Während sich die Konsumenten an der jüngsten Internationalen Funkausstellung (IFA) ein Bild davon machen konnten, wie die mobile Welle immer mehr über das vertraute Heim hinaus schwappt, blicken Börsianer gebannt auf die neuen Produkte, um ihr Marktpotenzial und damit Umsatz und Gewinn für das jeweilige Unternehmen abzuschätzen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Smartphones, denn sie bilden die Schaltzentrale, sei es bei einfachen mobilen Anwendungen wie beim Bezahlen per Handy oder bei komplexen Aufgaben im vernetzten Zuhause. So präsentierten an der IFA unter anderem Acer, HTC, Motorola, Microsoft, Lenovo und Branchenprimus Samsung zahlreiche Neuheiten. Für Aufsehen sorgte Samsung mit dem Galaxy Note Edge, dessen Display einseitig nach hinten gebogen wurde.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Apple mit einer Produktoffensive

In der Zeit, als sich die Kontrahenten in Berlin auf den Füssen standen, veranstaltete Apple am 9. September ihre Keynote in Kalifornien in vertraut kleinem Rahmen. Dabei gab der Kultkonzern, der mit seinem iPhone 2007 diesen Wachstumsmarkt öffnete, Einblick in seine neue Produktpipeline. Mit der neuen iPhone-Serie greift das Unternehmen den südkoreanischen Erzrivalen Samsung im Segment der grossen Displays an. Die neuesten Versionen, iPhone 6 und iPhone 6 Plus, verfügen über deutlich grössere Bildschirme. Zudem ist eine einzigartige Bezahlfunktion «Apple Pay» auf dem Smartphone vorhanden, sodass Kunden in Geschäften mit ihrem Handy statt mit einer Kreditkarte bezahlen können.

Neue Massstäbe möchte der Konzern aus Cupertino in Kalifornien auch mit seiner mit Spannung erwarteten High-Tech-Armbanduhr setzen. Mit der Apple Watch hat das Unternehmen ein Multifunktionsgerät vorgestellt, mit dem es seinem Ruf als Trendsetter im Hightech-Lifestyle-Bereich gerecht werden möchte. Die Expertenmeinungen über das Erfolgspotenzial des neuen Produkts gehen auseinander. 2015 soll die Apple-Uhr auf den Markt kommen, bis dahin entscheidet weiterhin das iPhone als Hauptumsatzträger über die Wachstumsraten im Konzern – insbesondere im bevorstehenden Weihnachtsquartal.

Nokia ist zurück

Als Handy-Pionier bekannt geworden, geht Nokia derweil ganz neue Wege. Die Finnen haben ihre Mobil-Sparte an Microsoft verkauft und haben sich damit elegant aus dem «Smartphone-Haifischbecken» zurückgezogen. Allerdings ist auch der klassische Telekomausrüsterbereich, in dem die Finnen sich nun tummeln, durch scharfen Wettbewerb gekennzeichnet. Zuletzt konnte Nokia aber überraschend gut berichten. Das zweite Quartal lief besser als erwartet. Dank Kosteneinsparungen übertrafen die Skandinavier mit einer operativen Gewinnmarge von 11 Prozent im Netzwerkgeschäft die Prognosen der Analysten. Nokia hob daraufhin sogar die Ziele für die Sparte im Gesamtjahr leicht an.

Aber nicht jede Zahl glänzte im Zwischenbericht. «Bei den Bereichen Navigation und Technologie bleiben Fragezeichen. Sie haben es nicht geschafft, etwas zum Wachstum beizutragen», urteilt Experte Jari Honko von Alandsbanken. Dennoch: Die Kursrally seit Mitte des Jahres bringt die Nokia-Aktie nun wieder zurück in den EURO STOXX 50. Am 22. September werden die Finnen wieder im Blue-Chip-Index der Eurozone vertreten sein.

Alibaba-IPO – Softbank und Yahoo profitieren

In New York steht derweil der grösste Börsengang eines Technologie-Konzerns an. Der chinesische Online-Händler Alibaba ist aktuell auf Roadshow, um für sein anstehendes IPO zu trommeln. Laut Insidern mit Erfolg. Bereits am zweiten Tag der Werbetour soll Gerüchten zufolge die Nachfrage dafür ausreichend gewesen sein, dass alle angebotenen Aktien platziert werden konnten. Insgesamt sollten 320 Millionen Anteilsscheine in einer Preisspanne zwischen 60 und 66 Dollar angeboten werden. Am oberen Ende der Spanne würde das Online-Imperium auf eine Marktkapitalisierung von insgesamt rund 163 Milliarden Dollar kommen und wäre damit das grösste chinesische Unternehmen an der Wall Street.

Das IPO katapultiert auch die Grossaktionäre Softbank und Yahoo, die mit rund 34 respektive 22 Prozent an Alibaba beteiligt sind, ins Rampenlicht an der Börse. «Beide Unternehmen könnten von Kurssteigerungen der Alibaba-Aktie nach deren Börsengang profitieren», sagt Derivate-Spezialist Manuel Dürr von Leonteq. Die Bank hat passend dazu ein Bonus-Outperformance-Zertifikat am Start. Mit dem Produkt auf Yahoo und Softbank partizipieren Anleger an Kurssteigerungen des Baskets mit dem Faktor 1,4. «Die Barriere von 80 Prozent sorgt dafür, dass der Anleger gegen leichte Kursrückgänge der Basiswerte abgesichert ist», erklärt Dürr.

Die erste Kursreaktion nach der Vorstellung der neuen Produktpalette fiel negativ aus, doch konnte sich die Apple-Aktie schnell erholen und die 100-Dollar-Marke übersteigen. Die Chancen stehen gut, dass der Konzern im vierten Quartal mit seinen neuen iPhones auf Wachstumskurs bleiben kann – und dass die Aktie ihren Aufwärtstrend fortsetzen wird.

Auch wenn sich die Finnen noch nicht ganz in alter Stärke präsentieren können, der Erholungsprozess setzt sich operativ und an der Börse fort. Auch charttechnisch hat die Aktie mit dem Ausbruch auf ein neues Drei-Jahres-Hoch ein Kaufsignal geliefert. Die Aufnahme in den EURO STOXX 50 dürfte dem Titel weiteren Auftrieb geben.

Der Grossaktionär des Amazon-Konkurrenten Alibaba ist bereits im Vorfeld des geplanten Mega-IPOs zum Spekulationsobjekt geworden. Auf Sicht von vier Wochen legte die Yahoo-Aktie um einen Fünftel zu. Angesichts der immensen Bewertung von Alibaba sollte das Kurspotenzial von Yahoo noch nicht ausgereizt sein.

Bonus-Outperformance-Zertifikat auf Softbank/Yahoo (ISIN CH0242045455 )

Leonteq hat die beiden Anteilseigner von Alibaba, Softbank und Yahoo in ein neues Bonus-Outperformance-Zertifikat gepackt. Das Produkt bietet eine überproportionale Partizipation von 140 Prozent auf der Oberseite, einen Risikopuffer von einem Fünftel sowie einen Währungsschutz.