Die Meinung ist relativ eindeutig: Analysten mögen keine Versorgeraktien. Vergleicht man die Einstufungen von Analysten von 30 verschiedenen Sektoren, so verzeichnet diese Branche die viertwenigsten Kaufempfehlungen, dafür aber die dritthäufigsten Verkaufsempfehlungen. Warum das so ist, lässt sich leicht erklären und kommt sehr gut in der auf Untergewichten lautenden Einschätzung von Raiffeisen Research zum Ausdruck. Die dortigen Analysten verweisen auf schwache Ertragsaussichten und unattraktive Bewertungen. Insbesondere in Europa werden infolge von Überkapazitäten mittelfristig keine substanziell besseren Gewinnaussichten erwartet. Zu den Hauptproblemen für die Versorger zählen laut Nord/LB die niedrigen Grosshandelspreise für Strom und die schwache Rentabilität konventioneller Kraftwerke.

An der Börse hat trotz dieser Schwierigkeiten ein gewisses Umdenken stattgefunden. Ablesen lässt sich das an der Entwicklung des Stoxx-Europe-600-Utilities-Index im Vergleich zum Stoxx-Europe-600-Index. Nachdem die europäischen Versorgeraktien im laufenden Bullenmarkt seit März 2009 teilweise sehr deutlich zurückhingen, konnten sie in diesem Jahr bisher weit besser performen und den breiten Index um rund 15 Prozentpunkte abhängen.

Versorgeraktien – schlechte Nachrichten sind im Kurs drin

Der erwähnte Trend könnte durchaus weiter anhalten. Dafür spricht zum einen die negative Stimmung gegenüber der Branche. Sie führt dazu, dass Versorger in den Depots im Durchschnitt wohl noch immer untergewichtet sind. Zum anderen sind wahrscheinlich die schlechtesten Nachrichten inzwischen bekannt und in den Kursen eingepreist. Das gilt auch für die Ergebnisaussichten. So sagen die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg für 2014 bei der Mehrheit der Unternehmen weitere Rückgänge bei der Ertragsentwicklung voraus. In den beiden Folgejahren wird aber eine leichte Besserung für möglich gehalten.

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Auch sonst gibt es inzwischen erste Investmentbanken, die dem Sektor wieder positiver gegenüberstehen. Dazu zählt unter anderem die UBS. Ihre Analysten wittern Wachstumschancen vor allem in aussereuropäischen Regionen sowie die Chance eines neuen Investitionszyklus, und sie sehen die Möglichkeit einer etwas stärkeren Nutzung von vorhandenen Finanzierungsspielräumen. Nach Einschätzung der Experten könnten bis zum Jahr 2025 Gewinnsteigerungen von 75 Prozent drin sein entsprechend einer jährlichen Wachstumsrate von mehr als 6 Prozent.  

Sektoreinstufung angehoben

Auch die Analysten bei der Berenberg Bank haben erst Mitte November ihre Einschätzung für den europäischen Versorgersektor von «neutral» auf «kaufen» angehoben. Das basiert auf der vom Konsens abweichenden Meinung von mittelfristig wieder steigenden Strompreisen und damit auf Gewinnprognosen der Bank, die teilweise deutlich über dem Konsens liegen.

Auch die Dividendenrendite des Versorgersektors rückt langsam wieder in den Vordergrund. Überzeugend hört sich etwa die Argumentation der Branchenanalysten der UBS an. Sie verweisen darauf, dass die Dividendenrenditen der europäischen Versorgeraktien in der Vergangenheit im Durchschnitt einen Abschlag von 50 Basispunkten gegenüber der Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen aufgewiesen haben. Doch aus einem Abschlag ist in den vergangenen Jahren ein Aufschlag geworden, und dieser beläuft sich derzeit auf rund 300 Basispunkte. Das ist attraktiv und ein gewichtiges Argument zugunsten der europäischen Versorgeraktien. Allerdings natürlich nur, solange die Anleihenrenditen in Europa weiter tief bleiben.  

5-Prozenter für Anleger

Daran anknüpfend scheint es sinnvoll zu sein, vor allem auf Versorger mit einer überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite zu setzen. Mehr als 5 Prozent Dividendenrendite sind bei den beiden italienischen Konzernen Snam S.p.A. (ISIN: IT0003153415, geschätzte Dividendenrendite: 5,7 Prozent) und Terna S.p.A. (ISIN: IT0003242622, geschätzte Dividendenrendite: 5,1 Prozent) zu erwarten. Ähnlich hohe Dividenden gibt es bei der spanischen Enagas S.A. (ISIN: ES0130960018, geschätzte Dividendenrendite: 5,2 Prozent), bei der britischen Scottish & Southern Energy PLC (ISIN: GB0007908733, geschätzte Dividendenrendite: 5,9 Prozent) und bei der portugiesischen EDP Energias de Portugal S.A. (ISIN: PTEDP0AM0009, geschätzte Dividendenrendite: 5,4 Prozent).

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Sollten die Zahlungen nachhaltig fliessen, bietet das nicht nur einen guten Schutz vor Kursrückgängen, sondern macht diese Aktien zur weit besseren Alternative gegenüber Festverzinslichen.