Der Hype um den Börsengang von Twitter Anfang November 2013 war gewaltig. Die 140-Zeichen-Meldungen könnten die Welt verändern – so das Credo. Gerne wurde dabei auf die positiven Erfahrungen während des Arabischen Frühlings 2010/11 verwiesen.

Vor diesem Hintergrund schoss Aktie nach dem Börsengang im vergangenen November empor, in gut anderthalb Monaten über 70 Prozent. Twitter werde irgendwann eine ähnliche Grösse wie Facebook mit einer fünfmal höheren Nutzerzahl erreichen, so die Hoffnung vieler Tech-Jünger an der Börse.

Weiterhin rote Zahlen

Doch die Ernüchterung nach dem ersten Quartalsbericht ist entsprechend gross: Zwar konnte der Konzern den Umsatz mehr als verdoppeln. Unter dem Strich schreibt Twitter aber weiter rote Zahlen. Dies allein wäre sicher noch kein Grund, um den Kurznachrichtendienst abzuschreiben. Viel schwerer wiegt aber, dass die Nutzerzahlen weit weniger stark steigen als erwartet. Die Zahl der monatlichen Nutzer kletterte im Vergleich zum Vorquartal um lediglich 3,8 Prozent auf 241 Millionen.

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Auch die sogenannten «Timeline Views» fielen von 159 auf 148 Milliarden. Die Masszahl gibt Auskunft darüber, wie oft Twitterer ihre Nachrichten anschauen. Dem Kurznachrichtendienst gelingt es anscheinend nicht, dass sich die Nutzer täglich einloggen. Das wäre jedoch nötig, um die Werbekunden bei Laune zu halten. Die Zahlen nähren die Zweifel an der Massentauglichkeit der Twitter-Plattform.

Kein profitables Geschäftsmodell in Sicht

Letztlich spitzt sich die Entwicklung auf eine Frage zu: Wie will der Internetdienst jemals «grosses» Geld verdienen? Eine Antwort bleibt der Konzern bis heute schuldig. Noch herrscht das Prinzip Hoffnung, dass Twitter dereinst doch den Weg zur Profitabilität finden werde. Doch ob Hoffnung allein ausreicht, um die Ansprüche der Investoren langfristig zu befriedigen, darf mehr als bezweifelt werden. 

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