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US-Berichtssaison: Tops und Flops

Starbucks: Die Kaffeehaus-Kette konnte Umsatz und Gewinn im letzten Quartal deutlich steigern. Keystone

Die US-Berichtssaison ist in vollem Gange. Drei Viertel aller Firmen liegen über den Erwartungen. Besonders gut läuft es bei Apple, Starbucks und Facebook.

Von Christian Ingerl
am 29.01.2015

Gefühlt läuft die aktuelle Berichtssaison in den USA alles andere als rosig. Die Banken haben beim Handel mit festverzinslichen Papieren enttäuscht und fallende Gewinne kassiert. Bei McDonald's läuft es sogar so schlecht, dass der Chef den Hut genommen hat. Und der Zwischenbericht beim Tech-Giganten Microsoft schreckte Investoren ab und brachte einen Kursrückgang um 10 Prozent.

Doch laut Datenspezialist Factset ist die Lage deutlich besser als gefühlt. Ein Viertel aller Firmen hat bereits berichtet. 79 Prozent der bisher vorgelegten Bilanzen weisen einen höheren Gewinn auf als erwartet und bei 54 Prozent der Unternehmen lagen auch die Umsätze über den Schätzungen. Damit scheint der Start in die Quartalssaison doch gelungen zu sein. Allerdings liegt die Höhe der positiven Gewinnüberraschungen noch unter dem historischen Durchschnitt.

Während Banken und Energie enttäuschen, …

Auf Sektorbasis sticht insbesondere die Technologiebranche mit positiven Meldungen heraus, während es in der Energie- und Bankenbranche zu den grössten Enttäuschungen gekommen ist. Unter den Energie-Titeln trägt derzeit Kinder Morgan die rote Laterne. Erwartet wurde ein Ergebnis je Aktie von 0,29 US-Dollar, tatsächlich schaffte der Konzern aber nur 0,08 Dollar. Im Finanzsektor schrammten nahezu alle Big Player an den Durchschnittsschätzungen vorbei.

Citigroup wies einen Gewinn von 0,06 Dollar anstatt 0,10 Dollar je Aktie aus, Morgan Stanley von 0,40 Dollar anstelle von 0,56 Dollar, und Bank of America lag mit 0,31 Dollar je Aktie rund 20 Prozent unter der Prognose. Auch JPMorgan Chase verfehlte mit 1,19 Dollar je Aktie die Schätzung von 1,31 Dollar.  

… überraschen Tech-Werte auf der Gewinnerseite

Doch zurück zu den Techs. Hier ist es mit dem vorgelegten Zahlenwerk von Apple zu einer gewichtigen Überraschung gekommen – und zwar in einem positiven Sinn. Der Kultkonzern aus dem Silicon Valley startete mit seinen neuen iPhones 6 und 6 Plus im Weihnachtsquartal voll durch. Die Smartphoneverkäufe legten um satte 46 Prozent auf 74,5 Millionen zu. Dies bescherte Apple einen Gewinn- und Umsatzrekord. So verdiente der Konzern von Oktober bis Dezember 18 Milliarden Dollar, was einem Plus von mehr als 38 Prozent entspricht. So viel Geld hat noch nie ein US-Unternehmen in einem einzigen Quartal verdient. Nach dem Mega-Profit sitzt der Konzern nun auf einem Cashberg von fast 180 Milliarden Dollar.

Mit Facebook hat ein weiterer grosser Tech-Konzern unerwartet gut abgeschnitten. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Werbeanzeigen auf mobilen Geräten katapultierten die Erlöse um 49 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar, der Analystenkonsens ging nur von 3,8 Milliarden Dollar aus. Ebenso legte das soziale Netzwerk beim Gewinn deutlich zu: Je Aktie verdiente der Internet-Konzern 0,54 Dollar, im Vorjahresquartal waren es nur 0,32 Dollar. Aber auch aus anderen Branchen liefen positive News über den Ticker. So steigerte Starbucks den Umsatz im Schlussquartal um 13 Prozent, der Gewinn schnellte sogar um mehr als 80 Prozent in die Höhe. Damit hat die Kaffeehaus-Kette ebenfalls die Erwartungen übertroffen.

Besonnenheit überwiegt

Auch wenn jetzt einzelne Aktien wie Apple oder Starbucks eine klare Aufwärtstendenz zeigen, der breite US-Markt tritt derzeit auf der Stelle. Seit Jahresbeginn liegt der S&P 500 sogar leicht im Minus. Es ist nicht nur die Vorsicht gegenüber der laufenden Berichtssaison, die Investoren Zurückhaltung üben lässt. Auch die Notenbank sendet gemischte Signale.

An der jüngsten Fed-Sitzung wurde zwar mit Blick auf die erwartete Zinserhöhung keine Eile signalisiert und der starke Konjunkturverlauf ist hervorgehoben worden, allerdings wird die Fed seit neuestem auch «Finanzentwicklungen und internationale Entwicklungen» bei ihren geldpolitischen Entscheidungen berücksichtigen. Dies wird wohl vor allem für die EZB gelten, die gerade mit billigem Geld um sich wirft.

Apple (ISIN US0378331005)  

Geht es nach CEO Tim Cook, bleibt das Wachstumstempo weiterhin hoch. Ein zusätzlicher Schub könnte von der anstehenden Lancierung eines neuen Produkts kommen: Laut Cook wird die Apple Watch ab April zu haben sein. Allerdings mahnte das Firmenoberhaupt auch zur Vorsicht, denn der starke Dollar macht sich immer stärker bemerkbar.

Starbucks (ISIN US8552441094)

Um mehr als 6 Prozent legte die Starbucks-Aktie nach dem Zwischenbericht zu. Das war nicht nur den guten Zahlen geschuldet, sondern es machte sich auch die Hoffnung breit, dass 2015 besser laufen könnte als bisher angenommen worden war. Insbesondere das mobile Bezahlen könnte die Geschäfte in den USA antreiben.

Facebook (ISIN US30303M1027)  

Die Zahlen überzeugen, dennoch ist die Aktie nach dem Quartalsbericht abgetaucht. Das berühmte «Haar in der Suppe» waren die steigenden Kosten, die von September bis Dezember um 87 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar gestiegen sind. Ob sich die breiten Investitionen in die Zukunft auszahlen werden, bleibt fraglich, und das verunsichert Investoren.

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