Sie schwimmen im Eigenkapital und wissen nicht, wohin mit dem vielen Geld. Grundsätzlich ist das ein schönes Problem, oder?

Michel M. Liès: Ja, das könnte man so sehen. Der Idealzustand wäre aber ein ausgewogenes Verhältnis zwischen vorhandenem Kapital und Investitionschancen im Markt. Der Sinn unserer Industrie liegt schliesslich darin, Grossereignisse abzudecken. Weil diese aber nicht immer innerhalb eines Geschäftsjahres eintreffen, bleibt dieser Idealzustand wohl für immer ein Wunschtraum.

Sie könnten deshalb noch mehr Geld den Aktionären zurückzahlen …

Michel M. Liès: … was wir bereits machen ...

Mit dem Geschäftsbereich Corporate Solutions, mit dem grosse Endkunden angepeilt werden, konkurrieren Sie Ihre eigenen Kunden – die Erstversicherer. Da spielen Sie mit dem Feuer, wenn diese Sie als direkten Wettbewerber empfinden.

Michel M. Liès: Das beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn ein Erstversicherer eine Rückversicherungs-Tochter gründet, fragt er uns auch nicht, ob wir damit einverstanden sind. Mit Corporate Solutions fahren wir zudem eine besondere Strategie, indem wir uns zu positionieren versuchen durch Wachstum mittels Innovationen und durch grosse Zeichnungskapazitäten, die wir zur Verfügung stellen. Wir helfen damit, das Marktpotenzial auszubauen. Das sehen auch die Erstversicherer so. Die Akzeptanz für Corporate Solutions ist entsprechend hoch.

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Bedrängt werden Sie auch durch Überkapazitäten. Erstversicherer versuchen mit einer Erhöhung der Selbstbehalte, die Wachstumsschwächen teilweise wettzumachen, was zu Umsatzeinbussen bei Rückversicherern führt.

Michel M. Liès: Das merken wir im Geschäft. Das ist eben ein Teil der Volatilität im Markt. Interessant in diesem Zusammenhang wird die Ausgestaltung von Solvency II sein, welche zu einer höheren Unterlegung der Risiken mit Eigenkapital führt. Es wird spannend sein zu sehen, wie dann die Erstversicherer reagieren werden.

Bleiben wir bei Corporate Solutions. In welchen Märkten und Segmenten wollen Sie wachsen?

Michel M. Liès: Insbesondere in Schwellenländern, wo wir dank unseren Innovationen Wachstum generieren können. Das können hochwertige Industrie- und Infrastrukturanlagen in Asien, in Lateinamerika oder im Mittleren Osten sein.

Im Bereich Life and Health Re hingegen tun Sie sich nach wie vor schwer.

Michel M. Liès: Das ungünstige Umfeld mit tiefen Zinsen hat eine grosse Auswirkung, obwohl wir weniger exponiert sind als Direktversicherer mit ihren Sparprodukten. Und doch können wir uns über einen längeren Zeitraum hinweg diesem Umfeld nicht entziehen. Das müssen wir als Zyklus sehen. Ich habe in meinen mehr als 30 Jahren in der Industrie schon zwei- oder dreimal erlebt, dass der Bereich Leben rentabler war als der Bereich Nichtleben.

Was ist an den immer wieder auftauchenden Gerüchten dran, Admin Re stehe vor dem Verkauf?

Michel M. Liès: Admin Re ist ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, deshalb denken wir nicht so sehr an einen kompletten Verkauf, sondern vielmehr an die Beteiligung von Drittkapital am Geschäft. Aber auch hier denken wir in Jahren.

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Das vollständige Interview können Sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Schweizer Versicherung» lesen (www.schweizerversicherung.ch).