Wer sich im letzten Jahr ein Weihnachtspräsent in der Form von Aktien gegönnt hat, beschenkte sich mit einer Anlageklasse, die 2014 fast durchwegs Freude bereitete. Schweizer Anleger konnten beispielsweise mit einem Investment in den MSCI World eine Rendite von +10 Prozent  verzeichnen. Falls die Anlage in Schweizer Franken erfolgt ist, war die Rendite sogar noch um ein paar Prozentpunkte höher. Wer sich aber ausschliesslich auf die Energiebranche oder auf Einzeltitel, die mit Öl in Verbindung stehen, fokussierte, wurde bereits in der Jahresmitte enttäuscht.

Das erste Halbjahr 2014 ist für den Energiesektor noch erfreulich verlaufen: Der Ölpreis notierte bei über 100 US-Dollar pro Fass, und Energieaktien übertrafen den MSCI World um bis zu 8 Prozent. Seit dem Sommer befindet sich der Ölpreis aber in einem Sinkflug, der die Notierungen im Energiesektor stark unter Druck gebracht hat.

Für diesen Rückgang gibt es zwei Gründe: Zum einen ist das Wirtschaftswachstum ausserhalb der USA und damit verbunden die Ölnachfrage eher schwach. Zum anderen – und dabei handelt es sich um den gewichtigeren Grund – leidet der Öl-Markt aktuell unter dem hohen Angebot, was mit den stark steigenden Fördermengen in den USA und in Kanada zusammenhängt. Daher entwickelte der Ölpreis im Herbst eine starke Abwärtsdynamik und stürzte bis im November auf rund 70 US-Dollar pro Fass ab. Die OPEC als wirkungsmächtigster Akteur im Ölmarkt intervenierte nicht und liess damit den Preiszerfall zu.

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Der Ölsektor leidet unter hohem Angebot

Der Energiesektor besteht aus zwei Untergruppen: Einerseits aus den grossen, integrierten Konzernen wie Exxon Mobil, welche Leistungen über die gesamte Wertschöpfungskette erbringen und andererseits aus Zulieferern wie Transocean, welche die Infrastruktur zur Verfügung stellen. Letztere sind darauf angewiesen, dass die Grosskonzerne in bestehende und in neue Projekte investieren. Bei einem Ölpreis von unter 70 US-Dollar pro Fass lohnen sich viele Projekte nicht mehr, weshalb die Zulieferfirmen weniger Aufträge erhalten – und ihre Aktien werden entsprechend abgestraft.

Energiesektor mit Defiziten in ökologischer und sozialer Hinsicht

Ich stehe dem Energiesektor generell sehr kritisch gegenüber, da ein Grossteil der Unternehmen in ökologischer und sozialer Hinsicht nicht nachhaltig wirtschaftet. Möchte man sich dieses Jahr zu Weihnachten trotzdem eine Anlage im Energiesektor gönnen, kommen allenfalls nachhaltige Aktien grosser integrierter Konzerne wie jene der französischen Total in Frage. Zulieferer, auch wenn mittlerweile vermeintlich attraktiv bewertet, sollten zumindest bis ins neue Jahr gemieden werden.

Einen Trost bietet der Ölpreisrückgang aber dennoch: So können viele Haushalte ihren Öltank günstig auffüllen und Weihnachten gut beheizt feiern. In diesem Sinn: Ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Aktienjahr 2015.

Andreas Knörzer, Leiter Asset Management, Notenstein Privatbank