So schnell kann es gehen: Vor einer Woche noch zeigte die 2015er-Kursbilanz für die Syngenta-Aktie positive Vorzeichen. Ein Plus von rund 3 Prozent war jedoch nicht rekordverdächtig. Jetzt allerdings notiert der Agrochemietitel um gut einen Viertel über dem Vorjahresultimo und führt damit das Ranking des heimischen Leitindex mit klarem Vorsprung an. Der entscheidende Impuls für die bei der Aktie des Konzerns aus Basel seit langem nicht mehr gesehene Outperformance – 2013 und 2014 hinkte Syngenta dem Markt weit hinterher – ist aus Übersee gekommen.

Branchenkrösus Monsanto legte eine 42 Milliarden Franken schwere Offerte vor. Allerdings holte sich der US-Saatgut- und Genpflanzenproduzent zunächst eine Abfuhr. Der Syngenta-Verwaltungsrat sprach von einen «unerwünschten Annäherungsversuch» und bezeichnet das Angebot von 449 Franken je Aktie als zu niedrig.

Übernahmeangebot – der optimale Nährboden für Kurssteigerungen im Sektor

Viele Investoren scheinen nicht daran zu glauben, dass damit das letzte Wort gesprochen ist. Jedenfalls hält sich der heimische Blue Chip über der 400-Franken-Marke. Experten halten sowohl ein höheres Gebot von Monsanto als auch Gegenofferten, beispielsweise vom deutschen Chemieriesen BASF, für möglich. Dementsprechend gehen die Auswirkungen des Monsanto-Angebots weit über die Nordwestschweiz hinaus. Weltweit dürfte der Sektor die weitere Entwicklung mit Argusaugen verfolgen. Eine solche Gemengelage ist der optimale Nährboden für steigende Aktienkurse im Sektor. Im Sog von Syngenta zogen die Kurse weitere Agrochemietitel schon deutlich an.

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Zunächst galt das auch und gerade für K+S. Innert zwei Tagen legte der Börsenwert des deutschen Düngemittelherstellers um 6,7 Prozent zu. Doch dann lieferte der Konzern seine Quartalsbilanz, und die Zahlen waren eigentlich recht ordentlich und lagen teilweise über den Erwartungen. K+S verbuchte von Januar bis März ein Umsatzwachstum von 16 Prozent und kam beim operativen Gewinn überproportional stark voran.

K+S profitiert von steigenden Preisen

Dabei profitierte das Unternehmen von steigenden Preisen. Das gilt sowohl für den Geschäftsbereich Auftausalze als auch für die Düngemittelsparte. Mit 313,60 Euro je Tonne lag der von K+S für ihre Kali- und Magnesiumprodukte erzielte Durchschnittspreis im ersten Quartal um knapp einen Fünftel über dem Vorjahreswert. Dennoch brach der Kurs des DAX-Mitglieds am Tag der Zahlenvorlage um knapp 6 Prozent ein. Dabei erhöhte das Management sogar die Prognose. Der Umsatz im 2015 soll nun deutlich steigen, zuvor wurde ein nur moderates Wachstum angekündigt. Angesichts der Entwicklung im ersten Quartal und des starken Kursanstiegs – im laufenden Jahr legte der Blue Chip in der Spitze um 46 Prozent zu – machten viele Anleger da offensichtlich erst einmal Kasse.

Dennoch zeigen die Resultate von K+S, dass der Düngemittelmarkt die Talsohle durchschritten hat. Vor knapp zwei Jahren war der Branchenkrösus Uralkali aus dem gemeinsam mit der Belaruskali betriebenen Kartell ausgeschert und hatte damit einen enormen Preisverfall ausgelöst. Auffällig sind jedoch die stagnierenden Absatzmengen. Hier bestätigt K+S einen Eindruck, welchen die Zwischenberichte anderer Agrochemieunternehmen bereits erweckt hatten.

