Der Termin für die US-Präsidentschaftswahlen rückt immer näher und gleichzeitig steigt die Verunsicherung über deren Ausgang. Insbesondere die überraschende Annahme des EU-Referendums in Grossbritannien vom 23. Juni 2016 lässt alle Optionen in den USA möglich erscheinen.

Doch diese Verunsicherung spiegelt sich derzeit im Markt (noch) nicht wider. Verglichen mit den Wahljahren bis 1992 notiert der Volatilitätsindex (kurz: VIX) dieses Jahr im Monat vor den Wahlen auf dem absolut niedrigsten Niveau. Lediglich in den Jahren in denen der amtierende Präsident zur Wiederwahl stand (1996: Clinton; 2004: George W. Bush; 2012: Obama) lag der VIX auf ähnlich niedrigem Niveau. Liegt es dieses Jahr also an den Präsidentschaftskandidaten und deren politischen Programmen, dass der Markt im Vorfeld nicht stärker reagiert oder preist der Markt einen möglichen politischen Kurswechsel in den USA falsch ein? 

Politisches Programm: Trump vs. Clinton

Das Programm Hillary Clintons liest sich wie die Fortführung der Administration unter Barack Obama. Es birgt nur wenig Überraschungspotential für den Markt, der sich seit Obamas Wahlsieg in 2008 in einem stetigen Aufwärtstrend befindet. Das Highlight einer Wahl Clintons wäre die historische Bedeutung die erste Frau im Amt der US-Präsidentin zu sehen.

Während Clinton seit der Jahrtausendwende aktiv politische Verantwortung trug, ist Trump auf dieser Ebene unerfahren. Zwar liest sich sein Steuerprogramm sehr unternehmer- und bankenfreundlich, doch birgt der umworbene Handels-Protektionismus ein Risiko für die exportorientierte Industrie. Darüber hinaus will Trump in der Aussenpolitik eine wesentlich härtere Gangart einschlagen. Unter normalen Voraussetzungen wird ein Präsident Trump für den Gesamtmarkt und den US Dollar zunächst belastend wirken.

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Zudem sollte bereits der Fakt, dass es Trump schafft, in Umfragen immer wieder zu Hillary Clinton aufzuschliessen (und diese sogar zu überholen), für eine erhöhte Volatilität sorgen. Auch dies geschieht bislang nicht!

Risiko Trump

Der bislang in der «heissen Vorwahlphase» gezeigte Marktverlauf lässt für mich nur einen Schluss zu – die globale Zentralbankpolitik absorbiert derzeit jegliche Verunsicherung.

Sollten wir nach den Wahlen eine Präsidentin Clinton sehen, sollte sich daran auch nichts ändern. Sollte jedoch Trump wider Erwarten gewinnen, wird viel daran liegen wieviel er von seinem Programm umsetzen wird und welche Tonart er in der Aussenpolitik einschlagen wird. Dies könnte dann zu einem bösen Erwachen führen, denn auch die Möglichkeiten der Zentralbanken sind begrenzt – insbesondere bei einem unberechenbaren Trump.

*Christos Maloussis ist Market Analyst bei der IG Bank.