Die Schweizer Uhrenbranche hat schon bessere Zeiten gesehen. Für Februar steht bei den Exporten ein nominales Minus von 3,3 Prozent zu Buche, das zu einem Volumen von 1,65 Milliarden Franken führt. Das war zwar ein geringerer Rückgang als im Januar, und die Zahl war auch besser als befürchtet, doch das ändert nichts daran, dass es zu einer Negativserie gekommen ist, welche die Branche aufgebaut hat. Denn insgesamt sind die Schweizer Uhrenexporte nun schon den achten Monat in Folge gesunken.

Dabei waren sie bereits im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent zurückgegangen. Das war das erste Jahresminus seit 2009. Kurzfristig ist wegen anhaltend schleppender Nachfrage in Asien und China sowie des negativen Einflusses der Terroranschläge in Europa auf das Tourismusgeschäft auch nicht unbedingt Besserung zu erwarten.

Stagnation der Uhrenexporte

Aber dank der Hoffnung auf einen Aufschwung im zweiten Halbjahr geht Vontobel für das Gesamtjahr  im Jahresvergleich von einer Stagnation bei den Uhrenexporten aus. Das bedeutet: Nach dem Minus im Januar und Februar wird davon ausgegangen, dass die nächsten Monate besser laufen werden.

Dennoch wirft die aktuelle Verfassung der Branche speziell aus Anlegersicht Fragen auf. Dazu zählt beispielsweise, wie gross der Einfluss der Apple Watch auf die heimischen Uhrenanbieter künftig wohl sein wird. Ausserdem wollen Investoren nach der zuletzt enttäuschenden Wertentwicklung wissen, wie die Perspektiven der beiden bekanntesten börsennotierten Schweizer Branchenvertreter Swatch Group (ISIN: CH0012255151) und Cie Financière Richemont (ISIN: CH0210483332) sind.

Luxusuhren sind nach wie vor gefragt

Beiden Überlegungsansätzen geht die UBS in einer aktuellen Studie nach. Beim Blick auf den Sektor wird dabei zunächst allgemein Folgendes festgehalten: Die Nachfrage der Endkonsumenten hat im bisherigen Jahresverlauf nachgelassen. Verwiesen wird unter anderem auf Daten des Einzelhandels-Finanzdienstleisters Global Blue, wonach weltweit die Konsumausgaben durch Touristen in diesem Jahr bis in den März hinein nur noch um 0,85 Prozent gestiegen sind. Das ist nicht nur eine deutliche Abschwächung gegenüber dem im gesamten Vorjahr registrierten Plus von 26 Prozent, sondern in Europa gab es sogar einen Rückgang von 5 Prozent.

Die Analysten der UBS erklären: Passend dazu hätten sich Vertreter aus der Luxusbranche zuletzt relativ vorsichtig zum Geschäftsverlauf geäussert. Relativ düster sei zudem auch jüngst die Rhetorik an der Uhrenmesse Baselworld ausgefallen. Mit Blick auf die unterschiedlichen Preissegmente streichen sie aber heraus, dass im Preissegment von 200 bis 500 Franken, in dem Swatch am stärksten präsent ist, die Exporte im Februar um 5,5 Prozent gesunken sind. Im Luxussegment, mit Preisen von mehr als 3000 Franken, das für Richemont am wichtigsten ist, hat es hingegen ein Plus von einem Prozent gegeben.

Kinderkrankheiten bremsen Interesse an Apple Watch (noch) aus

Was nun den Einfluss der Apple Watch auf das Marktsegment angeht, hat die UBS eine Umfrage unter rund 6000 Smartphone-Nutzern in den USA, in Grossbritannien, Deutschland, Festland-China sowie in Japan durchführen lassen. Basierend auf diesen Ergebnissen sehen die Analysten der Bank eine geringere Konkurrenz für die Schweizer Uhrenindustrie, als teilweise befürchtet worden ist. Konkret sagten 61 Prozent der Befragten, es sei unwahrscheinlich oder eher unwahrscheinlich, dass sie sich in den kommenden zwölf Monaten eine Smartwatch kaufen würden. Darüber hinaus denken die Interessenten von Smartwatch oder Apple Watch mehrheitlich nicht daran, ihre traditionelle Uhr zu ersetzen. 74 Prozent sehen in der Apple Watch ausserdem eher ein Technologie-Produkt als eine Uhr.

