Unternehmen scheinen sich zunehmend an den Bedürfnissen ihrer Aktionäre zu orientieren – die steigende Zahl an Fusionen, Übernahmen und Aktienrückkäufen spiegelt das wider. Mit Blick auf die USA kann durchaus von einem Releveraging, sprich von einer verstärkten Aufnahme von Fremdkapital zur Finanzierung, die Rede sein. Werden Unternehmensanleihen dadurch unattraktiver?

Kurz gesagt lautet die Antwort: Nein. Das Jahr 2014 hat gezeigt, dass Anleiheemissionen mit guten Ratings Investoren im Releveraging-Prozess Chancen bieten können. Allerdings sollten Anleger sich darauf einstellen, dass zunehmend unternehmensspezifische Ereignisse den Markt und die Volatilität beeinflussen. Das gilt umso mehr, weil die Liquidität infolge neuer Regulierungsvorschriften zurückgeht.

Hochzinsanleihen standen zuletzt unter Druck, …

In den vergangenen Monaten waren auf der anhaltenden Suche nach Rendite vor allem qualitativ hochwertige Anleihen gefragt. Währenddessen sind Hochzins- und Schwellenländerpapiere teilweise unter Druck geraten. Wird diese Tendenz anhalten?

Die Renditen von Investmentgrade-Papieren liegen zwar schon sehr niedrig, angesichts gesunder Unternehmensbilanzen und mangels Alternativen sollten die Preise aber weiterhin Unterstützung finden. Im Finanzsektor kommen verstärkt Emissionen auf den Markt, speziell im Nachrang-Bereich. Diese sind mit Renditen von etwa 5 bis 9 Prozent einen Blick wert. Das Gleiche gilt für Hybridanleihen aus anderen Sektoren.

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… doch im 2015 dürfte es bei diesen Bonds besser laufen

Hochzinspapieren dürfte ein besseres Jahr bevorstehen als 2014. Denn erstens sind die Bewertungen attraktiver geworden, was sich in höheren Risikoprämien niederschlägt und zweitens wird wohl die anhaltend lockere Geldpolitik der EZB und der Bank of Japan dafür sorgen, dass die Zentralbank-Liquidität hoch bleibt. Dies führt möglicherweise dazu, dass die Ausfallraten auf dem sehr niedrigen Niveau von unter 2 Prozent bleiben.

Zwei Entwicklungen gilt es im Hochzinsbereich aber zu beobachten: Zum einen dürften sich die einzelnen Sektoren zunehmend unterschiedlich entwickeln. Ein Beispiel dafür ist die Anfälligkeit des Energiesektors angesichts des tieferen Ölpreises. Zum anderen könnte es sein, dass sich Investoren verstärkt dem US-Markt zuwenden werden, denn dieser besitzt gegenüber seinem europäischen Pendant Aufholpotenzial mit höheren Renditen, und das konjunkturelle Umfeld in den USA ist positiver.

Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihen-Teams bei BlackRock