Zum Jahresbeginn setzten Währungen aus Ländern wie Türkei, Brasilien und Indien die Kapitalmärkte in Aufruhr. Kehrte bei diesen Devisen inzwischen wieder etwas Ruhe ein, bringt nun neben dem russischen Rubel, der unter der drohenden Eskalation in der Ukraine leidet, vor allem der chinesische Renminbi Investoren zum Staunen. Der Yuan, wie die Währung aus dem Reich der Mitte auch genannt wird, gab zuletzt gegenüber dem US-Dollar innerhalb eines Tages um 0,85 Prozent nach. Dies entspricht dem grössten Rücksetzer im Tagesgeschäft seit sieben Jahren.

Eine offizielle Begründung der Abwertung seitens der People’s Bank of China (PBoC), die einmal täglich einen Mittelkurs veröffentlicht, gab es nicht. Dies lässt Spielraum für Interpretationen. Einige sehen darin Hinweise auf eine bevorstehende Veränderung in der Geldpolitik. Immerhin hat sich Chinas  Wirtschaftswachstum zuletzt verlangsamt, und die jüngsten Konjunkturindikatoren deuten nicht auf Beschleunigung hin.

Der Yuan wird als Zahlungswährung immer wichtiger

Zum anderen könnte die Kursherabsetzung gewollt sein, um spekulative Kapitalzuflüsse nach China einzudämmen. Ein heisslaufender Immobilienmarkt sowie eine hohe Anzahl an Schattenbanken bedrohen die Stabilität der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. Im «Financial Market Report» der «Chinese Academy of Social Sciences» wird das Volumen des Schattenbank-Sektors auf 20,5 Billionen Yuan, also auf rund 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts des Landes, geschätzt. Seit 2007 soll sich das Volumen verfünffacht haben. Angesichts dieser Dimension wird klar, wie schwierig es für die Führung in Peking ist, das System trockenzulegen und Vertrauen zu schaffen.

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Wie wichtig der Yuan inzwischen für die Welt geworden ist, zeigen neueste Zahlen der Gesellschaft für weltweite Finanztelekommunikation (SWIFT). Der Yuan gehörte den dritten Monat in Folge zu den zehn stärksten Zahlungswährungen der Welt. Im Januar rückte er sogar einen Platz nach vorne und lag hinter dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund, dem japanischen Yen sowie dem kanadischen und australischen Dollar auf dem siebten Rang.

Die Volatilität des Yuan könnte noch grösser werden

Am wahrscheinlichsten ist, dass die jüngste Abwertung des Yuan von der chinesischen Notenbank gewollt ist, um mehr Volatilität in die Währung zu bringen. Aktuell darf der Yuan nach oben wie nach unten am Tag maximal um je ein Prozent schwanken. Diesbezüglich verspricht der jährlich stattfindende nationale Volkskongress Spannung. Vermutet wird, dass im Zuge der Finanzmarktliberalisierung die Schwankungsbreite des Yuan auf bis zu 2 Prozent am Tag erhöht werden könnte. Pünktlich zur Eröffnung des diesjährigen Parlaments gab die Valuta ein kräftiges Lebenszeichen: Am vergangenen Mittwoch wertete der Yuan gegenüber dem US-Dollar um 0,24 Prozent auf – der höchste Tagesgewinn seit Ende 2012.

Die Herzen der Trader sollte eine zunehmende Schwankungsbreite, ob gewollt oder ungewollt, höher schlagen lassen. Beispielsweise mit einem Call-Optionsschein auf das Wechselkursverhältnis des Dollar gegenüber dem Yuan (ISIN: CH0204952664, Laufzeit 19.6.14, Basispreis 6,20) setzen Anleger auf eine weitere Abwertung der chinesischen Währung oder entsprechend auf einen steigenden Dollarkurs gegenüber dem Yuan.