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Tech-Aktien im Höhenflug – was bei IT-Papieren drin ist

Logitech: Der Anbieter von Computerzubehör erhöht die Prognosen. Keystone

IT-Aktien sind nicht zu bremsen. Die Kurse des Sektors haben sich vervielfacht. Trotzdem sind Techs vergleichsweise günstig. Wegen starker Wachstumszahlen sind noch höhere Kurse gerechtfertigt.

Von Georg Pröbstl
am 29.01.2015

Die Aktie scheint unverwüstlich zu sein. Während sich der breite Schweizer Aktienmarkt mit dem SMI vom Aus beim Euro-Mindestkurs nur geringfügig erholt hat, notiert Logitech schon wieder da, von wo aus die Talfahrt vor zwei Wochen losgegangen ist. Einen Schub hat die Aktie des Zulieferers der Computerindustrie vor einer Woche bekommen. Ungeachtet negativer Wechselkurseffekte hat das Management des Tech-Konzerns aus Lausanne seine Prognose für 2015 angehoben. Der Gewinn soll in diesem Jahr nicht mehr bei 170 Millionen Dollar liegen, sondern auf rund 185 Millionen Dollar steigen. Die Meldung hat den Kurs des SPI-Mitglieds an einem Tag um 10 Prozent nach oben gezogen.

Logitech ist nicht das einzige Technologieunternehmen, bei dem die Geschäfte rund laufen und die Kurse steigen. So sind die Kurse im US-Technologieindex Nasdaq 100 seit sechs Jahren in einem steilen Aufwärtstrend und haben sich seit Anfang 2009 schon vervierfacht. Besonders ungewöhnlich für Tech-Aktien: Die Kursschwankungen als Mass für das Risiko der 100 grössten US-Techwerte sind mit einer Volatilität von 18,9 Prozent kaum höher als bei den grossen US-Standardwerten im Dow Jones. Die Volatilität liegt dort nämlich mit 15,8 Prozent auch kaum tiefer. Das Kursplus der Blue Chips ist seit 2009 dennoch mit 150 Prozent weit niedriger als bei den Tech-Titeln des Nasdaq Index.

Tech-Aktien sind vergleichsweise günstig bewertet

Operativ kann auf jeden Fall davon ausgegangen werden, dass der Höhenflug der Techs auch 2015 weitergehen wird. Und zwar weltweit. «Die Unternehmen im MSCI-World-IT-Index rechnen in diesem Jahr mit einem Gewinnwachstum von 23 Prozent. Im breiten Markt hingegen werden wohl über alle Sektoren hinweg die Ergebnisse nur um 10 Prozent zulegen», sagt Anders Tandberg-Johansen, Fondsmanager und Technologieexperte bei DNB Asset Management. Zwar hat sich weltweit der MSCI-Index der Techs seit 2009 ebenfalls in etwa verdreifacht, doch die Bewertung scheint aktuell trotz der Kursgewinne noch vertretbar zu sein.

«Für 2015 liegt die KGV-Schätzung für den MSCI-World-IT-Index nur bei 16,5. Für den wachstumsschwächeren MSCI World Index liegt die Bewertung mit einem KGV von 15,7 fast genauso hoch», berichtet Fondsmanager Tandberg-Johansen. Die Techs sind damit vergleichsweise günstig zu haben, und bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 23 Prozent in diesem Jahr scheinen weitere Kurssteigerungen im Index gerechtfertigt zu sein.

Grosse Wachstumsthemen

Dabei gibt es im Sektor eine Reihe grosser Wachstumsthemen. «Es ist damit zu rechnen, dass die Investitionen in traditionelle und Cloud-basierte Rechenzentren steigen werden, IT-Sicherheit ist ein Thema und der Kampf der grossen Online-Konzerne wie Google um den TV-Bildschirm. Auch das Internet der Dinge wird wohl den Sektor antreiben», vermutet der Tech-Experte von DNB Asset Management.

Dass sich der Techsektor rasant weiterentwickelt, zeigen aktuell verschiedene Innovationen, Neuheiten und Pläne wie etwa die vor einer Woche vorgestellte 3D-Datenbrille von Microsoft, die Apple Watch oder der Einstieg von Google in die globale Internetversorgung via Satellit. Schon in etwa 12 bis 15 Jahren will der Suchmaschinenbetreiber über 4000 Satelliten und 100'000 Ballone das Internet auch in die entlegensten Winkel der Erde bringen. Das ist ein gewaltiges Investitionsprogramm – auch für die Tech-Branche allgemein – im Volumen von rund 10 Milliarden Dollar.

Techs für mittelfristig orientierte Anleger

Oracle

Stark läuft derzeit Oracle. Nach jahrelangem Höhenflug markierte die Aktie des Softwarekonzerns Ende Dezember ein 15-Jahreshoch von nur knapp unter dem Rekordniveau aus dem Jahr 2000. Beflügelt wurde die Notierung zuletzt von den Erfolgen im Cloud-Geschäft. So kletterten die Umsätze in diesem Segment im abgelaufenen Quartal um rund 45 Prozent.  

Expedia

Online-Geschäfte sind nicht aufzuhalten. Das gilt auch in der Reisebranche. Als Online-Reisebüro war Expedia bisher stark auf Flugtickets fokussiert. Jetzt will das Unternehmen den Markt auch bei Hotelbuchungen aufmischen. Das Segment wächst stark. Die UBS rechnet damit, dass der Anteil der Online-Buchungen von Hotels Ende 2015 bei rund 40 Prozent liegen wird.

Microsoft

Das ist bemerkenswert: Als Softwarekonzern mit eigenem Betriebssystem und eigener Software wie Word und Excel lesen Investoren auf der Homepage von Microsoft den Geschäftsbericht nicht im PDF-Format – das Programm ist zwar kostenlos, stammt aber vom Konkurrenten Adobe Systems –, sondern via Word! Dabei ist der Tech-Gigant seit vielen Jahren eine reine Gelddruck-Maschine. Die Umsätze steigen meist mit jährlichen Raten zwischen 5 und 10 Prozent. Auch wenn es im letzten Quartal wegen des Konzernumbaus mit neuen Wachstumsfeldern wie Cloud, Smartphones und Tablets sowie einem Sparprogramm einen Gewinnrückgang um 10,7 Prozent gegeben hat – die Gewinne werden wohl weiterhin wie seit langem konstant im Bereich von 20 Milliarden Dollar liegen. Und der Umsatz ist auch im abgelaufenen Dreimonatszeitraum gestiegen: Es hat ein Plus von rund 8 Prozent gegeben. Im Bereich von 40 Dollar hat die Aktie eine starke Unterstützung. Anleger spekulieren auf den Rebound.

Logitech

Wenn die Aktie schon in einem schwachen Börsenumfeld steigt, ist bei freundlicher SMI-Stimmung mit noch grösseren Sprüngen zu rechnen. Der Titel hat im Bereich von 14.50 Franken einen starken Widerstand. Fällt die Marke, könnte das starke Dynamik in den Bereich von 17.50 oder gar 20 Franken bringen.

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