Die Telekomindustrie steht heute vor den Herausforderungen eines neuen digitalen Zeitalters, welches ältere Semester wie ich oft als Bedrohung, die Jüngeren unter uns als Segen wahrnehmen. Die Mobilität, verbunden mit dem Wunsch der dauernden Erreichbarkeit, ist zum Lebensstil einer ganzen Generation geworden. Die Nutzung von Smartphones, Tablets oder die Kommunikation über Social Media ist nicht mehr wegzudenken.

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Dies übt einen grossen Druck auf traditionelle Dienstleistungen der Branche aus. Diese kämpft deshalb seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen. Kaum haben wir uns mit dem Handy vertraut gemacht, geht der Trend schon wieder weg von den rein «Voice- und SMS»-basierten Angeboten hin zu «datenbasierten» Produkten. Damit werden die eindeutigen Grenzen zwischen den klassischen Produkten wie Festnetz, Mobilfunk und Internet verwischt. Das Markenzeichen der Telekomindustrie – die Mobilfunkdienstleistung – wird künftig zu einem Nebenprodukt werden, vom Festnetz ganz zu schweigen.

Höhere Anforderungen der Kunden

Mit den datenbasierten Diensten steigen die Anforderungen der Kunden – Private und Unternehmen – an das Produktangebot. Gefordert ist jetzt «content», beispielsweise Unterhaltungsdienste im Bereich Musik oder Sport. Der Transport dieser Daten erfordert grössere und stabilere Netzwerke. Deren Qualität und Kapazität wird somit zu einem essenziellen Wettbewerbsvorteil in der Branche.

Andererseits ermöglichen diese Netzwerke neue (Cloud-)Lösungen für Unternehmen. In dieser Hinsicht steigt die Attraktivität von etablierten Telekomunternehmen, die traditionell über eigene Netzwerke verfügen und nun daran sind, diese aufzurüsten.

Investitionen sind bald abgeschlossen, Dividenden können steigen

Die grossen Investitionen belasten in einer ersten Phase die Unternehmen. Bis 2016 wird aber wahrscheinlich der grösste Teil der Netzwerke modernisiert sein, weshalb die Investitionen der Telekomunternehmen deutlich zurückgehen werden. Dann können wieder höhere Cashflows generiert und steigende Dividenden ausgeschüttet werden. Investoren sollten sich rechtzeitig positionieren.

Ich favorisiere etablierte Telekomunternehmen, die innerhalb der nächsten 18 Monate das eigene Investitionsprogramm grösstenteils abschliessen werden, die die eigene operative Leistung nachhaltig verbessern können und die attraktiv bewertet sind. Meine Favoriten sind: Orange mit ihrer klaren Unternehmensstrategie und Telecom Italia, die von der Konsolidierung in Brasilien und von der Umstrukturierung des Geschäftsmodells im Heimatmarkt Italien profitiert. Beide Unternehmen genügen den Kriterien der Notenstein-Nachhaltigkeitsanalyse.

Andreas Knörzer, Leiter Asset Management bei der Notenstein Privatbank