Der Trend ist eindeutig: Nach Angaben des US-Detailhandelsverbandes National Retail Federation NRF sind die Handelsumsätze in den Geschäften und im Online-Handel in den USA im November und Dezember seit 2002 in jedem Jahr mit Ausnahme von 2002 und 2009 gestiegen. In den letzten zehn Jahren hat es dabei ein Wachstum von durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr gegeben. 2013 kletterten die Detailhandelsumsätze in diesem Zeitraum um 2,7 Prozent, 2014 hat es ein Wachstum von 4,1 Prozent gegeben.

In diesem Jahr ist mit weiteren Steigerungen zu rechnen, denn die Konsumenten kaufen fleissig ein. Zwar ist es im dritten Quartal  zu einem Wachstumsdämpfer für die US-Konjunktur gekommen – nach einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts zwischen April und Juni um 3,9 Prozent, hat es zwischen Juli und September nur ein Plus von 1,5 Prozent gegeben –, doch die privaten Haushalte zeigten sich von diesen Schwächetendenzen nicht beeindruckt. Der private Konsum ist in den drei genannten Monaten um 3,2 Prozent gestiegen. Immerhin hat der Arbeitsmarkt nach Einschätzung der US-Notenbank inzwischen ein Vollbeschäftigungsniveau erreicht, und die nachhaltig niedrigen Zinsen verführen viele Haushalte dazu, Waren und Güter «auf Pump» zu kaufen.

Detailhandel – November und Dezember versprechen Wachstum

Auf jeden Fall erwartet der Detailhandelsverband NRF in diesem Jahr für die zwei Schlussmonate mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft und den Thanksgiving-Feiertagen ein Plus von 3,7 Prozent, das zu einem Umsatz von 630,5 Milliarden Dollar führen wird. Der Online-Handel soll sogar mit 6 bis 8 Prozent wachsen und dürfte damit langsam in den Bereich der 50-Prozent-Anteilsschwelle am gesamten Detailhandel kommen. 2014 waren es 41,9 Prozent. Der Arbeitsmarkt profitiert davon ebenfalls. Wie der NRF schätzt, sollen die Detailhändler in dieser Zweimonatseinkaufsperiode 700'000 bis 750'000 Saisonkräfte einstellen. 2014 waren es 714'000.

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Das Thanksgiving-Wochenende ist auf jeden Fall ein wichtiger Lackmustest für diese Prognosen. Es wird mit dem Erntedank-Tag am vierten Donnerstag im November – in diesem Jahr ist das der 26. November – eingeläutet. In der Nacht zum Freitag locken viele Geschäfte Kunden mit hohen Rabatten zum Einkaufsbummel am Black Friday, dem Tag nach dem Erntedank-Tag. So sind schon jetzt bei vielen Detailhändlern wie Wal Mart oder Best Buy, etwa im Internet, Werbeaktionen mit Hinweis auf Rabatte am Black Friday zu finden.

Starker Detailhandel, starke Börse

Da der Umsatzanteil dieses Erntedank-Wochenendes am gesamten November- und Dezembergeschäft in den USA bei knapp 10 Prozent liegt, ist dieser Einkaufstrubel Ende des Monats natürlich ein wichtiger Stimmungsindikator für das gesamte Weihnachtsgeschäft und damit auch für die US-Konjunktur.  

Und damit wird es auch für Anleger spannend. Denn geben die Menschen an Thanksgiving viel aus, dürfte das die Konjunktur in den Staaten beflügeln. So wundert es auch nicht, dass sich zwischen den Thanksgiving-Detailhandelsumsätzen und dem Kursverlauf im Dow Jones auffallende Parallelen finden lassen. Die Umsätze im Detailhandel zum Erntedank-Tag sind in den fünf Jahren zwischen 2010 bis 2014 um 4 bis 16 Prozent gestiegen, im gleichen Zeitraum zwischen Dezember und März hat es Kurssteigerungen im Dow Jones von 6 bis 12 Prozent gegeben. Lediglich im 2014 brachte der Index nur ein kleines Plus von rund 1,0 Prozent.

Tiffany – regelmässig Jahresendgewinne

Anleger, die entsprechend der NRL-Prognose auf ein starkes Thanksgiving- und Weihnachtsgeschäft in den USA, verbunden mit Kurssteigerungen im Dow Jones, setzen wollen, greifen zum Hebelpapier auf den Index (CH0223823748, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 15'358 Punkte). Aber auch Einzelwerte sind interessant. 

Zu nennen ist hier beispielsweise Tiffany. Die Aktie des Schmuckkonzerns aus New York konnte in drei der letzten fünf Jahre in der Zeit zwischen Mitte November bis Weihnachten oder bis zum Jahresende teilweise um 15 oder gar 20 Prozent zulegen. Zudem notiert der Titel an der unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends aus 2009. Von dieser Begrenzung konnte die Aktie seither schon zweimal – 2012 und 2013 – nach oben abheben.  

Estée Lauder – der Sprung über die gleitenden Durchschnittslinien ist geglückt

Kursgewinne in vier der letzten fünf Jahre von etwa 5 bis 10 Prozent in den letzten sechs Jahreswochen brachte auch Estée Lauder. Die Aktie des Drogerie- und Kosmetikunternehmens konnte übrigens vor wenigen Tagen auch die wichtigen 100- und 200-Tages-Linien überspringen.

Avon-Katastrophenchart – risikofreudige Anleger steigen dennoch ein

Ein meist starkes Weihnachtsgeschäft hat in der Regel mit Avon ein weiterer Kosmetikkonzern. Allerdings laufen die Geschäfte der weltweit rund sechs Millionen Avon-Beraterinnen in Zeiten des Internet-Handels nicht mehr rund, und das Unternehmen verzeichnet fallende Umsätze. In den ersten neun Monaten fielen die Erlöse des New Yorker Traditionshauses um 18,2 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar, und es gab einen Verlust von 813,7 Millionen Dollar, entsprechend 1,84 Dollar je Aktie. Allerdings: Die Rückgänge waren zum grössten Teil Folge des starken Dollars. Beispielsweise hat es im dritten Quartal ein Umsatzminus von 20,8 Prozent gegeben, was zu konstanten Wechselkursen nur noch ein kleines Minus von 2 Prozent bedeutet hat. Insbesondere Lateinamerika brachte währungsbedingt heftige Einbrüche: Das Umsatzminus der Region lag bei 26 Prozent, zu konstanten Wechselkursen aber nur bei einem Prozent.

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Die Avon-Aktie ist in einem katastrophalen Abwärtstrend. Zwar sitzt das Unternehmen auf einem Cash-Berg von 587,4 Millionen Dollar – entsprechend 1,35 Dollar je Aktie – und lockt mit einer hohen Dividende von zuletzt auf Quartalsbasis 0,06 Dollar je Aktie – annualisiert 0,24 Dollar entsprechend einer Dividendenrendite von 7,8 Prozent –, doch viele Anleger fragen sich, wann die liquiden Mittel verbrannt sein werden und die Dividende gekürzt werden wird. Dennoch ist Avon jetzt für spekulativ und technisch orientierte Anleger eine heisse Wette: Der Titel notiert knapp über der unteren Begrenzungslinie des Abwärtstrends und konnte von dort in den letzten 24 Monaten innert weniger Wochen schon wiederholt nach oben drehen und dann schnell um 20 Prozent und mehr zulegen.