Telekomaktien in Europa laufen gut. In den zwei letzten Jahren liessen sie den breiten Markt weit hinter sich zurück. Während der EURO STOXX Telecom Performance Index in 24 Monaten ein Plus von 70 Prozent bringt, sind es im EURO STOXX 50 nur 30 Prozent. In der Vorwoche knabberten die Telekom-Kurse sogar am höchsten Stand seit Anfang 2001. Vielleicht schaffen es die Aktien im Index jetzt sogar, aus dem Seitwärtstrend seit Anfang März nach oben auszubrechen und wieder in einen Aufwärtstrend einzuschwenken. Für technisch orientierte Anleger wäre dies ein gutes Signal, und auch fundamental orientierte Investoren würden auf ihre Kosten kommen.

Operativ läuft es in der Branche so gut, wie seit langem nicht mehr. Das wiederum hat auch mit dem Konsolidierungsprozess zu tun, in dem sich der Sektor befindet. Ein wichtiger Fingerzeig in dieser Hinsicht war der Anfang 2014 verkündete Verkauf der vom britischen Telekomkonzern Vodafone am US-Mobilfunkbetreiber Verizon Wireless gehaltenen Anteile für 130 Milliarden Dollar.

Rückenwind durch Konsolidierung

Seither zeigt sich auf jeden Fall der Sektor im Vergleich zum Gesamtmarkt in einer starken Verfassung. Sollte sich der Konsolidierungsprozess fortsetzen, ist auch weiterhin mit einer Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt zu rechnen. Dadurch lassen sich Synergien freisetzen, und bei weniger Anbietern nimmt auch der Wettbewerbsdruck ab. In Deutschland lässt sich das an der Zusammenlegung der UMTS-Netze der Marken O2 und E-Plus festmachen, die stattgefunden hat, nachdem O2-Mutter Telefónica E-Plus übernommen hat.

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Positiv zu werten, ist auch der zuletzt gesunkene Regulierungsdruck. Selbst aus dem gemeinsamen EU-Markt im Mobilfunk scheint es nun doch nichts zu werden, zumindest nicht so schnell, wie bisher geplant gewesen war. So wie es aktuell aussieht, werden die Roaming-Gebühren für Telefonate und für die Nutzung des mobilen Internets im Ausland nach entsprechender Lobbyarbeit der Telekomkonzerne vorerst nicht fallen.

Milliardengeschäft mobile Daten

Grosse Hoffnungen ruhen auch auf steigenden Einnahmen durch die zunehmende Nutzung mobiler Daten. Dem Ericsson Mobility Report zufolge werden weltweit die Mobilfunkanschlüsse im Zeitraum 2015 bis 2020 um 2,3 Milliarden steigen. Weltweit besteht die Erwartung, dass das mobile Datenvolumen dabei, vor allem bedingt durch das stark wachsende Videostreaming (+45 Prozent p.a.), um 40 Prozent p.a. zulegen wird. Nicht zuletzt deshalb ist es den europäischen Branchenvertretern im vierten Quartal 2014 endlich wieder gelungen, mit plus 0,6 Prozent auch ein organisches Umsatzwachstum zu verbuchen.

Ein Kaufargument für den Sektor sind im vorherrschenden Niedrigzinsumfeld auch die Dividenden. So beziffert J.P. Morgan die Dividendenrendite von 15 grossen europäischen Telekomkonzernen auf im Durchschnitt 5,3 Prozent für 2015 und sogar auf 5,6 Prozent für 2016. Die Rendite ist damit zwar immer noch sehr attraktiv, aber die Bewertung des Sektors ist nach den Kurssteigerungen der letzten Jahre erhöht. Von Nomura wird das Branchen-KGV auf Basis Unternehmenswert (EV) zu Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) in Europa mit 8,3 angegeben. 2013 lag diese Kennziffer mit 5,1 noch weit tiefer.

Auch wegen dem erreichten anspruchsvollen Bewertungsniveau macht es Sinn, sich auf der Suche nach Kaufkandidaten auf Titel zu fokussieren, deren Bewertung nicht über dem Branchendurchschnitt liegt, die eine lukrative Dividendenrendite bieten und die charttechnisch in der Form eines intakten Aufwärtstrends überzeugen können.

