Rauchen ist out. Rauchen ist tabu. In den europäischen Industriestaaten zumindest. Dort werden Raucher ausgesperrt: Aus dem Büro, aus dem öffentlichen Nahverkehr, aus Restaurants. In den USA haben Raucher in einigen Städten und Bundesstaaten sogar Zutrittsverbot zu öffentlichen Parks, zu Stränden und öffentlichen Plätzen.

Es könnte also angenommen werden, dass die Aktien von Tabakfirmen völlig luftlos seien und dass sie abschmieren würden. Tun sie aber nicht. Reynolds American läuft seit Jahren von einem Allzeithoch zum nächsten. In den letzten fünf Jahren hat sich der Kurs verdreifacht. Oder Imperial Tobacco. Der Titel hat erst vor wenigen Tagen den massiven Widerstand bei 2600 GBP geknackt und notiert nur noch wenige Prozentpunkte unter dem Allzeithoch von Anfang 2008.

Tabakaktien – hohe Kursgewinne auf breiter Front

Der Kurs von Philip Morris läuft zwar seit zwei Jahren in einer engen Handelsspanne seitwärts, die Aktie konnte sich aber zwischen 2009 und 2012 verdoppeln. Obendrein gibt es hohe Dividenden von über 4 Prozent. Der Chart von BAT British American Tobacco sieht fast genauso aus. Auch hier gab es seit 2009 die Kursverdopplung und hohe Dividenden. Zuletzt Lorillard: Allzeithoch folgt hier auf Allzeithoch. In fünf Jahren gab es beim Tabakkonzern aus Greensboro im US-Bundesstaat North Carolina 200 Prozent Kursgewinn, in zehn Jahren ein sagenhaftes Plus von 650 Prozent.

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So viel zur Lagebestimmung der Aktien der grossen Player der Tabakindustrie. Auch wenn es Gesundheitsapostel in den westlichen Industrieländern nicht wahrhaben wollen und obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit ein Werbeverbot für Tabakprodukte fordert: Weltweit wird geraucht wie nie. Zwar geht der Raucheranteil zurück, doch das globale Bevölkerungswachstum kompensiert das und sorgt beständig für neue Konsumenten. Weltweit gesehen rauchen etwa 1,0 Milliarden Menschen täglich. Im Jahr werden so rund um den Globus etwa 6 Billionen Zigaretten geraucht.

Starkes Wachstum in Asien

Am meisten gequalmt wird übrigens in China. Wo sonst, bei 1,5 Milliarden Einwohnern im Reich der Mitte? Immerhin rauchen dort mit 350 Millionen Menschen mehr als 20 Prozent der Einwohner. Weltweit über 40 Prozent des Zigarettenkonsums geht auf ihr Konto.

Vor allem durch das Wachstum jenseits der Industriestaaten schaffte beispielsweise Branchenführer Philip Morris seit 2007 ein Umsatzplus von 44,9 Prozent auf 80,0 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie hat sich dabei annähernd auf 5,26 Dollar verdoppelt. Die Dividendenzahlungen gingen sogar um 130 Prozent von 1,54 auf 3,58 Dollar je Aktie nach oben. Seit 2010 kletterten die Umsätze des Konzerns aus New York beispielsweise in Asien um 32,3 Prozent, in der Region Lateinamerika und Kanada gab es ein Plus von 9,9 Prozent.

Hohe Investitionen in neue Produktionsanlagen

Oder BAT. Der Tabakkonzern aus London steigerte seinen Umsatz seit 2010 in Asien um 11,8 Prozent. Sogar in Westeuropa gab es in den drei Jahren seit 2010 ein Plus bei den Erlösen von 6,3 Prozent. 

Trotz des Zigarettenverbrauchs auf Allzeithoch (weltweit) arbeitet die Tabakindustrie an Alternativen für Zigaretten wie etwa an elektronischen Zigaretten. Produkte, bei denen der Tabak nur erhitzt, nicht verbrannt wird, oder Systeme zur Inhalation von Nikotin. Philip Morris beispielsweise investiert derzeit 500 Millionen Dollar in eine Anlage für die Produktion dieser sogenannten «Reduced-Risk Products» – dieser Produkte mit geringeren Risiken. Ab 2016 sollen aus dem neuen Werk in Bologna bis zu 30 Milliarden dieser neuartigen Zigaretten kommen.

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Hohe Steuerausfälle bei weiter steigender Regulierungsdichte

Skeptiker sehen die Tabakindustrie wegen der zunehmenden Regulierungen der Staaten langfristig mit grossen Problemen konfrontiert. Fiskalisch betrachtet, würden grosse Raucherkonsumrückgänge grosse Lücken in die Budgets vieler Länder reissen. Schätzungen zufolge liegt das jährliche Steueraufkommen infolge Tabakkonsum weltweit im mittleren dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich. Da stellt sich letztendlich die Frage, wann bei weiter steigender Tabak-Regulierung beim einen oder anderen Land die Schmerzgrenze erreicht sein wird.

Die Nummer zwei der Tabakbranche setzt auf höhere Produktivität in ihren Fabriken und fokussiert sich auf die Wachstumsregionen. Anleger freuen sich über regelmässige Dividendenerhöhungen. Derzeit liegt die Rendite bei 4,0 Prozent.

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Nach dem Sprung über die psychologische Hürde von 2600 GBP wird die Aktie wohl zügig das Allzeithoch aus 2008 ins Visier nehmen. Mit 4,3 Prozent Dividende und einem KGV im Bereich von 10 besteht auch fundamental betrachtet Kurspotenzial.

In diesem Jahr rechnet die Nummer eins der Branche mit einem Gewinnrückgang von 5,26 Dollar je Aktie, im 2013 auf 5,09 bis 5,19 Dollar je Aktie. Das Ergebnis ist durch ungünstige Wechselkursentwicklungen von geschätzt 0,61 Dollar je Aktie belastet. Ohne diesen Effekt könnte das Ergebnis um 6 bis 8 Prozent  höher liegen. Die Aktie notiert an der oberen Begrenzungslinie des kurzfristigen Abwärtstrends. Fällt die Hürde, könnte dies schnelle Kurssteigerungen um rund 10 Prozent auslösen.

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Gerüchte über die mögliche Übernahme des Konkurrenten Lorillard treiben die Reynolds-Aktie seit Ende Februar um rund 25 Prozent nach oben. Ein Zukauf würde Grössenvorteile, etwa in der Kostenstruktur, bieten. Die Aktie notiert an der oberen Begrenzungslinie des langfristigen Aufwärtstrends. Möglicherweise steht nun der Ausbruch bevor.

Der älteste Zigarettendreher der USA wächst seit Jahren bei Umsatz und Gewinn. Zusätzlich gibt es Übernahmephantasie. Möglicherweise will Reynolds das ganze Unternehmen oder Teile davon schlucken. Anleger setzen auf ein konkretes Angebot und lassen sich zwischenzeitlich mit hohen Dividenden von über 4,0 Prozent verwöhnen.