Es sollte der grosse Wurf werden, doch dann kam es zur Katastrophe. Das neue Galaxy Note 7 des südkoreanischen Smartphoneherstellers Samsung, das erst vor drei Monaten auf den Markt gekommen war und mit seinen technologischen Neuerungen gleich eine ganze Serie der Note-Reihe übersprang, zeigte bereits wenige Wochen nach Verkaufsstart grosse Schwächen. Ein übergrosser Akku brachte fallweise Überhitzungen der Geräte und führte zu Bränden. Erst nahmen Fluggesellschaften das Gerät wegen der Gefahren auf die Verbotsliste, dann Samsung das Gerät aus den Regalen.

Während die Käufer ihre erworbenen Smartphones zurückgeben konnten, waren Analysten entsetzt. Die Experten hielten vor der Pannenserie den Verkauf von 15 Millionen Geräten noch in diesem Jahr für möglich und die Analysten von Credit Suisse errechneten nun wegen des Produktionsstopps Umsatzausfälle für den Tech-Konzern in Höhe von 17 Milliarden Dollar. Obendrein befürchten Branchenkenner für Samsung einen gewaltigen Imageschaden und dass Konkurrent Apple dadurch den Wettlauf an der Smartphone-Spitze möglicherweise für immer für sich entschieden hat.

Umsatz- und Gewinnrückgang im dritten Quartal

Nach dem Problem- und Produktionsstopp-Horror fiel die Samsung-Aktie Anfang September auch innerhalb weniger Tage um bis zu zehn Prozent nach unten. Der Börsenwert von Samsung Electronics rutschte so von 230 Milliarden Dollar ganz schnell auf nur noch 200 Milliarden Dollar – ein Wertverlust von 30 Milliarden Dollar. Tatsächlich kam es jetzt bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal zu einem deutlichen Gewinnrückgang.

Der Umsatz ging um 7,5 Prozent zurück, das Ergebnis im Quartal fiel sogar um 17 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Für das vierte Quartal und die ersten drei Monate in 2017 erwartet Samsung erneute Gewinnrückgänge von etwa 2,2 und knapp 1,0 Milliarden Dollar. Was auf den ersten Blick wie ein schreckliches Debakel aussieht, hat sich im Kurs per Saldo kaum ausgewirkt. Denn die Aktie notiert inzwischen fast wieder auf demselben Level, von wo aus der Verfall Anfang September losgegangen war.

Deutlich steigende Ergebniszahlen in den nächsten Jahren

Immerhin: Samsung ist nicht nur Smartphone oder Tablet, sondern hat auch eine gewaltige Palette an weiteren Produkten auf der Liste. Dazu zählen Fernseher, Haushaltsgeräte wie Kühlschränke oder Staubsauger, Monitore oder Drucker und auch Speichermedien. Dabei erzielte der Elektroriese aus Seoul im vergangenen Jahr 44,2 Prozent seiner Umsätze im Bereich Halbleiter, 11,3 Prozent kamen aus der Elektrosparte und 38,6 Prozent von IT und mobiler Kommunikation.

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Und so erwartet beispielsweise BNP Paribas-Analyst Peter Yu trotz Umsatzstagnation bei etwa 175 Milliarden Dollar in diesem Jahr einen Gewinnanstieg von etwa 100 auf rund 116 Dollar je Aktie. Ein 11er-KGV. Für 2017 und 2018 erwartet der Experte dann aber Umsatzsteigerungen auf etwa 180 und rund 190 Milliarden Dollar. Der Gewinn soll dabei sogar noch deutlicher auf etwa 150 und dann 170 Dollar je Aktie klettern. Da wären 10er- und 9er-KGVs drin.

Anleger setzen auf einen Rebound von der Trendlinie nach oben

Analyst Yu sieht dabei trotz des aktuellen Galaxy-Note-Debakels Phantasie im Smartphonesegment des Unternehmens. Der Experte erwartet ab dem zweiten Halbjahr 2017 die Einführung einer neuen Plattform für Samsung-Smartphones, die den Nutzern neue Dienste bietet und dem Konzern bessere Kompatibilität unter seinen Geräten bringen soll.

Mit einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 1,4 und einem moderaten KGV ist die Aktie günstig. Prallt die Aktie jetzt auch noch von der unteren Begrenzung ihres Abwärtstrends nach oben ab, könnte das Allzeithoch von Anfang Oktober bei 1,7 Millionen südkoreanischen Won ganz schnell fallen. Da besteht schon kurzfristiges Kurspotential von rund zehn Prozent.