Betrachtet man die Zu- und Abflüsse der weltweiten ETF-Investitionen in diesem Jahr, dann überragt eine Anlageregion: Europa. Insgesamt flossen zwischen Anfang Januar und Ende Oktober 98 Milliarden Dollar in dieses Marktsegment. Von der Performance der dort beheimateten Firmen können Anleger profitieren, indem sie in Direktanlagen oder aktiv verwaltete Anlagefonds investieren. Eine weitere Möglichkeit bieten ETFs, deren Sortiment in letzter Zeit stark ausgebaut worden ist. Dabei erhalten Investoren nicht nur eine breite Diversifikation mit einer einzigen Anlage, sondern sie profitieren zusätzlich von der börsentäglichen Liquidität und von einer tiefen Kostenstruktur.

Viele Anleger entscheiden sich für den Blue-Chip-Index Euro Stoxx 50, um das Kernportfolio zu bilden. Über 33 Milliarden Franken vereinen die an der Schweizer Börse zugelassenen ETFs, die auf diesem Index basieren. Doch Europa ist nicht gleich Europa. Anleger müssen berücksichtigen, dass dieses Barometer «nur» 50 Unternehmen abbildet, die ihren Sitz in einem Euroland haben. Global tätige Firmen aus Dänemark, aus der Schweiz, aus Schweden oder aus Grossbritannien wie etwa die Pharmamultis Astra Zeneca, Roche oder Novartis, aber auch Grossbanken wie Barclays, HSBC oder UBS, fallen durchs Raster.

Europaweit streuen mit Währungssicherheit

Wer auch von der Ertragskraft der global tätigen Firmen profitieren will, muss seinen Blickwinkel verbreitern – etwa mit dem MSCI EMU Index, der Zugang zu grossen und mittelgrossen Unternehmen aus der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion mit insgesamt über 240 Titeln bietet. Gerade für Schweizer Anleger, die häufig zu stark in Schweizer Werte investiert haben, ist ein solcher Index interessant: Sie erhalten Zugang zu europäischen Unternehmen, ohne noch mehr Engagements in Schweizer Unternehmen einzugehen. Gegen das dadurch eingegangene Währungsrisiko bieten sich währungsbesicherte ETFs an mit einer integrierten Absicherung und einer Rendite in Franken.

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Möchte ein Investor von der vollen Ertrags- und Performancekraft aller relevanten Unternehmen inklusive Schweizer Vertretern profitieren, findet er mit dem MSCI Europe die Lösung. In diesem Barometer sind beinahe 450 Dividendenwerte aus Europa abgebildet.

Alternatives Kaufkriterium: Die Volatilität

Immer mehr Anleger finden Gefallen an sogenannten Smart-Beta-Lösungen. So ist beispielsweise der MSCI Europe auch als Minimum-Volatilitätsstrategie erhältlich. Dabei werden die Indexkomponenten nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet, sondern nach einer alternativen Gewichtungsform. Im Fall des MSCI Europe Minimum Volatility Index beispielsweise steht nicht die Rendite im Vordergrund, sondern die Volatilität der einzelnen Aktien.

Damit wird die Schwankungsbreite des Portfolios minimiert. Vor allem in sinkenden und seitwärts tendierenden Marktphasen hat ein Minimum-Volatilitäts-Index das Potenzial, den Basisindex zu übertrumpfen – und das ist ja genau das Ziel: In schwächeren Marktphasen mit weniger Risiko eine bessere Rendite zu erzielen als der Gesamtmarkt.

Christian Gast, Head iShares Schweiz