Die Terroranschläge der letzten Woche waren ein Schock für den Reise-Sektor. Die Kuoni-Aktie beispielsweise fiel am Montag zwischenzeitlich um fast 5 Prozent, und mit Ryanair ging es im Vergleich zum Freitags-Hoch sogar noch stärker nach unten. Grundsätzlich aber ist die Reiseindustrie in einem Höhenflug. In der Schweiz gibt es derzeit wegen des starken Frankens nur Stagnation. So ging die Zahl der Übernachtungen in den Sommermonaten Mai bis August leicht um 0,1 Prozent zurück. Vor allem aus der Eurozone kamen weniger Gäste (minus 13 Prozent). Zuwächse brachten aber immerhin Besucher aus China (+38 Prozent), Indien (+29 Prozent) und aus den Golfstaaten (+24 Prozent).

Im Ausland hingegen steuern viele Regionen auf Rekorde zu. So ist die Tourismusbranche und das Gastgewerbe in Deutschland in Sachen Übernachtungen auf dem besten Weg zum sechsten Plus in Folge. Die Weltorganisation für Tourismus, UNWTO, beziffert zudem auch den Anstieg für internationale Touristenankünfte mit Übernachtungsaufenthalten in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres auf 4,3 Prozent weltweit. Insgesamt betrug die Zahl 810 Millionen. Im UNWTO-World-Tourism-Barometer ist in Europa, der ohnehin weltweit am meist besuchten Region, von einem überproportionalen Zuwachs von 5 Prozent die Rede.  

Branchenindizes auf Rekordniveau

Aber schon in den Jahren zuvor hat sich das Reisegeschäft weltweit positiv entwickelt. Das zeigt sich auch bei Tourismus-Aktien. So läuft der Euro Stoxx Travel & Leisure Index weit besser als der breite Markt mit dem Euro Stoxx 50 und schaffte im November einen neuen Kursrekord. Der Euro Stoxx 50 notiert hingegen um 20 Prozent unter seinem 2007er-Hoch. Der langfristige Aufwärtstrend bei Reiseaktien ist somit intakt, und charttechnisch stehen die Ampeln für ein Investment in diesem Segment damit auf Grün.

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Kurzfristig betrachtet, sind die Kurse in diesem Sektor allerdings etwas unter Druck geraten. Denn die von der Extremistengruppe Islamischer Staat in Paris verübten Terroranschläge haben die Anleger wieder an die Abhängigkeit des Sektors von externen Einflüssen wie Kriege, Terrorismus oder Seuchen erinnert. Auch jetzt, nach der jüngsten Anschlagsserie, stellen sich die Marktakteure die Frage, wie sich das wohl auf die Reisetätigkeit der Menschen auswirken wird. Zumal mit Frankreich das Land im Zentrum steht, das jedes Jahr die grösste Zahl an Touristen registriert.

Langfristige Wachstumschancen

Kurzfristig ist es zwar schwierig, die Entwicklung abschätzen zu können, langfristig zeigt die Erfahrung mit vergleichbar schlimmen Ereignissen der vergangenen 15 Jahre in Ländern wie Grossbritannien, Spanien oder Frankreich aber nur geringe volkswirtschaftliche Folgen. «Die ökonomischen Aktivitäten tendieren dazu, ziemlich krisenresistent zu sein», erklärt dazu Howard Archer, Chef-Volkswirt für Grossbritannien und Europa beim Analyse-Dienstleister IHS Global Insight.

Klammert man nichtkalkulierbare Negativereignisse aus dem Umfeld aus, dann sind Branchenexperten für die weiteren Aussichten des Reisesektors langfristig positiv gestimmt. Die Weltorganisation für Tourismus sagt für die beiden kommenden Jahrzehnte jedenfalls anhaltendes Wachstum voraus. Eine der zentralen Vorhersagen beinhaltet ein durchschnittliches Plus bei den jährlichen internationalen Touristenübernachtungen von 43 Millionen in den Jahren 2010 bis 2030. Für diese Zeit wird vermutet, dass mit rund 1,8 Milliarden Menschen international doppelt so viele Menschen verreisen werden und dass sich die Zahl von Inlandsreisenden sogar vervierfachen wird.

China – enormes Reisepotenzial

Die Aussichten für den Sektor gelten nicht zuletzt deshalb als gut, weil die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern zunehmend auf Reisen geht. So nehmen beispielsweise die Auslandsreisen aus dem Reich der Mitte mit zweistelligen Wachstumsraten zu. Und wie viel Potenzial hier noch schlummert, zeigt sich daran, dass angenommen wird, dass erst 5 Prozent aller Festlandchinesen einen Reisepass besitzen. Wie gross die wirtschaftliche Bedeutung chinesischer Reisender aber schon jetzt ist, zeigt sich an Schätzungen von HSBC, wonach Touristen aus China für 40 Prozent aller Verkäufe im Luxussegment in Frankreich verantwortlich sein sollen und in Italien und Grossbritannien für 35 Prozent bzw. 25 Prozent.

