So mancher Investor dürfte bereits an der «Mean Reversion» gezweifelt haben. Dieses Grundprinzip besagt, dass die implizite Volatilität im Zeitverlauf immer wieder zu ihrem Mittelwert zurückkehrt. Doch jetzt werden die Skeptiker eines Besseren belehrt. Ende Januar schoss der VSMI innert weniger Tage um knapp 60 Prozent nach oben. Zwischenzeitlich notierte der Gradmesser für die erwartete Kursschwankungsbreite im SMI nur noch knapp unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 20 Prozent. Derart starke Ausschläge sind neben der Mean Reversion eine weitere typische Eigenschaft der impliziten Volatilität. Da sich die Risikokennzahl spiegelverkehrt zu den Aktienkursen entwickelt, geht es nach oben, sobald wie zuletzt Ausverkaufswellen über die Märkte schwappen.

Terminmarkt als Hürde

Wegen der skizzierten Wesensmerkmale greifen Profianleger gerne auf Volatilität als Absicherungsinstrument zurück. An der Terminbörse Eurex hat sich das Handelsvolumen der entsprechenden Kontrakte innert drei Jahren versiebenfacht. Für den Privatanleger ist der Zugang zum Terminmarkt nicht ohne weiteres möglich.

Hinzu kommt, dass Volatilität in der Regel im Contango notiert. Das heisst, länger laufende Kontrakte stehen höher als der nächstfällige. Da für eine dauerhafte Positionierung der regelmässige Austausch des zugrunde liegenden Futures erforderlich ist, entstehen Rollverluste. Mit ihren Faktor-Zertifikaten bietet die Commerzbank einen Ausweg aus der «Contango-Falle»: Ihr spezieller Indexansatz versucht, Rollverluste auszuklammern. Insofern lässt sich das Depot mit Long-Zertifikaten in hektischen Marktphasen vorübergehend absichern.

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Dynamische Anlagekonzepte der Commerzbank

Da sich diese Produkte nicht für eine «Buy-and-Hold»-Strategie eignen, hat die Commerzbank ihre Palette 2013 um längerfristig ausgerichtete Produkte ergänzt. Dazu zählt ein Tracker-Zertifikat auf die «US Equity Volatility Balanced Strategy». Dieser modellbasierte Ansatz versucht, im Contango positive Rollrenditen zu generieren. Dazu ist die Strategie in normalen Marktphasen sowohl auf der Long- als auch auf der Short-Seite positioniert. Kippt die Stimmung, setzt das Konzept ausschliesslich auf einen Anstieg der Volatilität. Allerdings ist dazu eine gewisse Übergangsphase erforderlich. Womit sich erklären lässt, weshalb das Zertifikat zuletzt an Wert verloren hat.

«Seit einigen Tagen ist die Strategie vollständig auf der Long-Seite allokiert», erklärt Andreas Stocker, Derivatexperte der Commerzbank. Falls der jüngste Vola-Ausschlag an der Wall Street kein Fehlsignal gewesen sei, würde das Produkt von weiteren Avancen beim VIX profitieren. Historisch kann die Strategie überzeugen. Laut Backtesting gab es zwischen 2008 und 2013 pro Jahr nach Kosten im Schnitt Verdoppelungen um mehr als die Hälfte.

Auch Leonteq-Produkt verlangt langen Atem

Auch Leonteq verfolgt das Ziel, im Timing flexibler zu werden. Dazu lancierte die Emittentin ein Zertifikat auf den «CBOE Dynamic VIX Index Basket». Der Basiswert umfasst einen Long- und einen Short-Index. Dadurch sollen Rollverluste vermieden werden respektive der Contango-Zustand soll in Profit umgemünzt werden. Gleichzeitig wird mit dieser Strategie versucht, Spitzen in der impliziten Schwankungsbreite abzugreifen.

Bei dem ebenfalls regelbasierten Konzept ist der Short-Anteil stärker begrenzt als beim Commerzbank-Produkt. Darum ging es mit dem Leonteq-Zertifikat mit dem jüngsten Volatilitäts-Ausschlag moderat nach oben. Dem übergeordneten Abwärtstrend des im November 2015 fälligen Derivats konnte dies jedoch keinen Abbruch tun. Auch hier ist wohl ein langer Atem gefragt, um die in der Simulation erreichten positiven Ergebnisse abgreifen zu können.

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Einfache Alternative

Fest steht, dass nur erfahrene und aktive Anleger direkt mit Volatilität arbeiten sollten. Eine vergleichsweise einfach gestrickte Alternative bieten Put-Warrants. Bei fallenden Kursen gewinnen sie an Wert, und so kann gleichzeitig vom Vola-Anstieg profitiert werden.

Beispielsweise verteuerte sich ein solcher Optionsschein auf den SMI (siehe Tabelle) innert zwei Wochen um gut zwei Drittel. Neben der Depotabsicherung eignen sich diese Hebelpapiere für kurzfristige Wetten. Wobei natürlich das Timing passen muss: Ein Rebound beim SMI kann rasch zu hohen Verlusten führen.