Landwirte sparen zwar im Moment, der Megatrend ist aber intakt

Syngenta meldete für das erste Quartal einen Absatzrückgang von 7 Prozent. Auch Monsanto bekam die Sparsamkeit vieler Landwirte zu spüren. Im zweiten Quartal des Fiskaljahres 2015 gaben die Saatguterlöse um mehr als einen Zehntel nach. Vor allem in Nordamerika setzen die Farmer wegen der tiefen Getreidepreise den Rotstift an. Das US-Agrarministerium geht davon aus, dass die Landwirtschaft nach vier Jahren mit starken Ernten und entsprechend hohen Einahmen in der laufenden Periode mit deutlichen Einbussen rechnen muss.

Dem übergeordneten Trend des Sektors tut dies aber keinen Abbruch. Klimawandel, Urbanisierung und wachsende Weltbevölkerung erfordern eine immer intensivere Bewirtschaftung der Flächen. Das Beratungsunternehmen Mordor Intelligence geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass der globale Markt für Pflanzenschutzmittel bis 2020 ein Volumen von 81,8 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Daraus ergibt sich für das Segment gegenüber 2014 eine jährliche Wachstumsrate von durchschnittlich knapp 7 Prozent.

Erfolgreiches Agrar-Zertifikat

Eine gezielte Positionierung in Agrochemieaktien mittels strukturierter Produkte ist nicht mehr möglich. Die UBS hat gerade das einzige an der SIX kotierte Partizipationspapier gekündigt. Allerdings können Anleger einen breiteren Ansatz fahren. Vontobel hat ein Tracker-Zertifikat (ISIN CH0034358033) auf einen «Agrar Rohstoff Aktien Index» im Angebot. In der zugrunde liegenden Auswahl sind neben den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auch Agrarhandels-und-technikunternehmen sowie Fischzüchter zu finden. Zu den aktuell 16 Indexmitgliedern zählen bekannte Konzerne wie der deutsche Chemieriese Bayer oder der US-Traktorenhersteller Deere. Hinzu kommen einige Exoten, beispielsweise der Lachsspezialist Marine Harvest aus Norwegen. Die Performance des Derivates kann sich sehen lassen. Seit der Emission im Oktober 2007 legte der Tracker um knapp zwei Drittel zu. Damit hängte er weltweit den Aktienmarkt um Längen ab.

Übrigens: Syngenta und K+S sind aktuell nicht in diesem Index vertreten. Gleichwohl hat der Struki-Markt interessante Investments auf dieses Duo zu bieten. Beispielsweise reagierte die UBS mit einem neuen Discount-Zertifikat (ISIN CH0282239182) auf den Kurssprung bei Syngenta. Das Produkt zielt darauf ab, dass der SMI-Titel das erreichte Niveau verteidigen kann. Notiert die Aktie in knapp einem Jahr mindestens bei 400 Franken, fahren Anleger die Maximalrendite von 7,6 Prozent p.a. ein. Falls dieses Kalkül nicht aufgeht, kommt der Discount ins Spiel. In die roten Zahlen rutscht das Zertifikat per Verfall nur, wenn der Basiswert am Ende der Laufzeit bei weniger als 372.50 Franken, dem aktuellen Briefkurs des Derivats, notiert. Daraus ergibt sich ein Puffer von 7,6 Prozent. Interessant ist das Produkt vor allem für Anleger, die davon ausgehen, dass die Übernahmephantasie bei Syngenta noch eine Weile am Leben bleiben wird, respektive, dass der Konzern tatsächlich verkauft wird.

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… und Renditeoptimierung bei K+S

Ein aussichtsreiches Renditeoptimierungsprodukt auf K+S finden Investoren bei Julius Bär. Mit dem Barrier Reverse Convertible (ISIN CH0259984497) der Privatbank ist eine Rendite von 9,3 Prozent p.a. möglich. Voraussetzung ist, dass der DAX-Titel bis zum 19. Februar 2016 nicht auf oder unter die Barriere bei 21,64 Euro fällt. Aktuell beträgt der Risikopuffer damit rund einen Viertel.