Die Indikatoren zur Situation am Arbeitsmarkt sind auch weiterhin beeindruckend und sprechen in vielerlei Hinsicht für eine sehr gute Beschäftigungslage. So ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung vor einer Woche auf 282’000 gesunken (Schätzung des Marktes: 290'000), während der entsprechende Vier-Wochen-Durchschnitt um 7750 auf 297’000 Menschen zurückgegangen ist. Gleichzeitig fiel die Zahl der Personen, die bereits länger Arbeitslosenhilfe beziehen, um 6000 auf 2416 Millionen.

Schon letztes Jahr wurde über den Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung berichtet. In diesem Zusammenhang wurde seinerzeit angemerkt, dass diese absolute Kennzahl allein die tatsächliche Stärke des Arbeitsmarktes nicht vollständig widerspiegelt: Die Arbeitslosigkeit gemessen in Prozent der erwerbstätigen US-Bevölkerung war auf ihren tiefsten Stand seit mehreren Jahrzehnten gesunken.

Langzeitarbeitlosigkeit auf tiefem Niveau

Wenn man aber die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung als ein Barometer für die Tendenz im Bereich Arbeitskräfte betrachtet, was geschieht dann mit dem Bestand an dauerhaft Nicht-Erwerbstätigen – d.h. bezüglich den Langzeitarbeitslosen? Während die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den letzten 40 Jahren zwischen 0 und 0,5 Prozent lag, überrascht es nicht, dass sich die Zahl der bereits länger Erwerbslosen innerhalb einer wesentlich grösseren Bandbreite bewegt. Eine Überraschung ist allerdings die Tatsache, dass die Zahl der Anträge auf längerfristige Arbeitslosenunterstützung gerechnet in Prozent der Erwerbstätigen derzeit so niedrig ist wie seit dem Beginn der Boom-Jahre zur Jahrtausendwende nicht mehr (1,2 Prozent per Anfang 2015).

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In der Vergangenheit gab es bei den Zyklen der Zahl der Anträge auf längerfristige Arbeitslosenunterstützung immer dann eine Bodenbildung, wenn der monetäre Verschärfungszyklus der US-Notenbank seinen Zenit erreicht hatte (beispielsweise Ende der 1980er-Jahre, Anfang der 2000er-Jahre sowie im 2007). In den letzten Jahren war jedoch eine Abweichung von diesem Trend zu beobachten. Denn, obwohl sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessert hat, wurde die Geldmarktpolitik nicht entsprechend verschärft. Offensichtlich hinkt die Fed dem Verlauf der Zinskurve – unter Berücksichtigung historischer Standards – momentan also hinterher.

Geringe Lohnsteigerungen

Ein neues Rätsel gibt jedoch der Umstand auf, dass das Wachstum der durchschnittlichen Stundenlöhne, das im ersten Quartal des Jahres 2000 noch bei 3,8 Prozent gelegen hatte, derzeit lediglich 1,6 Prozent beträgt. Dieses schwache Lohnwachstum sowie die im Vergleich zur allgemeinen Arbeitslosenquote nach wie vor hohe U6-Arbeitslosenquote (die auch «entmutigte» Arbeitnehmer sowie jene Menschen umfasst, die weniger arbeiten, als sie es gerne tun würden) deuten darauf hin, dass das Zögern der US-Notenbank hinsichtlich einer Zinserhöhung darauf zurückzuführen ist, dass die Währungshüter bei der Beschäftigungslage nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der entsprechenden Daten im Blick haben.

Anjulie Rusius, Investment Specialist, Fixed Income Team M&G, London