So habe ich mir den Sommer nicht vorgestellt. Eine Ukraine-Krise, die sich von Tag zu Tag verschärft und die Geister aus dem «Kalten Krieg» heraufbeschwört, ein Naher Osten, der in Flammen aufgeht,  die wiederholte Argentinienpleite und Aktienmärkte, die nach schlechten Konjunkturdaten lechzen, damit der Zinserhöhungszyklus möglichst spät eingeleitet wird. Kein Wunder, sind an den Märkten Sturmböen aufgezogen. War das jetzt aber einfach ein reinigendes Sommergewitter oder der Beginn eines anhaltenden Sturmtiefs?

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Die hohen Bewertungsniveaus von Aktien und die in den USA voranschreitende Zinsnormalisierung sprechen seit geraumer Zeit für ein erhöhtes Korrekturrisiko an den Aktienmärkten. Andere, die Märkte unterstützende Faktoren, beispielsweise relative Attraktivität gegenüber anderen Anlageklassen wie Obligationen, sind immer noch intakt. Die Verschärfung der geopolitischen Konflikte seit Mitte Juli versetzt die Märkte aber in erhöhte Alarmbereitschaft, und Ende Juli lösten die sehr guten makroökonomischen Daten aus den USA – aus Angst vor einem vorgezogenen Zinserhöhungszyklus – schliesslich das Sommergewitter aus.

Chancen im Gesundheitssektor

Die Aktienmärkte haben sich wieder etwas gefangen. Allerdings ist analog zu unserem Sommer auch an den Börsen kein anhaltendes Hoch in Sicht; es bleibt volatil, also wechselhaft. Obwohl strategisch weiterhin positiv gegenüber Aktien gestimmt, nehme ich als aktiver Manager die kurzfristigen Herausforderungen der Märkte an und suche innerhalb der Marktschwankungen nach Opportunitäten; zum Beispiel durch taktische Sektorallokationen. Einen positiven Renditebeitrag im gegenwärtigen Umfeld verspreche ich mir insbesondere vom defensiven Gesundheitssektor. Dessen Wertentwicklung ist eher von strukturellen Trends und von Produktentwicklungen und weniger von geopolitischen Grosswetterlagen abhängig.

Nach einer Dekade, in welcher der Gesundheitsbereich dem Weltaktienmarkt bezüglich Performance hinterherlief, ist er nun relativ günstig bewertet und weist aufgrund von Prozessverbesserungen und der Einführung neuer Produkte ein solides Wachstumspotenzial auf. Doch auch hier gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Im Vordergrund stehen grosskapitalisierte Unternehmen, die konstante Cashflows generieren und hohen Nachhaltigkeitsstandards genügen. Gerade Letzteres  hilft, branchenspezifische Chancen und Risiken besser zu identifizieren, die sich aus dem für diese Branche so wichtigen Megatrend «demografische Entwicklung» ergeben.

Ein paar Favoriten für den erhofften Altweibersommer

Gleichzeitig bevorzuge ich US-Werte, weil sich der dortige Aktienmarkt regelmässig resistenter gegenüber geopolitischen Gewittern zeigt. Meine Favoriten sind: Johnson & Johnson, die breit diversifiziert ist und eine gute Dividendenrendite abwirft, Medtronic mit ihrer führenden Stellung in den jeweiligen Zielmärkten und Becton Dickinson, die vom wachsenden Markt für Spitaldienstleistungen profitiert. Mit diesen Werten sollte man vom hoffentlich eintretenden Altweibersommer an den Märkten profitieren können.

Andreas Knörzer, Leiter Asset Management, Notenstein Privatbank