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Währungseffekte haben ebenfalls einen grossen Einfluss auf das Reiseverhalten. So stiegen die Ausgaben von US-Bürgern bei Auslandsreisen in den ersten neun Monaten um 11 Prozent. Im September ist von US-Amerikanern sogar ein neuer Auslandsreiserekord aufgestellt worden. Auf Rekordjagd befindet sich dank des schwachen Yens auch der japanische Tourismussektor. Das Land ist von chinesischen Besuchern in den letzten zwei Jahren förmlich überrannt worden – bei Zuwachsraten von rund 50 Prozent p.a.. Im September stellten die Chinesen bereits die Hälfte aller Besucher in Japan, und sie lassen sogar mit umgerechnet 2300 Franken pro Kopf mehr Geld in Japan als der durchschnittliche Auslandstourist mit rund 1530 Franken.  

Das Bewertungsniveau ist oft schon hoch

Der Tourismussektor in Japan und China, aber auch weltweit, ist also vielversprechend. Allerdings sind viele Titel der Branche bereits vergleichsweise hoch bewertet. So beziffert der deutsche Vermögensverwalter StarCapital das Branchen-KGV auf 19,5, das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf 1,4 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis auf 3,1.  

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Schwierig ist die Suche nach Schnäppchen auch im Hotelsektor, und da gibt es sogar noch Konkurrenz aus dem Bereich der sogenannten Sharing Economy. Der Online-Vermittler für kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten, AirBNB, hat bereits über 1,5 Millionen Unterkünfte weltweit im Programm und befindet sich weiter auf einem strammen Wachstumspfad. Es könnte sein, dass die daraus erwachsende Konkurrenz im Lauf der Jahre auch für Hotels zu einer immer grösseren Gefahr werden wird. Dennoch überzeugt der in London gelistete Hotelbetreiber PPHE Hotel Group (ISIN: GG00B1Z5FH87), was vor allem an der vernünftigen Bewertung liegt (geschätztes KGV: 10,4, geschätzte Dividendenrendite: 2,2 Prozent).

Kreuzfahrtanbieter mit spannender Charttechnik

Charttechnisch gut sehen die börsennotierten Kreuzfahrtanbieter aus. Und mit der Expansion nach China gibt es auch eine spannende Langfrist-Story. Was stört, sind aber auch hier inzwischen ambitionierte Bewertungen, und kurzfristig könnte das Geschäft in Europa schwieriger werden, weil Meldungen zufolge die Buchungen unter anderem wegen des Flüchtlingsstroms leiden. Optisch günstig bewertete Aktien sind hingegen bei den Fluggesellschaften zu finden. Der Grund ist, dass dieses Segment in der Vergangenheit oft von Pleiten geplagt war.

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Um böse Überraschungen zu vermeiden, bietet es sich in diesem Fall an, eher auf einen Titel wie den Marktführer im Billigflugsegment, Ryanair Holdings (ISIN: IE00BYTBXV33), zu setzen. Die Iren verfügen über ein erprobtes Geschäftsmodell und haben eine klare Geschäftsstrategie. Vorteile, für die es sich bei einem geschätzten KGV von 15,6 lohnt, nach den starken Kursgewinnen der jüngeren Vergangenheit, auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Ebenfalls interessant, scheint in diesem Bereich auch die japanische Fluglinie Japan Airlines Co. (ISIN: JP3705200008) zu sein. Das KGV ist noch einstellig und der langjährige Aufwärtstrend intakt.

Kuoni-Aktie in der Bringschuld

Dass Geldverdienen trotz der Zugehörigkeit zu einem lukrativen Sektor kein Selbstläufer ist, demonstriert leider schon seit längerer Zeit die Aktie von Kuoni Reisen (ISIN: CH0003504856). Der Kurs des Touristikdienstleisters befindet sich seit Jahren auf dem Weg gegen Süden, und im Oktober wurde fast das Rekordtief aus dem Jahr 2002 erreicht. Vom Jahrestief hat sich die Notiz zuletzt aber wieder abgesetzt, was ein Indiz dafür sein kann, dass die jüngsten Massnahmen der Neustrukturierung positiv aufgenommen worden sind.

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Aufgeteilt ist die Gesellschaft in die drei Bereiche Buchungsabwicklung, Gruppenangebote und Visageschäft, und der neue Vorstand steht unter dem Zugzwang, beweisen zu müssen, dass es mit dieser Aufstellung möglich ist, dauerhaft auf einen Wachstumskurs einzuschwenken. Die Analysten sind zuversichtlich und trauen dem Unternehmen von 2015 bis 2018 eine Gewinnverdreifachung auf 30.20 Franken zu. Wenn diese Vorgabe erreicht wird, hat der Titel weiteres Aufwärtspotenzial.

Wer breit auf den Sektor setzen will, kann dies beispielsweise mit dem von der UBS emittierten Open-End-Index-Zertifikat auf den EURO STOXX Travel & Leisure (ISIN: CH0024441732).