2014 ist ein Sportjahr. Es gab die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi, am 12. Juni beginnt die Fussball-WM in Brasilien. Kurz zuvor steht am 24. Mai mit dem Champions-League-Finale in Lissabon ein weiteres Highlight im Fussball an. Sportjahre sind auch Fernsehjahre. Allein das Endspiel der Weltmeisterschaft in Südafrika vor vier Jahren lockte 700 Millionen Menschen vor den Bildschirm. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen versuchen, diese Sport- und Wettkampfbegeisterung zu nutzen. Sie stocken ihre Werbeetats im Vorfeld grosser Events auf und buhlen mit speziellen Spots um die Gunst der Fans, ihrer potenziellen Kunden.

Und doch stand, wer sofort von einer solchen Werbepraxis profitieren kann, an der Börse zuletzt im Abseits. Europäische TV-Sender mussten teilweise prozentual zweistellige Kursabschläge hinnehmen. Im vergangenen Jahr hatte der Sektor noch einen Höhenflug erlebt. Entsprechend dehnten sich die Bewertungen aus. Nach Ansicht von Laurie Davison, Analystin der Deutsche Bank, sind TV-Aktien noch immer nicht günstig. Dennoch sieht sie nach dem Sell-off Einstiegsgelegenheiten.

ProSiebenSat1 – starker Ausblick möglich

Zu ihren Favoriten zählt ProSiebenSat.1. Im bisherigen Jahresverlauf verlor das deutsche Unternehmen mehr als 12 Prozent an Börsenwert. Davison hält die Aktie nun für den günstigsten TV-Titel in Europa. Die Korrektur führt sie vor allem auf die anstehenden Quartalszahlen zurück. Aufgrund des konjunkturellen Gegenwinds in Deutschland zum Jahresauftakt dürften diese aber nicht berauschend ausfallen. Die Analystin wertet dies aber nur als eine vorübergehende Schwäche: «Wir glauben, dass das Unternehmen mit den Zahlen für das erste Quartal einen stärkeren Ausblick vorlegen kann.» Die Daten werden am 8. Mai präsentiert.

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Im Werbegeschäft dürfte die Fussball-WM ProSiebenSat.1 etwas bremsen. Grund: Das Turnier wird von der Konkurrenz der öffentlich-rechtlichen Sender übertragen. Gleichwohl sollte allein die Tatsache, dass Ostern in das zweite Quartal gefallen ist, den Umsatz anschieben. Wachstumstreiber des Konzerns ist die Digitalsparte. Dazu zählen unter anderem Portale für Online-Videos und -spiele. Für zusätzliche Kursphantasie sorgt die Chance auf einen Einzug in den DAX. Seit sich die Finanzinvestoren KKR und Permira aus dem Münchner Unternehmen zurückgezogen haben, gilt es als Kandidat für die erste deutsche Börsenliga.

Sky Deutschland vor dem Turnaround

Noch stärker als ProSiebenSat.1 ist die zweite Fernsehaktie aus der bayerischen Metropole zurückgekommen. Sky Deutschland verbilligte sich seit dem Jahrswechsel um knapp ein Viertel. Im vergangenen Jahr schaffte der Abosender den operativen Turnaround. Doch zuletzt kamen Zweifel auf, ob das Unternehmen nachhaltig profitabel wirtschaften kann. Zumal unter dem Strich tiefrote Zahlen stehen. Mit exklusiven Programminhalten versucht Sky Deutschland, die Abonnentenzahl weiter zu erhöhen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Sport. Der Pay-TV-Sender zeigt beispielsweise exklusiv Live-Bilder von sämtlichen Spielen der Fussball-Bundesliga.

Allerdings muss Sky dafür tief in die Tasche greifen. Pro Saison fällt im Schnitt knapp eine halbe Milliarde Euro für die Übertragungsrechte an. Die Analysten der UBS sind aber davon überzeugt, dass die Gesellschaft, die mehrheitlich in den Händen des Medienkonzerns Twenty-First Century Fox (früher News Corp.) liegt, den Spagat aus Kostenkontrolle und attraktivem Programm hinbekommt. Die UBS hat ihre Kaufempfehlung gerade eben bestätigt.