Allerdings ändere das nichts am Risiko, wonach die zweite verbesserte Generation der Apple Watch gefährlicher für die Schweizer Uhrenindustrie werden könnte. Das könnte dann passieren, wenn es gelingen sollte, die noch bestehenden Kinderkrankheiten in den Griff zu kriegen. In der Mängelliste enthalten, sind eine nur geringe Laufzeit bis zum Wiederaufladen, die Koppelung an ein Telefon sowie eine noch begrenzte Auswahl an Fitness-Applikationen. Ausserdem sei die Apple Watch noch eher als widerstandsfähig gegen Wasser statt als wasserdicht einzustufen. Insgesamt werde wegen dieser Mängel der Nutzen einer Smartwatch teilweise noch als relativ begrenzt gesehen. Zu diesen Kritikpunkten passt, dass die Hälfte der Befragten den Kauf einer Apple Watch für ein Folgemodell aufgeschoben hat.

Swatch-Aktie – Risiken bei Quarzuhren

Die Angst vor einer mittelfristig wachsenden Konkurrenz dürfte nach Einschätzung von UBS bis auf Weiteres speziell bei Swatch auf dem Aktienkurs lasten. Im Negativfall könnte der Gewinn vor Steuern und Zinsen des SMI-Mitglieds durch die Apple Watch um 6 bis 8 Prozent gedrückt werden. Kritisch könnte es insbesondere werden, wenn es Apple gelingen sollte, die eigene Smartwatch als Statussymbol bei den chinesischen Konsumenten zu positionieren. Konkurrenz drohe auch eher den Quarzuhren als den teuren mechanischen Uhren. Schätzungen zufolge könnte es sein, dass die Apple Watch schon 2016 weltweit rund 10 Prozent der Quarzuhren ersetzen wird.

Auch vor diesem Hintergrund haben die UBS-Analysten kürzlich ihr Kursziel für die Swatch-Aktien von 339 Franken auf 325 Franken gesenkt. Das entspricht praktisch dem aktuellen Kursniveau, und folglich lautet das Anlageurteil «halten». Zu den Risiken werden neben einer zweiten Apple Watch ein anhaltender Lagerabbau im Grosshandel gezählt, Unsicherheiten bei den Betriebsausgaben und hohe Lagerbestände im Konzern. Anders als das Unternehmen selbst, glauben die UBS-Analysten auch nicht an ein operatives Umsatzwachstum in diesem Jahr. Als kursstützend wird hingegen ein Aktienrückkaufprogramm gewertet und als Kontraindikator sogar die bestehenden hohen Wetten auf fallende Kurse. Bei der Ergebnisprognose für 2016 bewegt sich die UBS nach einer Kürzung der Schätzung um 9 Prozent derzeit um 10 Prozent unter dem Analystenkonsens. Konkret wird für das laufende Jahr mit 20.23 Franken gerechnet, woraus sich ein geschätztes 15er-KGV ergibt.

Richemont – die Aktie hat noch Potenzial

Verglichen mit Swatch bevorzugen die UBS-Analysten Richemont. Auch allgemein ist die Aktie als Kauf eingestuft, was die Experten damit erklären, dass der bestehende Gegenwind als kurzfristig, die hohe Qualität des Unternehmens aber als langfristig eingestuft wird. Allerdings wurden auch hier Gewinnschätzungen und Kursziel unlängst gesenkt. Konkret wurde die Schätzung für das Ergebnis je Aktie in diesem Jahr um 7 Prozent nach unten korrigiert und für das kommende Jahr um 15 Prozent. Mit 3.24 Franken (KGV 18,8) und 2.98 Franken liegt die UBS jetzt um 12 und 17 Prozent unter dem Konsens. Zur Begründung wird auf schwache Quartalszahlen und Margendruck verwiesen. Als Pluspunkte werden aber die bestehende Preismacht gewertet, die Präsenz bei Markenschmuck und das vorhandene Erholungspotenzial bei Cartier-Uhren. Letzteres wird aber nicht kurzfristig, sondern erst mittelfristig erwartet. Beim Kursziel wurde von 80.00 Franken auf 72.00 Franken zurückgerudert. Bei einer Zielerreichung lässt das der Notiz rund 18 Prozent Luft nach oben.