Geht es nach der Kursentwicklung eines besonders zyklischen Sektors, dann könnte bei der im Moment noch lahmenden Konjunkturlokomotive in Europa demnächst ein höheres Tempo bevorstehen. Denn seit dem Jahreswechsel legt der STOXX Europe TMI Industrial Transportation Index um knapp einen Zehntel zu. Das könnte ein vorlaufender Indikator sein. In dieser Benchmark sind 38 Titel enthalten. Dabei handelt es sich unter anderem um Hafen- und Flughafenbetreiber, um breit aufgestellte Logistikdienstleister und um traditionelle Postunternehmen. Nach dem guten Lauf schaffte der Index auch den Ausbruch aus seiner Seitwärts-Range.

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In einer aktuellen Publikation bringt Goldman Sachs die Gründe für die Trendwende auf den Punkt: «Der Handel in Europa profitiert vom tieferen Euro und von einer starken US-Nachfrage.» Diese These untermauern die Analysten mit einer Reihe von Fakten.

Suez-Kanal und Rotterdam: Deutlicher Anstieg der Volumina

Sie verweisen beispielsweise darauf, dass im Schlussquartal 2014 die Volumina der in die USA eingeführten Container um 7 Prozent über jenen des Vorjahreszeitraumes gelegen haben. Gleichzeitig haben die Geschäfte in Europa angezogen. Als Indiz dafür nennen die Experten den Suez-Kanal. Auf der Verbindung zwischen Rotem Meer und dem Mittelmeer hat der Container-Transit im Dezember um 8 Prozent zugenommen. Derweil verzeichnete der wichtige Rotterdamer Hafen im vierten Quartal sogar ein prozentual zweistelliges Volumenwachstum.

Laut Goldman Sachs hat sich die Profitabilität von Öltankern und Containerschiffen auf einem tiefen Niveau verbessert. Neben der stärkeren Nachfrage und diversen Massnahmen der Unternehmen hätten dazu fallende Energiekosten beigetragen. Als einen Nutzniesser dieser Entwicklung nennt das US-Institut Maersk (ISIN DK0010244508). Der dänische Konzern besitzt und betreibt mehr als 600 Containerschiffe.

Møller Maersk: Kräftiger Gewinnanstieg

Damit kontrolliert der Weltmarktführer rund einen Fünftel sämtlicher von Asien nach Europa transportierter Container. Allen Widrigkeiten zum Trotz steigerte Maersk Line den Gewinn in den ersten drei Quartalen 2014 um 30 Prozent auf 1,6 Milliarden US-Dollar. Insgesamt verdienten die Dänen, deren zweitgrösste Sparte das Ölgeschäft ist, gut fünf Milliarden Dollar. Zum stattlichen Gewinnwachstum von mehr als 75 Prozent trug der Verkauf von Unternehmensteilen bei.

Trotz des überraschend guten Zwischenberichts ist die Maersk-Aktie im vergangenen Jahr nicht vom Fleck gekommen. Neben dem schwachen Konjunkturumfeld lastete der fallende Ölpreis auf dem Blue Chip. Am 25. Februar dürfte sich zeigen, inwieweit der Ausverkauf beim schwarzen Gold den Dänen einen Strich durch ihre Erfolgsrechnung gemacht hat. Dann legt Maersk die Zahlen für 2014 vor. Zuletzt hat der Aktienkurs aber schon Fahrt aufgenommen und ist über die 200-Tage-Linie geklettert.

Kühne + Nagel: Möglicherweise Sonderdividende

Aufhorchen lässt auch das Chartbild von Kühne + Nagel (ISIN CH0025238863). Wie viele andere heimische Aktien zeigt sich hier eine steile V-Formation. Sie ist entstanden, weil der Valor mehr als zwei Drittel der nach dem Ende des Euro-Mindestkurses erlittenen Verluste bereits wieder aufgeholt hat. Operativ machte der weltweit zweitgrösste Logistikdienstleister im vergangenen Jahr Fortschritte. In den ersten drei Quartalen baute der Konzern die Marktanteile aus und verbesserte gleichzeitig seine Marge.

Wie Maersk präsentiert auch Kühne + Nagel am 25. Februar die Bilanz für das Gesamtjahr. Patrick Jnglin, Aktienanalyst bei Kepler Cheuvreux, rechnet damit, dass der Konzern seine Ziele für 2015 bestätigen wird. Den Einfluss der Franken-Aufwertung auf die Margen hält er für gering, weshalb er seine Ergebnisschätzung nach dem jüngsten Beschluss der Schweizerischen Nationalbank (SNB) lediglich um etwa 11 Prozent gekappt hat. Und zum 125. Firmenjubiläum, das in diesem Jahr stattfinden wird, rechnet der Analyst mit einer Sonderdividende von rund zwei Franken je Aktie. Zusammen mit der regulären Ausschüttung erwartet Jnglin damit eine Überweisung von insgesamt 6.11 Franken je Anteilsschein. Daraus ergibt sich eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent.

Flughafen Zürich: Neue Bestmarke

Mit einer solchen Rendite kann Flughafen Zürich (ISIN CH0010567961) nicht Schritt halten. Hier sind eher rund 2 Prozent Dividende zu erwarten. Gleichwohl ist die ebenfalls im europäischen Transportindex vertretene Aktie interessant. Als die SNB am 15. Januar die Märkte geschockt hat, hat der Titel um mehr als einen Zehntel nachgegeben und hat sich bis dato nur moderat erholt. Im Zuge der Franken-Rally drohen dem Airport schrumpfende Passagierzahlen und eine Kaufzurückhaltung bei ausländischen Gästen. Wegen der für sie hohen Preise könnte es sein, dass diese einen Bogen um Läden und Restaurants machen werden. Ansonsten war der Flughafen Zürich aber zuletzt im Aufwind. Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr als 25 Millionen Passagiere abgefertigt. Deutlich zulegen konnte der Airport bei den Lokalgästen. Da diese deutlich höhere Gebühren einbringen als beispielsweise Umsteiger, stehen die Chancen gut, dass das Management am 12. Februar überzeugende Ergebniskennziffern vorlegen wird. Daher könnte sich mit Blick auf den Zahlentermin eine kurzfristige Kaufchance bieten.