ITV will von der Fussball-WM besonders stark profitieren

Relativ glimpflich überstand ITV die jüngste «Bildstörung» bei TV-Aktien. Der britische Branchenvertreter notiert nur um 5 Prozent unter dem Vorjahresultimo. ITV überträgt die WM aus Brasilien und hofft natürlich, ein möglichst grosses Stück vom Werbekuchen abzubekommen. Unternehmenschef Adam Crozier sieht den grössten Free-TV-Sender Grossbritanniens auf der Zielgeraden eines mehrjährigen Turnarounds.

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Nachdem ITV im vergangenen Jahr einen Gewinnsprung verbuchte, versucht Crozier das Wachstum weiter zu forcieren. Er setzt dabei unter anderem auf Online-Angebote und auf Bezahlfernsehen. Ausserdem zeigt sich der Manager offen für Zukäufe.

Berlusconis Mediaset – eine Wette auf den Konjunkturaufschwung

Mediaset stand zuletzt auf der Verkäuferseite. Die italienische Sendergruppe trennte sich von einer Beteiligung in der Höhe eines 25-Prozent-Paketes, das sie beim Infrastrukturdienstleister EI Towers hatte. Das Management dementierte aber Berichte, wonach Mediaset die Pay-TV-Sparte abstossen könnte. Vielmehr führt das Unternehmen nach den Worten von Vize-Aufsichtsratschef Pier Silvio Berlusconi, Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Gespräche über eine internationale Kooperation.

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Obwohl die Rezession in Italien und in Spanien 2013 für einen Umsatzrückgang sorgte, schaffte Mediaset die Rückkehr in die Gewinnzone. Dabei machten sich Kosteneinsparungen bezahlt. Im laufenden Jahr könnte der grösste TV-Konzern des Landes vom Aufschwung profitieren. Nach Angaben des Managements entwickelten sich die Werbeeinahmen von Januar bis April bereits stabil. Die Deutsche-Bank-Analystin Laurie Davison hält Mediaset unter Europas TV-Sendern für die beste Gelegenheit, auf die Wirtschaftserholung zu setzen. Mit dieser Meinung ist sie scheinbar nicht allein: Gegen den Trend legte der Kurs des italienischen Branchenvertreters seit dem Jahreswechsel um sportliche 15 Prozent zu.

Das Münchner Unternehmen wandelt sich gerade von einem klassischen TV-Anbieter zum digitalen Medienhaus. Neben Online-Videos und -Spielen stellt eine eigene Venture-Capital-Gesellschaft das Schmuckstück der Sparte dar. Die bekannteste Beteiligung, der Internetmodehändler Zalando, gilt bereits als Börsenkandidat.

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Jahrelang schien ein wirtschaftliches Bezahlfernsehen in Deutschland nicht möglich zu sein. Doch der Medienriese News Corp. trat den Gegenbeweis an. Nach dem Einstieg bei dem früher als Premiere firmierenden Unternehmen wurde das Geschäft neu aufgestellt und 2013 operativ in die Gewinnzone geführt. Nun muss sich zeigen, ob nachhaltig schwarze Zahlen möglich sind.

Zwei Jahre hintereinander beglückte die Sendergruppe ihre Aktionäre mit einer Sonderausschüttung. 2014 soll unter anderem das Online-Geschäft dafür sorgen, dass die Briten in der Wachstumsspur bleiben. Ausserdem dürfte ITV von der Übertragung der Fussball-WM in Brasilien profitieren.

Die Rezession in Italien bescherte dem TV-Konzern 2013 einen Rückgang der Werbeeinahmen von gut 11 Prozent. Im laufenden Jahr hat sich das Geschäft stabilisiert. Wie sich das auf den Profit auswirkt, erfahren Anleger am 13. Mai. Dann legt Mediaset die Zahlen für das erste Quartal vor.

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