Im Mai 2015 von der Redaktion von stocksDIGITAL empfohlen worden und jetzt bringt die Börse Budapest bereits ein Plus von 15 Prozent. Zum Vergleich: SMI oder DAX liegen jeweils in derselben Höhe im Minus. Der ungarische Leitindex BUX schafft damit in nur einem Jahr eine Outperformance zur Börse Zürich oder Frankfurt von 30 Prozentpunkten.

Zu den Top-Performern der letzten zwölf Monate zählt beispielsweise Richter Gedeon. Die Aktie des Pharmakonzerns verzeichnet auf Jahressicht ein Plus von rund 30 Prozent. Über Kurssteigerungen von mehr als 20 Prozent freuen sich auch die Aktionäre von OTP Bank. Ein Kursplus im zweistelligen Bereich zeigen auch Magyar Telekom und der Energiekonzern MOL Magyar.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Zinssenkungen beflügeln die Börse

Beflügelt wurden Ungarns Aktien von den Zinsschritten der Notenbank. Lag der Leitzins im Land vor einem Jahr noch bei 1,8 Prozent, so senkte die Zentralbank die Rate erst vor einer Woche um weitere 0,15 Prozentpunkte auf inzwischen nur noch 0,9 Prozent. Immerhin: Auf der Währungsseite herrscht seit längerem Frieden. Denn der ungarische Forint hat sich in den letzten zwölf Monaten zu Euro oder Dollar per Saldo kaum bewegt. Geringe Ausschläge in den Währungsrelationen heisst dann auch: Bessere Planbarkeit und keine negativen Effekte für ungarische Firmen aus den Wechselkursen.

Der Währungsfrieden zeigt sich so auch an Ungarns Wirtschaft. Nach einem im europäischen Vergleich doch rasanten Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr von 2,9 Prozent soll die Wirtschaft im Land bis 2018 zwischen 2,3 und 2,5 Prozent im Jahr wachsen. Die robuste Konjunktur zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Seit fünf Jahren fällt die Quote der Nichtbeschäftigten und liegt derzeit im Bereich von 6,0 Prozent. 2010 hingegen waren noch 11,2 Prozent der Ungaren ohne Job.

Schulden sind kein grosses Thema mehr

Auch das Schuldenthema bekommt Ungarns Regierungschef Viktor Orbán zunehmend in den Griff. Oder vielmehr: Der Politiker hat es im Griff. Die Neuverschuldung des Staates lag im vergangenen Jahr bei 2,1 Prozent und soll 2016 auf 2,0 Prozent sinken. Der Schuldenstand soll dann von 75,5 Prozent im 2015 auf 74,9 Prozent zurückgehen. 2010 waren es noch 81,4 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das Land damit fast ein Schulden-Musterschüler: Neuverschuldung und Schuldenquote würden fast die ursprünglichen Euro-Maastricht-Kriterien von 3,0 und 60,0 Prozent erfüllen. Allerdings: Die Vorbildfunktion hat ihren Preis – vor allem für Ungarns Konsumenten. Denn die Mehrwertsteuer beispielsweise liegt bei rekordverdächtig hohen 27 Prozent.

Jetzt könnte es sein, dass das Land und damit die Börse sogar zusätzlichen Schub bekommen wird. Denn Ungarn hat inzwischen seine Kredite, die in den Jahren der Finanzmarktkrise aufgenommen worden waren, an den Internationalen Währungsfonds IWF zurückbezahlt, und Politiker, Unternehmer und Investoren in Budapest hofften seit einiger Zeit auf eine Erhöhung der Bonität.  

Fitch erhöht die Bonität

Und genau das ist jetzt passiert. Am vergangenen Freitag erhöhte die britische Ratingagentur Fitch ihr Rating für Ungarn auf BBB-. Das heisst: Zumindest schon einmal von Fitch erhält Ungarn den Status «Investment Grade». Damit kann sich Ungarn nun nach vier Jahren aus dem Ramschstatuts befreien. Das ist wichtig. Denn Anleihen mit diesem Prädikat können von einem viel breiteren Investorenkreis gekauft werden, also Bonds mit tieferem Rating. Wenn jetzt auch noch die anderen beiden Ratingagenturen S&P und Moody's auf diesen Erhöhungszug aufspringen, wäre das für Ungarns Staatsanleihen im internationalen Schuldnerkonzern eine Art von Ritterschlag.

Die Nachfrage ausländischer Investoren dürfte dann nämlich deutlich steigen. Das wäre nicht nur gut für den Bondsmarkt – die Kurse sollten dort zulegen –, sondern auch für die Börse. Denn besseres Rating geht in der Regel auch einher mit leichterem Zugang von Firmen zu Krediten. Das ermöglicht mehr Investitionen und dann im Idealfall höheres Wachstum bei tieferen Zinslasten.

BUX – jetzt sind weitere Kursgewinne drin

Und da bleibt der BUX vielversprechend. Nach dem Sprung über die psychologische Marke und den Widerstand von 25'000 Punkten aus 2006 und 2010 hat es den ungarischen Leitindex seit März ganz schnell um weitere 10 Prozent nach oben gezogen. Die Börse Budapest notiert dadurch inzwischen auf dem höchsten Stand seit 2007. Verbessert sich die Bonität des Landes, könnte das Allzeithoch aus 2007 von 30'000 Punkten möglicherweise ganz schnell wieder erreicht werden.

Eine Spekulation auf weitere Gewinne am breiten Markt können Anleger mit einem Indexzertifikat (ISIN: DE000CB6EBV7, Laufzeit endlos, währungsgesichert gegenüber dem Euro) auf den BUX eingehen. Ansonsten sind die jetzt schon sehr dynamischen Titel Richter Gedeon, OTP, MOL oder Magyar Telekom gute Einstiegsgelegenheiten. Die Aktie von Richter Gedeon ist übrigens erst vor wenigen Tagen nach oben ausgebrochen, und OTP notiert nur hauchdünn unter der psychologischen Marke und dem Widerstand von 7000 ungarischen Forint. Bei beiden Titeln sind schnell weitere Kursgewinne drin.