Auf der Suche nach echten Wachstumsmärkten kommen Anleger an Windenergie nicht vorbei. Der Branchendienst Global Wind Energy Council (GWEC) und Greenpeace rechnen damit, dass die weltweit installierte Leistung in diesem Jahr um 14 Prozent auf 363 Gigawatt (GW) steigen wird. Bis 2030 soll sich die installierte Leistung auf 2000 GW mehr als verfünffachen und dann 19 Prozent des globalen Elektrizitätsbedarfs abdecken. Bis 2050 könnte sich die Quote sogar auf 25 bis 30 Prozent erhöhen.  

Auch die noch vor ein paar Jahren bereits zum Teil «tot geglaubten» Branchenvertreter haben seit langem wieder Rückenwind. So durchbrach die spanische Gamesa passend zu ihrem 20-jährigen Firmenjubiläum bei der weltweit installierten Leistung der eigenen Anlagen im Sommer die 30-GW-Marke.

Gamesa: Internationale Expansion bringt die Wende …

Dass dem Unternehmen dies gelungen ist, liegt vor allem an der internationalen Expansion. Im Jahr 2000 machte der Heimatmarkt 95 Prozent des Umsatzes aus, heute erzielt der Hersteller von Windkraftanlagen seine Erlöse fast ausschliesslich ausserhalb Spaniens. Die positive Entwicklung auf dem Windmarkt schlägt sich auch in der Bilanz des Unternehmens nieder. Der Umsatz legte im ersten Halbjahr um knapp 13 Prozent zu, der Gewinn sogar überproportional um 88 Prozent. Wie die Zahlen zum dritten Quartal ausgefallen sind, werden Anleger am 6. November erfahren.

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Auch die Windräder des Branchenprimus Vestas drehen sich rund um den Globus. Der dänische Windenergieanlagen-Profi ist derzeit sogar dabei, mit seinem Projekt «Wind for Prosperity» besonders abgelegene Regionen, beispielsweise in Kenia und Indonesien, zu erobern. Dabei machen die Dänen gemeinsame Sache mit dem heimischen Elektrotechnik-Konzern ABB, der mit seinen Produkten für einen verlässlichen und sicheren Betrieb der Stromnetze sorgt.

… auch Vestas ist weltweit aktiv

Die zentralen Geschäftszahlen wie Umsatz, operatives Ergebnis (Ebit) und Netto-Gewinn zeigen wie bei der Konkurrenz ebenfalls nach oben. Die Erlöse kletterten im zweiten Quartal um 13 Prozent empor, das Ebit schnellte von 12 auf 104 Millionen Euro hoch. Diesen guten Verlauf nahm das Management zum Anlass, das Renditeziel auf Ebit-Basis für das Gesamtjahr von mindestens 5 auf mindestens 6 Prozent zu erhöhen. Am 7. November wird Vestas ihr Zahlenset für das dritte Quartal präsentieren.

Sechs Tage später wird sich Nordex mit ihrer Zwischenbilanz den kritischen Blicken der Analysten zeigen. In den vergangenen Wochen verteilten die Experten jede Menge Vorschusslorbeeren, und es kam zu einigen Hochstufungen respektive Kurszielanhebungen seitens der Banken und Researchhäuser.

Nordex: Turnaround geschafft

Die Deutschen haben nach einer langen Verlustserie im 2013 den Turnaround geschafft. Seither geht es bergauf: Neben einem harten Kostensenkungsprogramm beflügeln starke Geschäfte in Europa und im Nahem Osten den Gewinn. Für das laufende Jahr plant Nordex mit einem Umsatz von 1,5 bis 1,6 (Vorjahr: 1,4) Milliarden Euro sowie mit einer Verbesserung der Ebit-Marge von 3 Prozent im 2013 auf 4 bis 5 Prozent.

Sogar über eine Gewinnbeteiligung für die Aktionäre denkt das Unternehmen nach. «Wir kommen nun in die Dividendenfähigkeit hinein», sagte kürzlich Finanzvorstand Bernard Schäferbarthold.

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Schweiz: Windenergie wird massiv ausgebaut

Eine Gewinnausschüttung ist beim heimischen Energiekonzern BKW Ehrensache. Aktuell bringen es die Valoren auf eine Dividendenrendite von mehr als 4 Prozent. Auch wenn BKW keine klassische Wind-Aktie ist, ist das Unternehmen dennoch mit regenerativer Energie bestens vertraut. Bereits 1996 bewies BKW Pioniergeist und baute die ersten Windkraftwerke im Kanton Jura. Heute ist der Konzern hierzulande die Nummer eins in der Nutzung dieser Energiequelle.

Die Schweiz hat bezüglich Windenergie viel vor: In den nächsten 20 Jahren soll die Windenergieproduktion im Land auf das 20-Fache steigen. Insgesamt wird bis ins Jahr 2030 erwartet, dass rund 2 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs durch Windenergie gedeckt werden können. Für den Schrittmacher BKW eine durchaus willkommene Entwicklung.

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Die BKW-Aktie gab in der aktuellen Korrektur deutlich nach und brach aus ihrem Seitwärtstrend nach unten aus. Allerdings reduzierte sich dadurch die Bewertung. Sie liegt auf Basis 2015 nur noch bei einem 8er-KGV. Operativ konnte der Konzern im ersten Halbjahr nicht überzeugen, er hielt aber an seiner Jahresprognose fest.

Die Spanier sind auf dem Wachstumspfad. Der Durchschnitt der Analysten traut dem Konzern ein Ergebniswachstum von 100 Prozent im laufenden Jahr und von 40 Prozent im 2015 zu. Das KGV beträgt günstige 13,3, die PEG-Ratio liegt bei lediglich 0,3. Werte unter 1 deuten bei dieser Kennzahl auf eine Unterbewertung hin.

Der TecDAX-Titel liegt derzeit in der Gunst der Analysten. So sieht beispielsweise Goldman Sachs Kurspotenzial bis 19 Euro, Warburg Research von 19,50 Euro. Das entspricht aus heutiger Sicht einer Kurschance von rund 50 Prozent.

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Trotz einer Berg- und Talfahrt liegt die Aktie des Branchenprimus im laufenden Jahr noch knapp 20 Prozent im Plus. «Zwar dürften die hohen Margen eingepreist sein, doch teuer ist die Aktie nach dem jüngsten Kursrückgang nicht mehr», urteilt beispielsweise die Credit Suisse. Das 2014er-KGV liegt im Bereich von 16.