US-Nebenwerte sind in einem starken Aufwärtstrend. In den letzten drei Jahren kletterten die Notierungen im Nebenwerteindex Russell 2000 um rund 100 Prozent. Der Dow Jones schaffte im selben Zeitraum nur einen Zuwachs von knapp 50 Prozent. Nach der jahrelangen Hausse stellen sich Anleger allerdings die Frage: Wann wird der Bullen- von einem Bärenmarkt abgelöst werden? 

Die Bewertung der Nebenwerte ist schon relativ hoch. Goldman-Sachs-Aktienstratege David Kostin sieht im Russell 2000 in diesem Jahr ein 23er-KGV. Diese Bewertung liegt 10 Prozent über dem Zehnjahres-Durchschnitt des Index. Auch der Aufschlag zur durchschnittlichen Bewertungsdifferenz gegenüber dem S&P 500 liegt in etwa bei 10 Prozent. Die hohen Kurse drücken auch die Dividendenrendite. So liegt diese im S&P 500 im Durchschnitt bei 2,0 Prozent, im Russell 2000 sind es hingegen nur 1,3 Prozent. Auch das Verhältnis vom Unternehmenswert gegenüber dem Umsatz bewegt sich abgesehen von der Kursblase bei Techwerten zur Jahrtausendwende mit zwei auf dem höchsten Stand der vergangenen 20 Jahre.

Russell 2000 – Gewinne sollen um 30 Prozent zulegen

Zur vergleichsweise hohen Bewertung der US-Nebenwerte haben aber nicht nur die Kurssteigerungen der letzten Jahre beigetragen, sondern zuletzt auch deutlich gesenkte Gewinnprognosen. Für 2014 und 2015 wurden diese seit Jahresbeginn um 13 und 7 Prozent nach unten korrigiert. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass den Russell-2000-Indexmitgliedern 2015 im Schnitt noch immer ein Gewinnplus von 30 Prozent zugetraut wird. Dennoch hinkt der Russell-2000-Index als Folge der geschilderten Entwicklungen in diesem Jahr den Leitindizes etwas hinterher.

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Auch auf Sicht der nächsten zwölf Monate trauen die Analysten von Goldman Sachs dem Russell 2000 nur ein relativ bescheidenes Plus von 4 Prozent zu. Der S&P 500 besitzt nach Einschätzung der Analysten hingegen ein Kurspotenzial von 6 Prozent. Trotz der gedämpften Kurserwartungen haben die Goldman-Sachs-Analysten 25 Titel auf ihrer Empfehlungsliste, von denen sie ein Plus von rund 25 Prozent und mehr erwarten. 

US-Nebenwerte – Favoriten mit hohem Potenzial

An der Spitze dieser Liste befinden sich fünf Titel mit einem Kurspotenzial von mehr als 40 Prozent. Einer davon ist Universal Display Corp. (ISIN: US91347P1057). Der Hersteller organischer Leuchtdioden kommt auf eine Marktkapitalisierung von 1,5 Milliarden Dollar und auf Basis 2015 auf ein 15er-KGV. Das Kursziel sehen die Goldman-Experten bei 44 Dollar – ein Potenzial von rund 40 Prozent.

Zu den Favoriten zählt auch Marketo Inc. (ISIN: US57063L1070). Dahinter steckt ein Anbieter von Marketing-Automatisierungssoftware. Das Unternehmen schreibt momentan noch Verluste, Analysten trauen der Gesellschaft im Konsens in den nächsten Jahren aber eine deutliche Ergebnisverbesserung zu. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis wird von Goldman Sachs mit elf angegeben. Das Kursziel beträgt 41 Dollar – rund 50 Prozent Kurspotenzial.

GT Advanced Technologies – Zusammenarbeit mit Apple

Eine noch etwas bessere Performance wird bei einem Kursziel von 22 Dollar der GT Advanced Technologies Inc. (ISIN: US36191U1060) zugetraut. Das Kurspotenzial beträgt hier mehr als 55 Prozent. Das Unternehmen stellt Fertigungssysteme für Photovoltaik, LED und Elektronikindustrie her und arbeitet neuerdings mit Apple zusammen. Der Börsenwert beträgt rund zwei Milliarden Dollar, und Goldman Sachs sieht für 2015 ebenfalls ein geschätztes KGV von 15.

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Optimistisch sind die Verantwortlichen bei Goldman Sachs auch für RetailMeNot Inc. (ISIN: US76132B1061). Dabei handelt es sich um ein Internet-Unternehmen, das mit RetailMeNot.com und VoucherCodes.co.uk zwei Coupon-Rabatt-Portale betreibt. Analysten hoffen bei dieser Gesellschaft allgemein auf deutliche Gewinnsteigerungen in den nächsten Jahren. Goldman Sachs gibt das für 2015 geschätzte KGV mit 24 an. Das Kursziel lautet auf 44 Dollar – ein Kurspotenzial von 70 Prozent.

Synageva BioPharma mit Entwicklungsphantasie

Noch mehr hält Goldman Sachs bei Synageva BioPharma Corp. (ISIN: US87159A1034) für möglich. Geht das Kursziel von 126 Dollar auf, winken Kursgewinne von 75 Prozent. Das Unternehmen schreibt zwar Verlust, forscht aber an seltenen Krankheiten. Und die Analysten von Goldman Sachs halten die Produktpipeline für aussichtsreich. Der Börsenwert beträgt 2,3 Milliarden Dollar, das Kurs-Umsatz-Verhältnis bewegt sich bei 200 und ist damit extrem hoch. Aber das Pharmaunternehmen muss seine Umsatztreiber zuerst noch auf den Markt bringen. Im Erfolgsfall sind da schnell Kursgewinne drin. 

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