Deutsche Telekom und BT Group sind im Aufwind …  

Einer der fünf Titel, welche diese Qualifikation zeigen, ist die Deutsche Telekom (ISIN: DE0005557508). Nomura beziffert das EV/Ebitda auf 7,2 und 7,0 für dieses und für das kommende Jahr, und die Dividendenrendite beträgt für diese beiden Jahre 3,1 Prozent und 3,2 Prozent. Gestützt auf die gute Netzqualität und ein boomendes US-Geschäft wurden zuletzt überzeugende Ergebnisse geliefert. Zudem sind die Börsianer zufrieden mit geschickten Beteiligungsverkäufen und eingefädelten Partnerschaften. Zum Lohn ist der Aktienkurs seit Mitte 2013 so stark am Stück gestiegen wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. 

Zufriedener als früher sind die Aktionäre auch mit der BT Group (ISIN: GB0030913577) und damit mit einem weiteren ehemaligen Staatskonzern. Das Unternehmen ist global aufgestellt, und auch dank Kostensenkungen waren die Ergebnisse zuletzt besser als erwartet. Grund dafür waren auch die Sportkanäle, die ab diesem Sommer von neuen Fussballübertragungsrechten profitieren dürften. Nach der jüngsten Dividendenerhöhung schätzt Nomura die Rendite für 2015 und 2016 auf 3,0 und 3,3 Prozent. Das EV/Ebitda wird zudem mit 7,5 und 7,3 angegeben. Charttechnisch bewegt sich der Titel seit 2009 in einem soliden Aufwärtstrend.

… und bei Bouygues gibt es Verkaufsgerüchte, bei TeliaSonera eine hohe Dividende

Erst seit Ende 2012 und auch nur unter Schwankungen geht es hingegen mit dem Kurs von Bouygues (ISIN: FR0000120503) nach oben. Doch letztlich hat sich auch hier ein Aufwärtstrend herausgebildet. Zu beachten ist allerdings, dass der französische Konzern nebst in der Telekommunikation auch in den Bereichen Bau und Medien aktiv ist. Im Fokus steht derzeit aber das Telekomgeschäft, weil über einen Verkauf oder einen Zusammenschluss mit einem Wettbewerber spekuliert wird. Eine Vollzugsmeldung könnte den Kurs beflügeln. Das EV/Ebitda gibt Nomura für dieses und für das kommende Jahr mit 5,4 und 5,1 an und die Dividendenrendite mit jeweils 4,2 Prozent.

Wer es vor allem auf eine besonders hohe und stabile Dividendenrendite abgesehen hat, der wird bei TeliaSonera (ISIN: SE0000667925) fündig. Denn auf Basis der aktuellen Schätzungen winkt eine Rendite von 5,9 Prozent. Allerdings fehlt es den Schweden etwas an Wachstumsdynamik, und deshalb ist hier bei der Aktie eher mit einem Seitwärtstrend als mit einem dynamischen Aufwärtstrend zu rechnen. Gleichzeitig sollte der Kurs aber gestützt werden von der zukunftsträchtigen Positionierung im schnell wachsenden Eurasien-Segment. Das EV/Ebitda bewegt sich bei TeliaSonera laut Nomura für 2015 und 2016 bei 7,5 sowie 7,2 und damit ebenfalls klar unter dem Branchendurchschnitt.

Telenor bietet Wachstumsphantasie

Beim norwegischen Telekomkonzern Telenor (ISIN: NO0010063308) mussten wir zur Aufnahme in die Favoritenliste beim EV/Ebitda ein Auge zudrücken, denn für 2015 liegt es mit 8,5 über dem Branchendurchschnitt. Dank einer erwarteten, deutlichen Ergebnisverbesserung sollte dieser Wert für 2016 aber auf 8,0 sinken und damit fast auf den erwarteten Branchenschnitt. Überzeugen kann dieser Titel aber mit einer Dividendenrendite von geschätzten 4,3 und 4,8 Prozent und einem in den vergangenen Jahren wirklich überzeugenden Chartbild. Phantasie birgt diese Gesellschaft dank der Aktivitäten in Ländern mit Nachholbedarf wie Indien, Myanmar oder Pakistan.