Jahrelang siechte der europäische Telekom-Sektor vor sich hin. Nun aber sendet die Branche ein Lebenszeichen. Allein im laufenden Jahr legte der EURO-STOXX-Telecommunications-Index um 8 Prozent zu und zählt damit zu den stärksten Sektoren. Schwung in die Branche bringt eine Konsolidierungswelle. Da in der gesättigten Branche Wachstum aus eigener Kraft nur noch schwer möglich ist, versuchen die Konzerne mit Übernahmen ihr Glück.

Angestossen hat diesen Prozess mitunter Vodafone, die sich im vergangenen Jahr unter anderem Kabel Deutschland geschnappt hatte. Heiss zu und her ging es zuletzt auch in Frankreich. Hier lieferten sich Bouygues und Numericable einen Bieterwettkampf um den zweitgrössten Mobilfunker des Landes. 

Telekom Austria – Carlos Slim steigt ein

Ebenso machte der mexikanische Milliardär Carlos Slim jüngst Ernst und griff nach einem gescheiterten Übernahmeversuch der niederländischen KPN nun bei Telekom Austria zu. Sein Konzern America Movil führte seine Anteile (26,8 Prozent) mit denen des bisherigen Grossaktionärs, der staatlichen ÖIAG (28,4 Prozent), zusammen. Slim möchte aber noch mehr und legte den übrigen Telekom-Austria-Eigentümern Ende April ein Angebot von 7,15 Euro je Aktie vor. Dieses lag 7,5 Prozent über dem letzten Kurs vor Bekanntgabe des Deals. Aktuell notiert die Aktie leicht unter dem Gebotspreis.

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Bei der Konsolidierung der «angestaubten» Branche sorgt auch die Deutsche Telekom für Schlagzeilen. Da die US-Tochter T-Mobile US alleine auf dem hart umkämpften Markt nicht bestehen kann, suchen die Deutschen seit Längerem einen Fusionspartner. Dieser scheint gefunden worden zu sein. Spekulationen zufolge legt Sprint, der drittgrösste US-Mobilfunkkonzern in Übersee, im Juni oder Juli ein Angebot auf den Tisch. Mindestens fünf Banken sollen bereits an Finanzierungsplänen arbeiten.

Inzwischen haben die beiden Unternehmen ihre operative Stärke unter Beweis gestellt. Die Telekom-Tochter steigerte ihren Umsatz im abgelaufenen Quartal überraschend stark um 47 Prozent. Auch Sprint konnte die Erwartungen übertreffen und hob zusätzlich seine Jahresprognose an. Die Zahlen der Deutschen Telekom fielen derweil nicht so positiv aus. Das «Aufhübschen» der US-Tochter hat viel Geld gekostet und das operative Ergebnis des Konzerns von Januar bis Ende März um 4 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gedrückt. 

Vodafone mischt den Markt auf

Konkurrenz auf dem deutschen Markt bekommen die Bonner von Vodafone. Nach der umgerechnet zwölf Milliarden Franken teuren Übernahme von Kabel Deutschland hat sich der Konzern Wachstum auf die Fahnen geschrieben. «Wir wollen den deutschen Markt aufmischen», sagte kürzlich Jens Schulte-Bockum, Chef von Vodafone Deutschland. Nachdem das Unternehmen in vergangenen Jahren im Festnetz viele Kunden verloren hat, erwartet es in diesem Jahr wieder ein «signifikantes Nettowachstum». Dabei kommen dem Konzern das schnelle Glasfasernetz von Kabel Deutschland sowie verbesserte Vertriebsmöglichkeiten entgegen. Aber nicht nur in Europa breitet sich Vodafone aus, zuletzt haben die Briten auch ihre indische Tochter komplett übernommen, um von dem starken Wachstumsmarkt noch mehr zu profitieren.

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Swisscom – Wachstum mit Mobilfunk und TV

In einer guten Form präsentiert sich weiterhin Swisscom. Wie bereits bei den Zahlen zu 2013 hat der heimische Telekomkonzern auch im ersten Quartal 2014 besser abgeschnitten als von Analysten erwartet worden war. Insbesondere das Umsatzplus um 3,2 Prozent auf 2,8 Milliarden Franken lag über den durchschnittlichen Prognosen. Der operative Gewinn (Ebitda) legte um 2,9 Prozent auf 1,1 Milliarden Franken zu und traf die Erwartungen. Neue Mobilfunktarife und TV-Angebote schoben die Geschäfte an. An der Gesamtjahresprognose halten die Berner fest, und  sie rechnen mit einer leichten Steigerung des Ebitda auf 4,4 Milliarden Franken nach 4,3 Milliarden Franken im Vorjahr. Sollte es aber im Tempo des Auftaktquartals weitergehen, könnte sogar eine Prognoseanhebung drin sein.

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Telekoms für Börsianer

Die österreichische Telekom-Aktie profitiert derzeit von einem Übernahmeangebot in der Höhe von 7,15 Euro. Operativ verbuchte der Konzern zu Jahresbeginn aber deutliche Umsatz- und Gewinnrückgänge.

Die Aktie ist vor wenigen Wochen von der unteren Begrenzung ihres Seitwärtstrends nach oben abgeprallt. Möglicherweise klappt nun der Sprung aus der Trading-Range. Unterstützung kommt von Spekulationen über den Verkauf der Mobilfunk-Tochter in den USA.

Die Valoren des heimischen Telekomkonzerns befinden sich seit Mitte des vergangenen Jahres in einem stetigen Aufwärtstrend. Nach der jüngsten Korrektur besteht die Chance auf einen Rebound von der Unterstützung um 510 Franken.

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Die Briten mischen derzeit mit ihrer Expansionsstrategie den Telekommarkt auf. Der Aufwärtstrend der Aktie kam zuletzt ins Stocken. Grund mag die vergleichsweise hohe Bewertung mit 26er-KGV sein. Der Sprung über die 225 GBp könnte aber einen schnellen Schub bis 240 GBp auslösen.

Mit dem ETF der Commerzbank können sich Anleger den europäischen Telekom-Markt mit nur einer Transaktion ins Depot holen. Die jährliche Gebühr liegt bei 0,25 Prozent, Dividenden werden angerechnet. Der Index notiert knapp unter dem höchsten Stand seit 2001 und am Widerstand bei 657 Punkten. Fällt die Hürde, könnte das neue Dynamik bringen.