Was haben Nick Hayek und Erich Sixt gemeinsam? Beide können demnächst einen runden Geburtstag feiern. Während Hayek im Oktober 60 wird, kann Sixt bereits im Juni auf seinen 70. anstossen. Die bevorstehenden Jubeltage sind nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Herren. Das Duo zählt zu den bekanntesten Familienunternehmern Europas und repräsentiert damit ein Segment, welches unter Investoren einen hervorragenden Ruf geniesst: Eigentürmerdominierte Gesellschaften gelten als besonders solide und erfolgreich.

Ein Blick auf den Kurszettel bestätigt das. Auf Sicht von zehn Jahren hängt sowohl der von Hayek und zuvor von seinem Vater geführte Uhrenkonzern Swatch als auch der deutsche Autovermieter Sixt den europäischen Aktienmarkt mit Kursgewinnen von rund 200 bis 400 Prozent um Längen ab.

Familienunternehmen, Merkmal eins: langfristiger Horizont

Es ist genau diese Langfristigkeit, die Familienunternehmen operativ auszeichnet. «Eigentümer- respektive familiengeführte Unternehmen denken in Generationen, nicht in Quartalen», meint Birgitte Olsen, Portfoliomanagerin bei Bellevue Asset Management. Ihrer Ansicht nach wirken sich zudem eine hohe Identifikation und persönliches finanzielles Engagement positiv auf den Aktienkurs von Familienunternehmen aus. Für beide Argumente liefern Swatch und Sixt beste Belege. So veröffentlicht der Uhrenkonzern keine Quartalsberichte, sondern legt die Bücher nur alle sechs Monate offen.

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Die Leidenschaft des Erich Sixt für sein Unternehmen ist so stark, dass er trotz fortgeschrittenen Alters nicht an den Ruhestand denkt. Seit 1969 ist er im Unternehmen tätig und hat aus einem lokalen Autovermieter einen global agierenden Mobilitätsdienstleister geformt. Angesprochen auf seinen 2016 auslaufenden Vertrag, sagte Sixt vor kurzem: «Ich bin fit.»

Familienunternehmen, Merkmal zwei: Konservative Planung

Mit Bucher Industries präsentiert sich ein weiteres Schweizer Familienunternehmen in Top-Form. 2013 fuhr der Landtechnikspezialist Rekordzahlen ein. Dabei legte der operative Profit um knapp einen Viertel und damit deutlich stärker als von Analysten erwartet zu. Im Kerngeschäft profitiert Bucher von der guten Einkommenslage der internationalen Landwirtschaft. Die kleinere Sparte Kommunalfahrzeuge sorgte zuletzt mit einem Auftrag aus Russland für Aufsehen. Die Stadt Moskau bestellte Kehrfahrzeuge, Schneepflüge und Streuer für den Winterdienst.

Nach Ansicht von Sarasin-Analyst Dominik Studer zeigt die 53 Millionen Franken schwere Order, dass Bucher im ziemlich schwierigen Markt für Kommunalfahrzeuge einen hervorragenden Job macht. Die vom Management für 2014 ausgegebene Prognose – diese sieht eine moderate Abnahme der Profitabilität vor – erachtet er als konservativ. «Wir sind zuversichtlich, dass Bucher erneut in der Lage sein wird, positiv zu überraschen», schreibt Studer in einer aktuellen Analyse und rät zum Kauf der Aktie.

Familienunternehmen, Merkmal drei: Outperformance

Per Ende März zählten sowohl Swatch als auch Bucher Industries zu den grössten Positionen des Bellevue-Fonds «BB Entrepreneur Switzerland». Das von Birgitte Olsen verantwortete Portfolio ist derzeit in 38 heimischen Titeln investiert. Zentrale Prämisse für eine Aufnahme ist, dass ein einzelner Unternehmer oder eine Familie mindestens einen Fünftel der Stimmrechtsanteile hält. Schwergewicht ist derzeit der vor einer Fusion mit dem französischen Konkurrenten Lafarge stehende Baustoffkonzern Holcim.

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Seit seiner Auflage vor gut acht Jahren konnte der Fonds den Swiss-Performance-Index klar abhängen. Während die Entrepreneur-Auswahl um 60 Prozent zulegte, kam die Benchmark «nur» um knapp einen Drittel voran. Gerade für langfristig orientierte Anleger ist das aktiv verwaltete Produkt eine gute Möglichkeit, diversifiziert auf Vollblutunternehmer im Stil eines Nick Hayek zu setzen.

Auf Familienunternehmen setzen

BB Entrepreneur Switzerland (ISIN: CH0023244368)

Der 1996 lancierte Fonds macht sich auf die Suche nach aussichtsreichen heimischen Familienunternehmen. Dabei war das Management bis dato sehr erfolgreich. Angesichts der gezeigten Outperformance gegenüber dem breiten Schweizer Aktienmarkt ist die Verwaltungsgebühr von 1,25 Prozent p.a. gerechtfertigt.

Bucher Industries (ISIN: CH0002432174)

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Das positive Investitionsklima in der Landwirtschaft beschert dem Gerätehersteller florierende Geschäfte. Obwohl sich das Management für das laufende Jahr vorsichtig gibt, heben Analysten den Daumen: Neben J. Safra Sarasin stuft Helvea den SPI-Titel mit «Kaufen» ein.

Sixt SE (ISIN: DE0007231326)

Obwohl der deutsche Small Cap zuletzt etwas nachgab, steht im bisherigen Jahresverlauf ein Plus von 17 Prozent zu Buche. Fundamental überraschte der Autovermieter mit einem über den Erwartungen liegenden Gewinn für 2013. Um in der Wachstumsspur zu bleiben, möchte Konzernchef Erich Sixt unter anderem das Geschäft in den USA forcieren.

Swatch Group (ISIN: CH0012255151)

Die jahrelange Aufwärtsfahrt der SMI-Aktie stockt. Trotz der unsicheren Konjunkturlage im wichtigen Absatzmarkt China ist CEO Nick Hayek zuversichtlich. Im kommenden Jahr möchte er beim Umsatz die Schallmauer von zehn Milliarden Franken knacken. Allerdings macht Hayek keinen Hehl daraus, dass eine anhaltende Franken-Aufwertung das Wachstum bremsen könnte.

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