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Währung
Trumps Steuerpläne sorgen für Dollar-Phantasie

Donald Trump: Sichtlich zufrieden nach der Ernennung des neuen Ministers der Homeland Security. Keystone

Donald Trump treibt seine Steuerreform voran. Die Umsetzung könnte vier Folgen haben: Höhere Zinsen, mehr Wachstum, steigende Kurse an der Wall Street und einen stärkeren Dollar.

Von Georg Pröbstl*
am 13.10.2017

Die Schwankungen zum Franken sind gering. In den letzten zwei Jahren lief der Wechselkurs Dollar/Franken in einer wirklich engen Spanne von nur acht Prozent und hielt sich dabei zwischen 1,03 und 0,95. Mit einer Schwankungsbreite von rund 15 Prozent sind die Ausschläge des Greenback zum Euro dagegen schon um einiges grösser. 

Allerdings: Konnte die US-Devise seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2016 ganz schnell um rund zehn Prozent zulegen, so ist der Dollar seit April wieder im Rückwärtsgang. Das Kursminus zur europäischen Einheitswährung beträgt in den letzten sechs Monaten nämlich ebenfalls fast zehn Prozent.

Widerstand erreicht

Anfang September war die US-Währung mit 0,83 zum Euro sogar schon auf den tiefsten Stand seit Ende 2014 durchgefallen. Dann allerdings konnte sich der Dollar in den letzten Wochen wieder hocharbeiten und dabei sogar den wichtigen Widerstandsbereich von rund 0,85 zurückerobern. Und da könnte jetzt sogar noch einiges mehr drin sein – und zwar schon in den nächsten Wochen.

Und zwar wieder wegen Trump. Und das hat ausnahmsweise nicht mit starken Sprüchen oder Säbelrasseln gegenüber Nordkoreas Kim Jong-un zu tun, sondern mit den Steuern. Der US-Präsident will jetzt nämlich zeitnah endlich seine bereits in 2016 angekündigte Steuerreform in die Tat umsetzen. Erst vor rund zwei Wochen präsentierte der Staatschef seine Pläne. 

Einfache Kausalitätskette

Einer der Punkte sind fallende Sätze bei der Einkommensteuer. Der Spitzensteuersatz soll sinken und die Zahl der Tarife ebenfalls. «Die Steuerreform lässt den Bürgern mehr Geld in der Tasche und das dürfte die Wirtschaft beflügeln. Da die Kapazitätsgrenzen in den Staaten aber in einigen Sektoren schon fast erreicht sind, könnte die US-Notenbank dann die Zinsen zusätzlich zu den bereits angedeuteten Anhebungen noch stärker erhöhen», erklärt Daniel Katzive, Finanzstratege bei BNP Paribas.

Steigende Zinsen machen aber den Dollar attraktiver, die Nachfrage nach der US-Devise dürfte steigen. «Da ist mit einem stärkeren Dollar zu rechnen», vermutet Experte Katzive. Dann hat Trump auch die US-Companies im Visier. Die Unternehmenssteuer könnte im Konsens mit den Republikanern von derzeit 35 auf 20 Prozent sinken.

Nachfrage-Effekt

Das würde die Unternehmensgewinne erhöhen, die Bewertungsrelationen von US-Aktien nach unten drücken und dürfte steigende Kurse an der Wall Street bringen. Höhere Kurse an einer Börse sorgen aber auch für Mittelzufluss aus dem Ausland. Das bedeutet: Die Nachfrage nach Dollar für den Aktienkauf in USA dürfte zulegen und dem Dollar noch einmal zusätzlichen Rückenwind bringen. 

Damit aber immer noch nicht genug. Die Steuerreform verspricht aus einem weiteren Grund Mittelzuflüsse in die Staaten. «Schätzungen zu Folge haben US-Firmen im Ausland aus Steuergründen derzeit Cash im Volumen zwischen 2,6 und 4,1 Billionen Dollar gebunkert. Eine Senkung der Steuern auf solche Gewinne im Ausland dürfte einen Rückfluss von US-Kapital in die Staaten auslösen. Davon könnte der Dollar schon im Vorfeld profitieren», vermutet der Analyst. 

Positiver Nebeneffekt

Da das Geld unter anderem auch in Investitionen in den Staaten fliessen dürfte, hätte das einen weiteren positiven Effekt auf das Wirtschaftswachstum. Siehe oben. «Die Mittelrückflüsse könnten auch für Aktienrückkäufe verwendet werden. Das würde US-Titel für Anleger ebenfalls attraktiver machen», prognostiziert der Börsianer. Das heisst: Der Dollar würde auch von dieser Seite aus getrieben.

Per Saldo könnte die Trumpsche Steuerreform dem US-Dollar schöne Kursgewinne bringen. Und da verspricht die Charttechnik sogar einen extra Schub. Denn der US-Dollar hat die 100-Tage-Linie so gut wie erreicht. Diese verläuft knapp über 0,85 zum Euro. Zudem hat die US-Devise jetzt auch von der 38-Tage-Linie nach oben gedreht. Die 0,85 könnten damit zeitnah und ganz schnell fallen.

Doppelter Steuer-Effekt

Da in dem Bereich wie eingangs geschildert ein starker Widerstand verläuft, könnte der Sprung über diese Hürde dann sogar einen schnellen Schub des Dollar in Richtung 0,88 oder sogar 0,90 auslösen. Anleger, die auf die positiven Dollar-Effekte der US-Steuersenkung setzen wollen, greifen wegen der höheren Volatilität des Wechselkurspaars Dollar/Euro zum Call auf den Greenback im Verhältnis zum Euro bzw. zu einem Put auf den Euro.Das Put-Zertifikat (ISIN: CH0200973698, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out 1,2997) verspricht bei einem aktuellen 10er-Hebel schon bei vergleichsweise kleinen Kurssteigerungen des Dollar schöne Gewinne. 

Anleger können vom erwarteten Dollaranstieg sogar doppelt profitieren. Denn der Kauf von US-Aktien verspricht einerseits bei Vollzug der US-Steuersenkung steigende Kurse an der Wall Street, andererseits sind die US-Aktien in Dollar dann umgerechnet in Euro und wahrscheinlich ebenfalls auch in Franken zusätzlich auf Basis der Devisenkurssteigerungen mehr wert.

Sinnvoll ist bei dieser Spekulation ein Call auf den Dow Jones. Ein nicht währungsgesichertes Zertifikat (ISIN: CH0367858674, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 20704,3041) verspricht dabei ebenfalls bei einem 10er-Hebel gleich doppelten Spass.

 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +26,1 Prozent (DAX: +12,7 Prozent), 3 Jahre: +71,5 Prozent (DAX: +22,4 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +301,7 Prozent (Dax: +83,3 Prozent).

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