Im ersten Quartal 2016 hielt Swisscom den Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2015 (2,89 Mrd. CHF) stabil. Das Ebitda des SMI-Mitglieds legte leicht um 2,9 Prozent auf 1,08 Milliarden Franken zu, der Nettogewinn stieg um 3,7 Prozent auf 364 Millionen Franken – und das trotz der Abschreibungen beim Telefonkonzern. Immerhin konnte die 2007 erworbene italienische Tochtergesellschaft Fastweb den Umsatz sowohl im Privat- wie auch im Firmenkundengeschäft um 2,6 Prozent auf 440 Millionen Euro steigern und das Ebitda sogar um beeindruckende 9 Prozent auf 131 Millionen Euro ausbauen.

Der Fokus liegt bei Swisscom auf dem Schweizer Mobilkommunikationsmarkt als wichtigster Einnahmequelle. Obwohl unangefochtener Marktführer, ist die Dominanz durch den Konkurrenten Sunrise zunehmend gefährdet.

Mobilfunkmarkt ist gesättigt, …

Die Anzahl der Mobilfunkteilnehmer mit einem Swisscom-Abo ist seit 2006 zwar von 4,6 auf 6,6 Millionen gestiegen, der Marktanteil jedoch von 62,7 Prozent auf 55 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum stieg beim stärksten Mitbewerber Sunrise die Anzahl der Abonnenten von 1,3 auf 3,2 Millionen und der Marktanteil von 18,4 Prozent auf 26,9 Prozent.

Obwohl dieser Trend nicht positiv für Swisscom ist, nimmt der Schweizer Telekom-Riese eine nahezu einzigartige Stellung in Europa ein. Mit einem Marktanteil von 55 Prozent im Heimmarkt liegt das Unternehmen weit vor den anderen europäischen Marktführern wie Orange in Frankreich (39,8 Prozent), T-Mobile in Deutschland (35,7 Prozent) oder Proximus in Belgien (42 Prozent – mit einem vergleichbaren Inlandsmarkt wie in der Schweiz). Die Herausforderung für Swisscom liegt in der Sättigung des Schweizer Mobilfunkmarktes mit einer Marktdurchdringungsrate von 144,9 Prozent. Im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte Swisscom lediglich 47‘000 neue Handy-Abos (+0,7 Prozent auf das Jahr gesehen) abschliessen. Aufgrund eines neuen Angebots von Roaming-Tarifen sollte die Anzahl der Abos jedoch in die Höhe schnellen.

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… Potenzial besteht aber im Breitband-Sektor

Demgegenüber sieht die Lage im Breitband-Sektor sehr erfreulich aus. Als Marktführer stellt die Swisscom in der Schweiz fast 2 Millionen Leitungen zur Verfügung, Sunrise als schärfster Konkurrent nur 340‘000. Obwohl nahezu 50 Prozent aller Leitungen in der Schweiz Breitbandverbindungen sind, ist der Wert im europäischen Vergleich relativ gering. Hier ist meiner Meinung nach noch jede Menge Potenzial vorhanden, weil die Strategie von Swisscom auf den Bereich Breitband ausgerichtet ist. Dies verdeutlicht der Erwerb von Fastweb in Italien.

Die Quartalszahlen und die Marktsituation im Allgemeinen stimmen mich für Swisscom positiv. Aufgrund der Wachstumsfaktoren – dem Breitbandgeschäft und weiteren möglichen Akquisitionen – gehe ich von einem steigenden Aktienkurs aus. Unser Dividenden-Discount-Modell zeigt ein Kursziel von 530 Franken, was einem Potenzial von 10 Prozent zum aktuellen Kurs entspricht. Die Dividende wird in diesem Jahr voraussichtlich im Bereich von 22 Franken bleiben, was einer Rendite von über 4 Prozent gleichkommt. Bei einem Kurs von 530 Franken würde das KGV 17,6 betragen – aufgrund der starken Marktstellung im Mobilkommunikationsmarkt ist das sicherlich nicht überteuert. Unsere Empfehlung lautet deshalb auf Halten bzw. auf Zukaufen.

Laurent Bakhtiari, Market Analyst der IG Bank