Das Risiko ist gering – zumindest bei Betrachtung der Volatilität als Risikomass. So bringt es die Aktie von PSP Swiss Property auf eine Volatilität als Kennzeichen für die Kursschwankungen von nur 13,7 Prozent. Dann Swiss Prime Site. Die Aktie des Konzerns aus Olten zeigt mit einer Volatilität von 15,5 Prozent ebenfalls eine geringe Schwankungsfreudigkeit. Oder bfw liegenschaften: Diese Aktie besitzt derzeit sogar eine Volatilität von nur 12,5 Prozent. Das gleiche Bild auch bei Mobimo und Intershop: Die beiden Titel weisen ebenfalls tiefe Kursausschläge von nur 11,6 Prozent und 17,6 Prozent aus.

Bei Allreal schliesslich sind es sogar rekordverdächtig tiefe 8,8 Prozent. Möglicherweise befindet sich auf dem gesamten Kurszettel sogar kein anderer Wert mit solch niedrigen Kursschwankungen. Wie gering die Schwankungsbreite des Immobiliensektors da ist, zeigt sich im Vergleich zum SMI. Der VSMI – der die Schwankungsintensität, also die Volatilität, anzeigt – steht aktuell bei 17,6 Prozent. Aber in einem Index sind die Kursausschläge ohnehin vergleichsweise gering. Nimmt man einen Einzelwert aus dem SMI, sieht die Zahl gleich anders aus. Beispiel Credit Suisse: Die Aktie der Bank schwankt heftig, und die Volatilität des Instituts liegt aktuell bei 46,6 Prozent.

Immobilientitel – massive Outperformance gegenüber dem SMI

Die genannten Immobilientitel weisen damit sehr geringe Kursausschläge aus. Viele Anleger machen deshalb um diesen Sektor einen grossen Bogen. Denn dort ist ja vermeintlich wenig los, die Aktien sind langweilig, da es wenig Bewegung gibt. So lautet ein Vorurteil. Es ist ein Vorurteil, denn: Die aktuelle Kursentwicklung der Immobilientitel zeigt ein anderes Bild: Die Aktie von Intershop ist in diesem Jahr schon um 15 Prozent gestiegen. Und Kursgewinne von 5 bis 10 Prozent seit Anfang Januar waren auch mit den anderen Branchenplayern drin. Gegenüber dem schwachen SMI ergibt das eine Outperformance in nur drei Monaten zwischen 15 und 25 Prozentpunkten.

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Nach den starken Steigerungen fragen sich Anleger jetzt aber: Wie ist aktuell die Lage, und wie geht es weiter in diesem Sektor? Eine Bestandesaufnahme.

Allreal

Die Immobiliengesellschaft aus Zug profitierte 2015 von positiven Neubewertungseffekten des Immobilienportfolios. Beim Rückgang der Gesamtleistung um 23,4 Prozent auf 793,9 Millionen Franken stieg nämlich einerseits das Unternehmensergebnis ohne Neubewertung nur um 0,5 Prozent, inklusive Neubewertungen ist es jedoch zu einem Anstieg um 16,8 Prozent gekommen. Das Ergebnis je Aktie kletterte dadurch um 16,8 Prozent von 6.56 auf 7.66 Franken. Der NAV, also das Nettovermögen, liegt bei 125.35 Franken und damit um rund 10 Prozent unter dem Aktienkurs. Für dieses Jahr ist mit einem vergleichsweise stabilen Lauf zu rechnen. Damit dürfte zumindest wieder eine Dividende im Bereich des 2015er-Werts von 5.75 Franken drin sein – Rendite 4,1 Prozent.

bfw liegenschaften

Der Konzern aus Frauenfeld verzeichnete im vergangenen Jahr einen Schub, auch als Folge des Ausbaus des Portfolios. So stieg der Erfolg aus Vermietung um 22 Prozent und jener aus Neubewertung sogar um 78 Prozent. Per Saldo legte der Gewinn inklusive Neubewertung um 38 Prozent zu, das Ergebnis je Aktie vervierfachte sich auf 1.96 Franken. Der NAV je Anteil beträgt per Ende Dezember 36.58 Franken und liegt damit fast exakt auf der Höhe des Börsenkurses. Bei einer Dividende von 1.35 Franken wartet auf die Aktionäre eine Rendite von 3,6 Prozent.

Intershop

Intershop Holding verzeichnete 2015 leichte Rückgänge. Der Liegenschaftsertrag stieg zwar von 74,5 auf 74,8 Millionen Franken, doch der Erfolg aus Verkäufen rutschte von 17,3 auf 12,5 Millionen Franken ab. Der Reingewinn pro Aktie fiel dadurch von 30.52 auf 28.11 Franken. Mit aktuell 472 Franken notiert der Immobilienkonzern weit über dem Eigenkapital von 279 Franken. Immerhin ist die Dividende von 20 Franken – Rendite 4,2 Prozent – attraktiv. Ansonsten allerdings scheint Intershop wegen des hohen Kurs/Buchwert-Verhältnisses von 1,7 für ein Immobilienunternehmen schon recht hoch bewertet zu sein.

Auf Rekordfahrt ist Mobimo. Das Immobilienhaus aus Luzern steigerte den Gewinn inklusive Neubewertung im letzten Jahr von 12.65 auf 16.72 Franken. Der Erfolg aus Vermietung legte um 7,4 Prozent zu, und Verkauf von Liegenschaften sowie der Erfolg aus Neubewertung verzeichneten sogar enorme Steigerungen um 1200 und um 800 Prozent. Mit einem NAV von 202.45 Franken notiert auch Mobimo leicht über dem Vermögen. Bei einer Dividende von 10 Franken – Rendite 4,3 Prozent – scheint der Titel aber noch nicht ausgereizt zu sein.

PSP Swiss Property  

Das Immobilienunternehmen aus Zug verzeichnete 2015 einen Rückgang im Liegenschaftsertrag um 0,8 Prozent auf 277,2 Millionen Franken, und der Verkaufserfolg bei Immobilien halbierte sich auf 4,6 Millionen Franken. Doch dafür gab es einen Schub bei der Neubewertung von 5,8 auf 33,8 Millionen Franken. Der Gewinn kletterte so von 3.82 auf 4.09 Franken je Aktie. Insgesamt notiert PSP rund 10 Prozent über dem Eigenkapital je Aktie von 84.38 Franken. Bei einer Ausschüttung von 3.30 Franken liegt die Dividendenrendite bei 3,6 Prozent.  

Steigerungen von 0,6 und 10,1 Prozent verbuchte Swiss Prime Site im vergangenen Jahr bei den Erträgen aus Vermietung und Neubewertung. Insgesamt kletterte der Betriebsertrag so um 16,7 Prozent auf 995,2 Millionen Franken. Der Gewinn je Aktie stieg dabei um 12,3 Prozent auf 5.30 Franken, und die Dividende von 3.70 Franken bringt eine Rendite von 4,4 Prozent. Bei einem NAV von 71.15 Franken notiert auch Swiss Prime derzeit etwas über dem Nettovermögen.

Unter dem Strich sind alle genannten Immobilienaktien aus Aspekten der Dividendenrendite gesehen interessant. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld könnten da noch weitere Kurssteigerungen drin sein. Lediglich Intershop scheint inzwischen wegen des hohen Aufschlags zum Buchwert doch schon etwas überteuert zu sein. Aber, wer weiss – Kurse lassen sich bekanntlich nicht vorhersagen.

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