieren und stattdessen den Unternehmen der Eurozone Marktanteilsgewinne auf den Exportmärkten ermöglichen. Das Problem dabei ist für die Schweiz, dass der Franken laut Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank die letzte verbleibende «Safe-Haven»-Währung ist. «Dadurch bleibt der Franken trotz negativer Zinsen attraktiv.»

Noch trotzt der SMI den Risiken

Nach Einschätzung von Ned Davis Research antizipieren Analysten bereits, dass durch die schlechteren Umsatzaussichten die hohen Margen der Firmen ausserhalb der Eurozone aufgezehrt werden. Die langfristigen Gewinnprognosen für Firmen aus der Schweiz und aus Grossbritannien wurden auf jeden Fall schon deutlich nach unten korrigiert. Vor diesem Hintergrund könnten sich Anleger irgendwann fragen, warum sie für weniger Wachstum eine Bewertungsprämie zahlen sollen.

Für Deluard und Hayes spricht die von EZB-Präsident Draghi betriebene Politik dafür, Aktien aus der Eurozone zulasten von Aktien aus Schweden, Grossbritannien und aus der Schweiz überzugewichten. Wer sich bei der Umsetzung dieser Strategievorgabe Sorgen um Währungsverluste wegen des schwachen Euro mache, sollte beim Investieren auf währungsgesicherte Produkte zurückgreifen, lautet eine Zusatzempfehlung der beiden Analysten.

Es könnte sich deshalb lohnen, beispielsweise auf den EuroStoxx 50 zu setzen. Eines der wenigen währungsgesicherten Tracker-Zertifikate auf den Index der grössten Firmen im Euroraum kommt von der Credit Suisse und hat eine einigermassen sinnvolle und nicht zu kurze Laufzeit bis 10.4.2017 (CH0270333880).