Im «Land des Lächelns» haben Börsianer nach einigen Kursturbulenzen wieder Grund zum Lachen, denn seit Anfang 2014 hat der SET-Index bereits um mehr als 20 Prozent zugelegt. Damit befindet sich der Markt wieder in einem Bullenmarkt, wovon laut Definition bei einem Anstieg von mehr als 20 Prozent die Rede ist.

Zuvor hatte der Index gegenüber dem Langzeithoch vom 21. Mai 2013 von 1643,43 Punkten bis Dezember mehr als 25 Prozent an Wert verloren. Das Vorjahreshoch ist somit ebenso wenig erreicht wie das noch aus dem Jahr 1994 stammende Rekordhoch.

Seit 1932: Zahllose Militärregierungen 

Für aussenstehende Beobachter kommt die jüngste Kursentwicklung etwas überraschend. Schliesslich sind die Kurse seit dem 22. Mai gestiegen, also seit dem Tag, an dem das Militär das Ruder übernommen hat, und der thailändische Aktienmarkt hat seither auch besser abgeschnitten als andere regionale Börsen. Was in anderen Ländern furchteinflössend wäre, gehört in Thailand fast zum Alltag.

Seit 1932 hat sich diese politische Machtkonstellation schon zwölf Mal eingestellt, und verglichen mit dem Zustand in den sechs Monaten zuvor wird die aktuelle Lage in Thailand oft sogar als vorteilhaft empfunden. Zuvor war das Land politisch gelähmt, Strassenproteste waren an der Tagesordnung, und noch im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 0,6 Prozent. «Ein positives Resultat des Militärputsches ist die Aufhebung der politischen Lähmung, unter der das Land seit dem Vorjahr gelitten hat», sagt ANZ-Devisenstratege Khoon Goh.

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Militärregierung legt Konjunkturprogramme auf

Die EU-Aussenminister haben gut einen Monat nach dem Militärputsch trotzdem Sanktionen gegen das asiatische Königreich beschlossen und gleichzeitig ihre Besorgnis über die innenpolitische Entwicklung zum Ausdruck gebracht. Aber obwohl die Ausfuhren nach Europa gut einen Zehntel aller thailändischen Exporte ausmachen, hat sich das Konsumentenvertrauen zuletzt vom tiefsten Stand seit Oktober 2001 gelöst. Möglich wurde das durch die ersten vom Militär ergriffenen Massnahmen, die auf eine Wiederbelebung der Konjunktur fokussiert sind. Dazu zählen unter anderem ein Infrastrukturprogramm und die Begleichung der ausstehenden Zahlungsverpflichtungen gegenüber den heimischen Reisbauern.

Greifen diese Massnahmen, halten Volkswirte in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von bis zu 2,5 Prozent für möglich. Macht die Politik nicht wieder einen Strich durch die Rechnung, könnte die Wirtschaft mittel- bis langfristig sogar wieder dynamischer wachsen.

Handelsbeziehungen zu Nachbarstaaten im Fokus

Die Zahl der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter hat in diesem Land mit seinen 65 Millionen Einwohnern zwar bereits ihren Zenit überschritten, aber es gibt etliche Stellschrauben, die Schwung bringen könnten. Das gilt beispielsweise für einen Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit den stark wachsenden Nachbarländern Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam. Die Exporte in diese Staaten dürften laut J.P. Morgan schon jetzt höher sein als jene in die EU.

Franklin-Templeton-Fondsmanager Mark Mobius lobt zudem den ausgesprochen wettbewerbsfähigen Unternehmenssektor. Viele thailändische Unternehmen hätten politische Unruhen in der Vergangenheit wiederholt bewältigt und sich trotzdem gut entwickelt, was von der Stärke und Widerstandskraft der thailändischen Bevölkerung zeuge.

Spannung im Chart – der Sprung über den Widerstand könnte bevorstehen

Neben dem Aktienmarkt haben auch der lokale Anleihen- und Devisenmarkt die Rückkehr zur Normalität vollzogen. Der Wechselkurs der Landeswährung Baht hat sich wieder erholt, und die Risikoaufschläge für fünfjährige Credit Default Swaps notieren wieder auf den Niveaus vor dem Ausbruch der Massenproteste. Die Kurse am Aktienmarkt sind übrigens gestiegen, obwohl ausländische Investoren seit dem Militärcoup Kapital abgezogen haben.

Charttechnisch gesehen konnte der SET den mittelfristigen Aufwärtstrend behaupten und notiert nun am wichtigen Widerstand um 1500 Punkte. Anleger setzen mit einem Index-Zertifikat  (ISIN: CH0017760403, Laufzeit endlos, nicht währungsgesichert) auf den Sprung des Index über die Hürde. Allerdings ist die Bewertung des SET mit einem KGV von rund 14 auf der Basis der geschätzten Gewinne für die kommenden zwölf Monate nicht mehr aussergewöhnlich günstig und damit 15 Prozent höher bewertet als der MSCI Emerging Markets Index im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.